Archiv für den Autor: Frank Schäfer

Xiphophorus hellerii, Höhlen-Schwertträger

1. April 2025

Mittelamerika ist berühmt für seine zahlreichen Karsthöhlen. In ihnen hat sich häufig eine besonders interessante Fauna entwickelt. Der vielleicht bekannteste Höhlenfisch Mexikos ist der Blinde Höhlensalmler (Astyanax jordani oder Anoptichthys jordani, siehe https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/blinde-hoehlensalmler/). Bei ihm sind, wie bei vielen Höhlenfischen, die Augen stark verkümmert. Allerdings gibt es in der Heimathöhle des Blinden Höhlensalmlers vier unterirdische Seen. In dem See, der dem Höhleneingang am nächsten ist und in den noch etwas Licht einfällt, haben die Tiere noch Augen. Je tiefer die verschiedenen Seen im Höhleninneren liegen, desto stärker verkümmerter die Augen der Salmler. Die seit 1936 im Aquarium gezüchtete, völlig blinde Form stammt aus der hintersten der vier Höhlenseen.

Unter den Lebendgebärenden Zahnkarpfen war bislang nur vom Atlantischen Molly (Poecilia mexicana) bekannt, dass er Höhlenformen ausbildet. Diese Tiere sind meist blass rosafarben und haben kleine, aber funktionstüchtige Augen. 

Der Umbau einer Karsthöhle im mittelamerikanischen Staat Guatemala zu einer Großraumdisco führte zur Entdeckung einer bislang noch unbekannt gebliebenen Höhlenpopulation des Schwertträgers, Xiphophorus hellerii. Das Interessante dabei ist, dass die Fische aktiv aus kleinen unterirdischen Bächen in den Bereich des Tanzsaales einwanderten, wo sich ein größerer Brunnen mit Wasserspiel befindet, der von eben diesen Bächen gespeist wird. Während die in den Bächen lebenden Höhlenschwertträger schneeweiß sind – auch das Schwert der Männchen – zeigen die in den beleuchteten Teil eingewanderten Tiere schon Andeutungen von Farbe, meist zarten Rottönen und etwas schwarzer Längsbandzeichnung. Alle Höhlenschwertträger, sowohl die in den Bächen lebenden wie auch die im Disco-Teich, haben blaue Augen. Als allerneueste Entwicklung finden sich jetzt vereinzelt Tiere, die auf schneeweißer Grundfärbung an großen Teilen des Körpers knallrot gefärbt sind. Forschende führen das auf die Lichtspektren der Discokugel an der Höhlendecke zurück. Spannend ist auch, wie sich die Disco-Höhlen-Schwertträger ernähren. Während für die Bach-Population Fledermauskot die Nahrungsgrundlage darstellt, haben sich die Disco-Teich-Schwertträger auf Oliven aus Martinis und Erdnussflips, die Disco-Besucher in den Teich werfen, umgestellt.

Wir haben jetzt erstmals Nachzuchten dieser faszinierenden Tiere erhalten.

Für unsere Kunden: Die Fische haben 471105 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Poecilocharax weitzmani

28. März 2025

Selbstverständlich ist dieser Fisch alles andere als eine Neuheit und wird seit vielen Jahren in relativ großen Stückzahlen importiert. Aber ist er nicht wunderschön? Das kleine Tier ist ein idealer Gesellschafter vom Roten Neon (Paracheirodon axelrodi), mit dem er auch in der Natur zusammen vorkommt. Poecilocharax weitzmani wird 3-4 cm groß und ist im Bereich des oberen Amazonas und oberen Orinoko relativ weit verbreitet. Man findet ihn in Kolumbien, Venezuela, Brasilien und Peru. Ungeachtet seines großen Maules ist er ein friedlicher Fisch. 

Allerdings ist P. weitzmani eine wirkliche Salmlerbesonderheit, da er – ganz im Gegensatz zu den meisten anderen Salmler-Verwandten – ein Höhlenbrüter mit Brutpflege ist. Im Aquarium besetzen die Männchen hohle Bambusstücke als Brutrevier und bewachen dort den Laich bis zum Schlupf der Jungtiere. Allerdings ist die Zucht nicht leicht, denn damit sich der Laich gut entwickeln kann, braucht man Wasserwerte wie in der Natur: Härte praktisch nicht nachweisbar und pH um 4,5-5. Um ein solches Wasser über einen längeren Zeitraum stabil zu halten, braucht man einige Erfahrung. Darum ist es auch nicht ratsam. derartige Wasserwerte für die normale Haltung anzustreben. Genau wie beim Roten Neon ist die Anpassungsfähigkeit an Wasserwerte, wie sie in Mitteleuropa aus der Leitung kommen, sehr gut. Auch in solchem Wasser erreichen die kleinen Fische ein Lebensalter, das um den Faktor 5-10x höher ist als in der Natur.

Wir können gerade P. weitzmani aus Kolumbien und aus Brasilien anbieten. Grundsätzlich können wir bei den beiden Standortformen optisch keine Unterschiede feststellen, aber die brasilianischen Exemplare sind aktuell deutlich größer, nahezu ausgewachsen. Und unter ihnen sind vereinzelt (1-2 Tiere auf 500 Exemplare) männliche Individuen mit einer brillanten Rotfärbung, wie wir sie bislang noch nicht (bewusst) gesehen haben. Bislang wurde P. weitzmani wegen seiner Häufigkeit und des daraus resultierenden geringen Preises nur von Spezialisten gezüchtet, die sich für Verhaltensstudien interessieren; wirtschaftlich lohnend ist die Zucht nicht. Möglicherweise ändert sich das mit dem Bekanntwerden dieser herrlichen Variante.

Es gibt Beobachtungen von Aquarianern, die P. weitzmani als scheu schildern. Das deckt sich nicht mit unseren Beobachtungen. Die photographierten Tiere sind z.B. erst vor wenigen Tagen importiert worden und präsentieren sich in dem nur sehr spärlich mit einigen Holzstücken und Laub eingerichteten Fotobecken bereits, als wären sie dort geboren worden. Bezüglich aller Pflegefaktoren (Futter, Temperatur, Beleuchtung, Einrichtung) sei auf die umfangreiche Literatur zum Roten Neon verwiesen. P. weitzmani stellt keine davon wesentlich abweichenden Forderungen mit Ausnahme der bereits erwähnten Ablaichhöhlen.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 281004 (md-lg) und 281005 (lg-xlg) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Farlowella hahni

28. März 2025

Die Nadelwelse (Farlowella) sind skurrile, an Stöckchen erinnernde Vertreter der Harnischwelse (Loricariidae). Mit ihrem typischen Saugmaul weiden sie feinen Aufwuchs ab. Es sind in der Natur meist häufige Tiere und sie haben darum auch schon früh die Aufmerksamkeit der Wissenschaft erhalten. Die erste Art wurde 1853 beschrieben (F. acus), die vorerst letzte 2023 (F. wuyjugu). Alles in allem werden derzeit 51 beschriebene Arten dieser Gattung zugeordnet. Wieviele davon aber auch gültig sind, ist strittig. Das kommt daher, dass sehr viele Farlowella-Arten recht generalisiert aussehen. Die zur Artunterscheidung herangezogenen Messstrecken – z-B. Länge des Schnauzenfortsatzes (Rostrums) in der Körperlänge und ähnliches – erweisen sich oft als nicht anwendbar. Zu variabel sind diese Dinge, wie wir heute wissen. Darum sind Veröffentlichungen über Farlowella sehr häufig mit Fragezeichen bezüglich der Artbenennung zu versehen. Das gilt sowohl für wissenschaftliche wie auch in noch höherem Maße für populäre Publikationen. Farlowella-Arten werden meist 12-18 cm lang.

Wir erhalten immer wieder einmal aus Paraguay sehr attraktive Farlowella. In der Region (geprägt von den großen Flüssen Paraná und Paraguay) gibt es fünf Arten: F. jauruensis, F. hahni, F. isbruckeri, F. paraguayensis  und F. azpelicuetae. Die erstgenannte Art hat ein von allen anderen Arten deutlich abweichendes Zeichnungsmuster. Von oben betrachtet ist das Rostrum dunkel gefärbt (vs. hell oder mit Netzmuster). Diese Art, bisher nur aus dem Oberlauf des Rio Paraguay bekannt, ist also keinesfalls mit unserer Art identisch. Besonders auffällig und arttypisch ist die Zeichnung der Schwanzflosse bei unseren Importen. Der obere Schwanzflossenlappen ist entweder vollständig dunkel oder zumindest zur Hälfte dunkel gefärbt. Die dunkle Färbung setzt sich in den Ansatz des unteren Schwanzflossenlappen fort. Somit scheiden F. azpelicuetae und F. isbruckeri aus, die lediglich zwei dunkle Streifen in der oberen und unteren Schwanzflossenhälfte haben. Von F. paraguayensis unterscheiden sich unsere Importe durch das deutlich und kräftig ausgeprägte Netzmuster im Kopfbereich (fehlt bei F. paraguayensis). Es bleiben also nur die Möglichkeiten, dass es sich bei unseren Fischen um F. hahni oder um eine noch unbeschriebene Art handelt. 

Die Artbestimmung ist aus zwei Gründen nicht unwichtig: erstens unterscheiden sich die Pflegebedingungen einer südlichen Art aus dem Paraná-Paraguay-Einzug bezüglich der jahreszeitlichen Temperaturentwicklung – hier wird es zeitweise recht kühl. Und zweitens muss man sicher sein, welche Artmerkmale zu berücksichtigen sind, wenn man Zuchtgruppen zusammenstellt.

Ansonsten unterscheiden sich die verschiedenen Farlowella-Arten kaum in ihren Pflegeansprüchen. Sie fordern ein sauberes, möglichst keimarmes Wasser und gute Strömung, die Härte und der pH-Wert sind hingegen unwesentlich für die Pflege. Die größte Schwierigkeit bei der Pflege von Farlowella-Arten liegt darin, sie ausreichend zu füttern. Es sind langsame Fresser, die keinerlei Futterkonkurrenz im Aquarium haben dürfen. Der Aufwuchs – also feine Algen und die darin enthaltenen Kleinlebewesen – reichen zur Ernährung unter Aquarienbedingungen nicht aus. Dennoch sollte man möglichst viel Totholz, Totlaub, Schilf- und Bambusstängel etc. in einem Farlowella-Aquarium einbringen. Unnötig schwimmen werden Farlowella nicht, es ist also nicht wichtig, auf freien Schwimmraum zu achten. Hingegen können sich die etwas steifen und unbeholfenen Tiere unrettbar in Fadenalgen oder dichten Wasserpflanzenbüscheln verheddern. So etwas darf also nicht im Farlowella-Aquarium sein. Als Basisfutter eignen sich Futtertabletten ausgezeichnet, dazu feines Frostfutter (z.B. Cyclops) oder Artemia. Gemüsestücke (gut eignet sich Zucchini, nicht so gut Kartoffeln oder Möhren. Sie sind stark zuckerhaltig und verderben rasch das Wasser) und angequetschte Tiefkühlerbsen ergänzen den Futterplan. Wenn alles gut läuft, ist die Zucht von Farlowella nicht sehr schwer. Sie laichen wie Sturisoma und Sturisomatichthys an offenen Flächen (gerne einer Aquarienscheibe), das Männchen bewacht den Laich bis zum Schlupf der Brut. Die Geschlechter sind bei Farlowella nicht leicht zu unterscheiden. Die Weibchen sind fülliger, alte Männchen entwickeln Borsten (Odontoden) am Rostrum.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 253662 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Gobio gobio, Gründling

28. März 2025

Der Gründling, Gobio gobio, ist einer der kleinsten heimischen Fische. Gewöhnlich wird er 8-12 cm, selten über 15 cm lang. Der Rekord soll bei 21 cm liegen, aber solche Riesen kommen ähnlich selten vor, wie Menschen über 2,20 m Länge. Wegen seiner geringen Größe und hübschen Färbung (im Vergleich zu den meist silbrigen übrigen heimischen Arten) wird er schon seit Anbeginn der Aquarienkunde im Aquarium gepflegt, wo er sehr gut gedeiht. Die Wassertemperatur kann im Bereich von 15-25°C liegen, was sich auch heutzutage in Wohnräumen gut realisieren lässt, wobei lang anhaltende Temperaturen über 22°C vermieden werden und eine kühle Überwinterung bei rund 8°C und 6-8 Stunden Licht angestrebt werde sollten.

Der Gründling ist ein Bodenfisch, der gerne im Trupp mit seinesgleichen schwimmt und gegen andere Fische vollkommen friedlich ist. Er braucht offene Bodenflächen aus Sand und Kies, wo er seine Nahrung sucht, die aus Kleintieren aller Art (im Aquarium jede übliche Fischfuttersorte soweit auf den Boden sinkt) besteht. Pflanzliche Kost spielt keine große Rolle und wird eher zufällig mit aufgenommen. In der Natur kommen Gründling hauptsächlich in klaren, oft fließendem Wasser vor. Das Aquarium sollte darum gut gepflegt sein und nur wenig Mulm am Boden aufweisen.

Für den Gartenteich ist der Gründling nur geeignet, wenn dieser seine Ansprüche nach klarem, sauberem Wasser und freien Bodenflächen mit Sand- und Kiesboden erfüllt. In vollgewucherten Sumpfteichen kann der Gründling nicht leben.

Gründlinge laichen in Kies ab; sie betreiben keine Brutpflege.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 810503 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Cyprinella lutrensis

28. März 2025

Es gibt zahlreiche Arten (ca. 320) von Elritzen-Verwandten in Nordamerika, doch nur sehr wenige Arten sind bisher zu Aquarienfischen geworden. Im Gegensatz zu unserer einheimischen Elritze ist die Feuerelritze  oder Amerikanische Rotflossenorfe (Cyprinella (früher: Notropis) lutrensis) ein ziemlich anspruchsloser Fisch und braucht auch nicht so niedrige Temperaturen. Die Art kann zwar im Gartenteich gepflegt werden, sie gedeiht aber auch ausgezeichnet im Zimmeraquarien, die natürlich nicht beheizt werden müssen. Die Männchen sind herrlich gefärbt, doch auch die Weibchen werden im Laufe der Zeit immer bunter. Heutzutage kommen diese Fische nur als Nachzuchten in den Handel. Die Maximallänge der Art beträgt normalerweise 7 cm, sehr selten werden sie bis 9 cm lang. Mit 4-5 cm Gesamtlänge sind sie schon laichfähig.

Die Rotflossenorfe kommt in Nordamerika ursprünglich vom südlichen Illinois bis nach Süddakota, Kansas und dem Rio Grande (inkl. Mexiko, wo der Fluss Rio Bravo heißt) vor. Dort bildet die Art mehrere Unterarten aus. Da diese Fische von Anglern gerne als Köderfisch benutzt werden und die Unsitte besteht, übrig gebliebene Köderfische einfach dort auszusetzen, wo man gerade ist, ist Cyprinella lutrensis heutzutage sehr weit verschleppt anzutreffen. Als Konsequenz ist übrigens seit längerem in den USA verboten, Köderfische über Staatsgrenzen hinweg zu transportieren. Aber wer kann so etwas schon kontrollieren…

Dieser Karpfenfisch ist ein anspruchsloser und schwimmfreudiger Schwarmfisch, der ein lang gestrecktes Becken mit viel freiem Schwimmraum und klarem Frischwasser braucht. Häufiger Wasserwechsel und optimale Durchlüftung des Beckens sind jedoch eine Voraussetzung für die erfolgreiche Pflege. Die Männchen sind kräftiger gefärbt und entwickeln zur Laichzeit einen pickelartigen Ausschlag auf dem Kopf, wie man das von vielen anderen karpfenartigen Fischen kennt. Letzteres wird oft als Krankheitsanzeichen interpretiert, ist es aber nicht. Die friedlichen Tiere stellen keine besonderen Ansprüche an die Wasserzusammensetzung.  Es handelt sich um freilaichende Fische, deren Zucht auch im Zimmeraquarium relativ leicht möglich ist. Brutpflege wird nicht ausgeübt.

Diese schöne Elritze ist ein Allesfresser und nimmt Lebendfutter jeglicher Art, pflanzliche Beikost und Flocken- und Tablettenfutter. Eine Schwarm dieser Art ist eine richtige Augenweide für jedes Kaltwasserbecken.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 867012 (3-4 cm) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Pelmatolapia mariae

28. März 2025

Im Gegensatz zu den größeren mittelamerikanischen Buntbarschen der Cichlasoma-Verwandtschaft haben es die ihnen ökologisch ziemlich ähnlichen mittelgroßen afrikanischen Buntbarsche der Tilapia-Verwandtschaft nie geschafft, eine weitere aquaristische Verbreitung zu erfahren. Die Gründe dafür liegen in der geografischen Nähe Afrikas zu Europa. Als die Aquarienkunde um 1900 eine weite Verbreitung erfuhr und die Pflege von ausländischen Tieren gegenüber der Pflege von einheimischen Arten in den Vordergrund trat, waren Tilapia-artige Buntbarsche recht häufig in Form von Jungtieren in den damaligen Importen vertreten. Diese erfolgten per Schiff und wurden von Seeleuten durchgeführt, die sich so neben der Heuer ein Taschengeld verdienten. Importe aus Westafrika waren viel häufiger als solche aus Mittelamerika, weil die Reisestrecke viel kürzer war. In den damaligen überwiegend kleinen und technisch kaum ausgestatteten Aquarien (es wurde lediglich beheizt, Filterung und Durchlüftung waren seltene Luxusausstattungen) waren die Eigenschaften der Tilapia-artigen Buntbarsche sehr unerwünscht: sie wurden verhältnismäßig groß (10-15 cm), wühlten stark im Boden, fraßen Pflanzen und waren spätestens zur Laichzeit sehr aggressiv. Da entschädigten auch die große Farbenpracht und das spannende Brutpflegeverhalten kaum für das destaströse Aussehen des Aquariums. Entsprechend negativ wurden Tilapia & Co in der frühen Aquarienliteratur dargestellt und das wurde später kritiklos übernommen. Als die Mittelamerikaner 30-40 Jahre später häufiger ins Hobby kamen, waren Aquarien über 100 cm Kantenlänge längst nichts Besonderes mehr. Und einen wahren Boom erlebten sie in den 1980er und 1990er Jahren, als forschungsreisende Aquarianer in Mittelamerika unterwegs waren und immer neue Schätze dieser farbenprächtigen Raufbolde mitbrachten, für die dann auch leicht 150-200 cm lange Aquarien gefordert werden konnten. Die Silikon-Klebetechnik für Aquarien machte solche Maße zum Alltag.

Zu den farbenprächtigen und interessanten Afrikanern der Tilapia-artigen Buntbarsche gehört auch Pelmatolapia mariae. Die Gattung Pelmatolapia umfasst nach gegenwärtigem Wissensstand nur zwei Arten, nämlich P. mariae, die von der Elfenbeinküste bis nach Kamerun vorkommt und die Art P. cabrae aus dem großen Besiedlungsbereich von Guinea bis Angola. Von den beiden steht nur P. mariae im Hobby zur Verfügung. Diese Art kann eine Länge von 35 cm erreichen, wird aber schon mit 6-8 cm Länge geschlechtsreif. Im Gegensatz zu den als „Tilapia“ im Lebensmittelhandel angebotenen Tieren, die der Gattung Sarotherodon angehören und agame, maternale Maulbrüter sind, ist Pelmatolapia mariae ein Offenbrüter mit biparentaler Brutpflege. Die Gelege großer Exemplare können viele hundert Eier umfassen. Das junge Paar, das so freundlich war, im Photobecken zu laichen (Männchen ca. 10 cm, Weibchen ca. 8 cm Totallänge), hat aber deutlich weniger Eier produziert (ca. 200), die dafür besonders groß sind. Interessanterweise sind die Eier deutlich pigmentiert; normalerweise sind die Eier offenbrütender Buntbarsche zu Tarnzwecken eher transparent. Die Männchen von P. mariae unterscheiden sich von den Weibchen durch die zahlreichen hellen Tüpfel in der Schwanzflosse, die bei den Weibchen gewöhnlich zeichnungslos ist. Junge P. mariae sind senkrecht gestreift und sehen völlig anders als die Adulti aus.

Die Ernährungsweise von P. mariae ist vorwiegend pflanzlich. Das ist bei einer geplanten Bepflanzung des Aquariums zu berücksichtigen. Ein Flockenfutter auf pflanzlicher Basis, aber ab und zu auch Haferflocken oder zarter Löwenzahn sind sehr gute Futtermittel für P. mariae. Außerdem wird praktisch jedes handelsübliche Zierfischfutter (Lebendfutter, Frostfutter, Granulate etc.) willig akzeptiert. Die Fische sind verfressen, man darf sie nicht mästen, sonst kommt es zu schwerwiegenden Darmerkrankungen. Die Wasserwerte sind völlig unerheblich jedes Trinkwasser eignet sich für Pflege und Zucht. Zur Pflege genügen 20-23°C, zur Zucht erhöht man die Temperatur um 3-4°C. Untereinander sind P. mariae nur als Paar friedlich – wenn sich das Paar aus einer Gruppe gefunden hat. Man sollte daher eine Gruppe von ca. 10 Exemplaren anschaffen, aus denen sich dann ein Paar finden kann. Den Rest gibt man wieder ab.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 577103 (8-12 cm) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Hydrophlox chrosomus ( = Notropis chrosomus)

21. März 2025

Die „Regenbogenelritze“ (Hydrophlox chrosomus, früher Notropis c.) war Anfang der 2000er ein Sensationsfisch. Seltsamerweise haben sich nur ganz wenige der nahezu 325 Arten nord- und mittelamerikanischer Elritzen – im englischsprachigen Raum „minnows“ und „shiners“ genannt – jemals als Aquarienfische durchgesetzt. Dazu trug und trägt sicher auch bei, dass diese Tiere aus systematisch-taxonomischer Sicht  hoch komplex sind. Viele Arten haben sehr konservative morphologische Merkmale, die sie – oberflächlich betrachtet – einander sehr ähnlich und damit schwer bestimmbar machen. Und so wurden zeitweise alle Arten in der Sammelgattung Notropis untergebracht. Es war nur eine Frage der Zeit, bis sich das ändern würde und es geschah schließlich im Jahr 2022, als eine Arbeitsgruppe um Jonathan W. Armbruster eine erste größere Phylogenie ( = Abstammungsgeschichte) für die bislang unter Notropis zusammengefassten Arten vorlegten (Stout et al., 2022). Hierin wurden zwar (noch) nicht alle Arten berücksichtigt, aber dennoch allerlei Umgruppierungen vorgenommen. Eine davon betrifft die Regenbogenelritze, die jetzt zusammen mit vier weiteren Arten (chiliticus, chlorocephalus, lutipinnis und rubricroceus) die Gattung Hydrophlox bilden. Diese Gattung wurde übrigens bereits 1878 aufgestellt, Typusart ist Hybopsis rubricroceus Cope, 1868. Der Gattungsname Hydrophlox bedeutet in etwa „Wasserflamme“ und bezieht sich auf die leuchtenden Farben der balzaktiven Männchen.

Die ursprüngliche Heimat von H. chrosomus ist der SO der USA. Hier bewohnt sie klare Bäche mit kiesigem Grund in den Bundesstaaten Alabama, Georgia und dem südöstlichen Tennessee. Das Klima dort ist fast subtropisch, mit milden Wintern und heißen Sommern; es kann im Winter durchaus auch mal Frost geben, das ist aber selten. Die Temperaturansprüche der Regenbogenelritzen (im Handel sind ausschließlich Nachzuchten) im Aquarium sind daher mit Zimmertemperatur (18-22°C) gut zu befriedigen, die Temperaturtoleranz ist aber weit größer. Der Bereich von 10°C bis 25°C (kurzzeitig auch 2-3 Grad höher und niedriger) gilt als sicher, wobei plötzliche Temperaturveränderungen aber unbedingt vermieden werden sollten. Der Verlauf der Jahreszeiten und der jahreszeitlichen Temperaturentwicklung entspricht grob den Gegebenheiten in Mitteleuropa.

Die Maximallänge der Regenbogenelritze beträgt etwa 8 cm, um 5 cm liegen die in der Natur angetroffenen Durchschnittslängen, in denen die Tiere auch bereits ausfärben. H. chrosomus sind Kieslaicher, die ihre Eier im Bodengrund deponieren. Brutpflege üben diese Fische nicht aus. Sie sind absolut friedlich und gut für Gesellschaftsaquarien geeignet, sofern geplante Mitbewohner ähnliche Ansprüche stellen, also klares. sauerstoffreiches und relativ kühles Wasser, eine gewisse Strömung und kiesigen Boden. Pflanzen werden nicht beschädigt. Die grundsätzlich bodenorientiert lebenden Elritzen sind völlig problemlose Fresser, die jedes Zierfischfutter passender Größe willig akzeptieren. Man sollte sie unbedingt im Schwarm pflegen, ab 10 Exemplaren aufwärts, sonst können diese Fische scheu sein. Das Geschlechterverhältnis (Männchen zu Weibchen) ist für die Pflege völlig irrelevant, zur Zucht – die im Schwarm ebenfalls am erfolgreichsten ist – sind natürlich beide Geschlechter nötig. Die Männchen erkennt man am höheren Blauanteil in der Färbung.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 439391 (3-4 cm) und 439392 (4-5 cm) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Literatur:

Stout, C., S. Schönhuth, R. Mayden, N. L. Garrison & J. W. Armbruster (2022): Phylogenomics and classification of Notropis and related shiners (Cypriniformes: Leuciscidae) and the utility of exon capture on lower taxonomic groups. PeerJ v. 10 (art. e14072): 1-23.

Text & Photos: Frank Schäfer

Neochela dadiburjori ( = Laubuka dadiburjori, = Chela dadiburjori)

21. März 2025

Aus dem Süden Indiens (Kerala) stammt dieses Nano-Fisch-Juwel; der entzückende Zwergbärbling wird maximal 3 cm lang. Es handelt sich um absolut friedliche Schwarmfische, die am liebsten auf der Oberseite breiterer Blätter, besonders gern an Ludwigia-Arten, ablaichen. Dabei zeigen sie aber auch eine erstaunliche Anpassungsfähigkeit. Vor etwa 50 Jahren, als diese Schönheiten erstmals importiert wurden, berichteten die ersten Züchter, dass die Tiere bei ihnen auch den Wurzelbereich von Schwimmfarnen oder die Blätter von Wasserpflanzen in mittleren Wasserschichten als Ablaichsubstrate akzeptierten. Neochela dadiburjori eignet sich besonders zur Belebung des oberen Wasserdrittels, ähnlich wie es die Beilbauchsalmler im Südamerika-Aquarium tun.

Während der Photosession gelang uns ein Schnappschuss, der ein absolut ungewöhnliches Verhalten bei N. dadiburjori dokumentiert: ein Exemplar dehnte sich (so wie es alle Fische von Zeit zu Zeit tun) und legte dabei den Kopf in den Nacken. Letzteres ist den meisten Fischen aus anatomischen Gründen normalerweise nicht möglich. Wir habe das jedenfalls noch nie gesehen oder auch nur davon gehört. Möglicherweise ist es eine Spezialanpassung dieser Oberflächenfische, um kleine Mücken und Fliegen – ihr absolutes Lieblingsfutter – leichter von unten von der Wasseroberfläche picken zu können.

Die chemische Wasserzusammensetzung ist für die Pflege dieser Fische nebensächlich, jedes als Trinkwasser geeignete Leitungswasser kann Verwendung finden. Die Wassertemperatur sollte im Bereich von 22-28°C liegen. Jegliches übliche Fischfutter passender Größe wird willig akzeptiert, allerdings frisst Neochela dadiburjori nur ungern vom Boden, das ist zu beachten. Männchen und Weibchen unterscheiden sich hauptsächlich in Bezug auf die Figur. Die Empfindlichkeit, die diesen Tieren gelegentlich nachgesagt wurde, beruhte wohl auf Unzulänglichkeiten bei den ersten Importen in den 1970er Jahren. Die aktuellen Importe erweisen sich als vollkommen unproblematisch.

Auf unserer Stockliste wurde diese Art ursprünglich als Chela dadyburjori angelegt; so wird sie auch im Aquarien-Atlas geschrieben, weil der Artname zu Ehren eines Herrn Dadyburjor vergeben wurde. Die wissenschaftlich richtige Schreibweise ist aber dadiburjori (also mit „i“ und nicht mit „y“), was zu erklären hier zu weit führen würde. Auch bezüglich des Gattungsnamens musste das Tierchen schon einiges ertragen. Neochela wurde 1958 von Silas ursprünglich als Untergattung zu Chela aufgestellt. Dieser Autor sah in Laubuka (die Schreibweise Laubuca mit „c“ ist falsch) ein Synonym zu Chela. Später wurde von anderen Autoren (Pethiyagoda et al, 2008) Laubuka wieder in Gattungsrang erhoben, in Chela stehen heutzutage nur noch die Arten atpar (Synonym: cachius) und macrolepis. Die Unterscheidung zwischen Chela und Laubuka beruht auf Skelettmerkmalen und ist äußerlich nicht sichtbar. Kottelat (2013) erhob Neochela schließlich in Gattungsrang; die Gattung enthält nur eine Art, nämlich N. dadiburjori. Der äußerlich gut erkennbare Hauptunterschied zu Laubuka und Chela liegt darin, dass Neochela keine oder nur eine unvollständige Seitenlinie hat (vollständig bei den beiden anderen Gattungen).

Für unsere Kunden: das Tierchen hat Code 409502 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Literatur

Kottelat, M. (2013): The fishes of the inland waters of southeast Asia: a catalogue and core bibliography of the fishes known to occur in freshwaters, mangroves and estuaries. Raffles Bulletin of Zoology Supplement No. 27: 1-663.

Meinken, H. (1976): Chela dadyburjori. DATZ 29(4)1976: 120-122 

Menon, A. G. K. (1952): Notes on fishes in the Indian Museum. XLVI. On a new fish of the genus Laubuca from Cochin. Records of the Indian Museum (Calcutta) v. 49 (pt 1): 1-4

Neumann, H. (1976): Chela (Laubuca) dadiborjori. DATZ 29(2)1976: 39-40 

Niewenhuizen, A.van den (1976): Chela dadyburjori. DATZ 29(12)1976: 404-405

Pethiyagoda, R., M. Kottelat, A. Silva, K. Maduwage & M. Meegaskumbura (2008): A review of the genus Laubuca in Sri Lanka, with description of three new species (Teleostei: Cyprinidae). Ichthyological Exploration of Freshwaters v. 19 (no. 1): 7-26 

Silas, E. G. (1958): Studies on cyprinid fishes of the oriental genus Chela Hamilton. Journal of the Bombay Natural History Society v. 55 (pt 1): 54-99, Pls. 1-2.

Text & Photos: Frank Schäfer

Sturisomatichthys aureus

21. März 2025

Bekanntlich wurden die Störwelse (Sturisoma und Sturisomatichthys) 2019 neu klassifiziert, wodurch es zu einigen Umgruppierungen kam. Etliche früher zu Sturisoma gestellten Arten gehören jetzt der Gattung Sturisomatichthys an. Äußerlich gut erkennbare Unterschiede zwischen den beiden Gattungen sind nach Londoño-Burbano & Reis, 2019: die unregelmäßigen, zahlreichen zentralen Bauchplatten, die nicht in definierten Serien angeordnet sind bei Sturisomatichthys (im Gegensatz zu drei klar angeordneten Serien entwickelter zentraler Bauchplatten bei Sturisoma); der Besitz dunkler Flecken auf einer oder allen Rücken-, Brust-, Becken- oder Afterflossen bei Sturisomatichthys (im Gegensatz zu fehlenden Flecken in den Flossen bei Sturisoma); und 13-18 Platten auf der medianen Plattenreihe bei Sturisomatichthys (im Gegensatz zu 20-21 Platten auf der medianen Reihe bei Sturisoma). Zur Grammatik: der Gattungsname Sturisoma ist neutrum, Artnamen, die Adjektive sind, müssen darum auf -um enden, Sturisomatichthys ist masculinum, Artnamen, die Adjektive sind, müssen darum auf -us enden.

Über wenige Bestimmungen wird in Aquarianerkreisen derart viel diskutiert, wie über die Unterscheidung von Sturisomatichthys aureus und S. festivus. Farblich sind beide Arten weitestgehend identisch und beide kommen aus Kolumbien, wenn auch aus unterschiedlichen Fluss-Systemen. Aber es gibt einen bereits bei Jungtieren ab ca. 5 cm Gesamtlänge gut erkennbaren Unterschied: bei S. festivus sind die ersten Strahlen von Rücken-, Brust- und Bauchflossen deutlich verlängert. Die beiden Arten wurden im Laufe der Jahrzehnte aber ziemlich sicher versehentlich häufiger gekreuzt, weil man die kurzflossigen Tiere für Weibchen, die langflossigen für Männchen hielt. So erklärt sich zwanglos, weshalb die alten Aquarienstämme von S. festivus oft recht uneinheitlich aussehen. Wer sicher gehen möchte, reinrassige Tiere zu besitzen, sollte darum stets auf Wildfänge zurückgreifen.

Ganz früher (in den 1980er Jahren) wurden S. festivus als S. panamensis bezeichnet. Das ist jedoch eine weitere Art, die sich von S. aureus und S. festivus sicher dadurch unterscheiden lässt, dass das dunkle Längsband entlang der Körpermitte nicht die Rückenflosse berührt (bei S. aureus und S. festivus tut es das sehr deutlich). Bei S. panamensis gibt es lediglich einen kleinen Strich vom Längsband zum Rückenflossenansatz. S. panamensis ist nicht im Handel vertreten (es gibt aus Panama nur gelegentliche Mitbringsel durch reisende Aquarianer, keine Exporte). Die Art hat keine farblichen oder sonstigen Besonderheiten, die sie gegenüber S. aureus oder S. festivus begehrenswert macht und ist darum auf die Becken weniger spezialisierter Liebhaber beschränkt.

Die Pflege und Zucht von Sturisomatichthys aureus bereiten keine besonderen Schwierigkeiten. Die Tiere sind Offenbrüter und setzen die Gelege häufig an einer der Aquarienscheiben ab. Das Männchen bewacht das Gelege bis zum Schlupf. Die Geschlechter sind nicht immer einfach zu erkennen. Geschlechtsaktive Männchen haben einen „Backenbart“ und etwas länger ausgezogene Flossen, die Weibchen sind generell auch kleiner. Alte Weibchen können aber auch wie Männchen aussehen und umgekehrt gibt es Männchen, die wie Weibchen aussehen. Es wird immer wieder einmal berichtet, dass Sturisomatichthys zu einem Geschlechtswechsel fähig sein sollen. Bewiesen ist das nicht, unmöglich aber natürlich auch nicht. Sehr viele im Meer lebenden Fischarten machen grundsätzlich im Laufe ihres Lebens einen Geschlechtswechsel, nur bei Süßwasserfischen ist das selten. Es gibt ferner die Beobachtung, dass sich aus zwei Jungtieren von Sturisomatichthys, die gemeinsam in eine neues Aquarium gesetzt werden, regelmäßig ein Paar entwickelt.

Gegenüber artfremden Fischen und auch untereinander sind Sturisomatichthys grundsätzlich friedfertig. Erwachsene Männchen vertragen sich allerdings nicht gut miteinander. Die Wasserwerte sind ohne große Bedeutung, aber die Tiere mögen es warm (24-28°C). Es ist unbedingt darauf zu achten, dass diese relativ langsamen Fressen ausreichend Futter (Grünzeug aller Art, Futtertabletten, Frostfutter) abbekommen. Die Endgröße von S. aureus liegt bei etwa 20 cm, geschlechtsreif sind sie oft schon bei der Hälfte dieser Länge.

Für unsere Kunden: S. aureus hat Code 294503 (wild, 9-12 cm), 294513 (Nachzucht, 8-10 cm) und 294521 (Nachzucht, 4-6 cm) auf unserer Stockliste. Die Bilder zu diesem Post zeigen 294503. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich dem  Großhandel beliefern.

Literatur:

Londoño-Burbano, A. & R. E. Reis (2019): A taxonomic revision of Sturisomatichthys Isbrücker and Nijssen, 1979 (Loricariidae: Loricariinae), with descriptions of three new species. Copeia v. 107 (no. 4): 764-806

Text & Photos: Frank Schäfer

Barbodes semifasciolatus ( = Barbus s.)

21. März 2025

Die Messingbarbe (Barbodes semifasciolatus) war einer der ersten „exotischen“ Zierfische, die im Aquarium gepflegt wurden. Unter den völlig irreführenden Namen „Japanischer Bitterling“ wurden sie bereits 1897 in der damals noch jungen Aquarienkunde eingeführt und auch gezüchtet. Im ersten uns bekannten Aufsatz über die Art (Mai 1897 in den „Blättern für Aquarien- und Terrarienkunde) stellt der Autor, Emil Bade, auch bereits richtig, dass es sich keineswegs um einen Bitterling, sondern um eine Barbe handelt, deren exakter Artname wegen mehrerer in Frage kommender Spezies sich aber noch nicht ermitteln ließ.

Im Grunde genommen hat sich an dieser Situation bis heute nicht viel geändert. Messingbarben besiedeln ein großes Verbreitungsgebiet in China und Vietnam. Die heutzutage nahezu weltweiten Vorkommen werden gewöhnlich auf Aussetzungen von Aquarienfischen zurückgeführt, was allerdings im Einzelfall kaum überprüfbar und zumindest bei manchen asiatischen Vorkommen durchaus eher unwahrscheinlich ist. Nach allgemeiner Lehrmeinung bilden B. semifasciolatus und B. synderi (von Taiwan) eine Artengruppe, die höchstwahrscheinlich ein eine eigene Gattung zu stellen sind. Es gibt zahlreiche Synonyme (z.B. S. aureus, S. fernandezypezi, S. guentheri, S. hainani, S. sachsii) und da diese Fische lokal sehr unterschiedlich aussehen, ist es mehr als wahrscheinlich, dass etliche davon gültige Arten darstellen. Auch die Behauptung, dass die Brokatbarbe (ungültiger Fantasiename „schuberti“) eine Zuchtform der Messingbarbe sei, ist unbewiesen. Es gibt (bzw. gab) etliche anatomische Unterschiede zwischen Brokat- und Messingbarbe. Gab deshalb, weil in den letzten 70 Jahren unvernünftigerweise Messingbarben-Wildformen häufig mit Brokatbarben gekreuzt wurden und die Mischlinge in ihrer Merkmalsausprägung nicht mehr typisch sind; reinrassige Brokatbarben dürften wohl ausgestorben sein.

Wie dem auch sei: heutzutage ist die Messingbarbe als Wildform eine ausgesprochene Rarität im Aquarium. Wir freuen uns daher sehr, dass wir sie zur Zeit aus Vietnam beziehen können. Interessant an der aktuell importierten Form ist, dass einige Tiere eine hübsch orangefarbene Rückenflosse entwickeln können. Das ist allerdings strikt stimmungsabhängig und „Orangeflosser“ können binnen Sekunden zu „Glasflossern“ werden. Jede Messingbarbe dieser Population hat ein individuell unterschiedliches Streifenmuster auf den Flanken. Das ist bei Barben äußerst ungewöhnlich. Wir sind gespannt, wie sich die Fische weiter entwickeln werden, denn noch sind sie mit ihren ca. 3 cm Gesamtlänge zwar geschlechtsreif, aber noch lange nicht ausgewachsen. Die maximale Endgröße liegt bei 6-8 cm.

Messingbarben sind friedliche, muntere und verhältnismäßig anspruchslose Aquarienfische. Die chemische Wasserzusammensetzung ist bedeutungslos, jedes Leitungswasser eignet sich, die Temperatur kann zwischen 14 und 30°C liegen. Gelegentlich wird den Tieren nachgesagt, sie seien arge Pflanzenzerstörer, doch liegt das meist an einen unzureichenden Fütterung, bei der pflanzliche Bestandteile (z.B. Futterflocken auf pflanzlicher Basis) nicht fehlen dürfen. Ansonsten wird jedes übliche Zierfischfutter passender Größe genommen. Messingbarben sollten im Trupp ab 7 Exemplaren aufwärts gepflegt werden, sonst sind sie oft scheu und manchmal auch zänkisch. Es sind produktive Freilaicher, die keinerlei Brutpflege ausüben und den eigenen Kaviar schon bald nach der Eiablage als Zusatzfutter verzehren, wenn sie vom Züchter nicht daran gehindert werden.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 371802 (md-lg) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Hypoclinemus mentalis

21. März 2025

Flundern gehören nicht zu den klassischen Aquarienfischen; die meisten Arten leben im Meer und werden ziemlich groß. In der Neuen Welt gibt es die Familie Achiridae mit 35 Arten in 9 Gattungen, die allesamt entweder euryhalin sind, also frei zwischen Süß- und Meerwasser pendeln können, oder aber in reinem Süßwasser leben. Zu dieser Familie zählt Hypoclinemus mentalis, eine im praktisch gesamten tropischen Südamerika verbreitete Süßwasserart, die rund 20-25 cm Länge erreichen kann. Wir importieren diese Art gelegentlich in kleiner Stückzahl aus Peru, so auch jetzt gerade.

Die Färbung kann zur Bestimmung kaum herangezogen werden, denn sie variiert gewaltig und ist bei zahlreichen Süßwasserflunder-Arten ähnlich. Typisch für Hypoclinemus mentalis sind die Position, an der Rücken- und Afterflosse ansetzen, das Vorhandensein einer winzigen Brustflosse auf der Augen-Seite, die vielen Barteln rund um den Kopf, die schneeweiße blinde Seite und die große Kiemenöffnung auf beiden Seiten des Kopfes.

Manche Exemplare haben auf der Oberseite schwarze Borsten, die etwas an die Odontoden der Harnischwelse erinnern. Ob es sich dabei um ein Geschlechtsmerkmal handelt? Man weiß es nicht…

Diese Süßwasserflundern suchen, soweit bekannt, niemals Brack- oder Meerwasser auf. Zum Wohlbefinden benötigt sie Sandboden, in den sie sich eingraben kann. Flundern sind Fleischfresser, die sich von allerlei Würmern, Krebstieren und auch von kleinen Fischen ernähren, die sie vor allem nachts erbeuten. Eventuelle Beifische sollten darum nicht zu klein sein (größer als 5 cm). Untereinander und gegenüber Fischen, die nicht als Futter in Frage kommen, sind H. mentalis friedlich.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 262193 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Platynematichthys notatus

13. März 2025

Zu den extrem seltenen Erscheinungen auf dem Zierfischmarkt gehört Platynematichthys notatus. Es gibt nur die eine Art der Gattung, die allerdings weit in den Fluss-Systemen von Amazonas und Orinoko (Bolivien, Brasilien, Ecuador, Kolumbien und Venezuela) verbreitet ist. Gewöhnlich fängt man diesen Fisch nur in den stark strömenden, sauerstoffreichen Bereichen der Hauptkanäle. Es handelt sich um einen Wanderfisch; gewöhnlich wandert er flußaufwärts während der Trockenzeit und die Laichwanderungen gehen in die entgegengesetzte Richtung. Das  erklärt, warum im Zierfischhandel jugendliche Exemplare nach Grant (2021) meist aus der Umgebung von Santarem (Brasilien) stammen, größere Exemplare aber aus Peru (Umgebung von Iquitos).

Dieser Raubwels kann immerhin gut 80 cm Länge erreichen und ist eine ausgesprochen schwimmfreudige Spezies. Selbst für kleine Tiere, wie die 17-20 cm langen Exemplare, die wir gerade anbieten können, sind darum vergleichsweise große Aquarien wichtig, sonst stellen sich Verhaltensstörungen ein. Außerdem braucht diese Art starke Strömung. Die Ernährung ist unproblematisch. In der Natur sind es wohl hauptsächlich Fischfresser, doch akzeptieren sie im Aquarium rasch totes Futter: Fische, Garnelen und Muschelfleisch eignen sich. Untereinander und gegen artfremde Fische gilt die Art als friedlich, sofern die Mitbewohner nicht als Futter in Frage kommen. Bei uns werden diese kostbaren Tiere aber sicherheitshalber einzeln gepflegt. Äußerlich erkennbare Geschlechtsunterschiede sind nicht bekannt.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 280656 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Literatur: 

Grant, S. (2021): Pims. Pimelodidae, Hepapteridae and Pseudopimelodidae Catfishes. Neustadt am Rübenberge, 220 pp.

Text & Photos: Frank Schäfer

Sturisomatichthys ALBINO

13. März 2025

Bekanntlich wurden die Störwelse (Sturisoma und Sturisomatichthys) 2019 neu klassifiziert, wodurch es zu einigen Umgruppierungen kam. Etliche früher zu Sturisoma gestellten Arten gehören jetzt der Gattung Sturisomatichthys an. Äußerlich gut erkennbare Unterschiede zwischen den beiden Gattungen sind nach Londoño-Burbano & Reis, 2019: die unregelmäßigen, zahlreichen zentralen Bauchplatten, die nicht in definierten Serien angeordnet sind bei Sturisomatichthys (im Gegensatz zu drei klar angeordneten Serien entwickelter zentraler Bauchplatten bei Sturisoma); der Besitz dunkler Flecken auf einer oder allen Rücken-, Brust-, Becken- oder Afterflossen bei Sturisomatichthys (im Gegensatz zu fehlenden Flecken in den Flossen bei Sturisoma); und 13-18 Platten auf der medianen Plattenreihe bei Sturisomatichthys (im Gegensatz zu 20-21 Platten auf der medianen Reihe bei Sturisoma). 

Wir haben jetzt aus Thailand gelblich-weiße Sturisomatichthys-Nachzuchten erhalten. Geschickt wurden sie unter der Bezeichnung „S. panamensis Albino“. Die Gattungszugehörigkeit ist unstrittig. Allerdings lässt sich die Artzugehörigkeit wegen fehlender Zeichnungsmerkmale nicht zweifelsfrei feststellen. Soweit wir wissen ist S. panamensis nur relativ selten im Hobby vertreten, da aus Panama keine kommerziellen Zierfischexporte erfolgen. Wildfarbene S. panamensis unterscheiden sich von der sehr häufig angebotenen Art S. aureum aus Kolumbien durch die Färbung der Brust- und Bauchflossen, die bei P. aureum kräftig gebändert sind und bei P. panamensis nicht. Die Bauchplattenbeschilderung der beiden Arten unterscheidet sich ebenfalls. Unsere Weißlinge aus Thailand entsprechen diesbezüglich am ehesten S. aureum. Wir nehmen daher an, dass es sich um eine Zuchtform von S. aureum handelt, nicht von S. panamensis.

Die Sturisomatichthys-Weißlingen sind übrigens keine Albinos im üblichen Wortsinn, sondern eher Lutinos, denn die Augen der Sturisomatichthys-Weißlinge sind schwarz, nicht rot. Aber das macht sie unserer Ansicht nach eher noch attraktiver. Wir sind jedenfalls sicher, dass diese auffällig (un)gefärbten Störwelse ihre Liebhaber finden werden.

Für unsere Kunden: die Sturisomatichthys-Weißlinge haben Code 294532 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Literatur:

Londoño-Burbano, A. & R. E. Reis (2019): A taxonomic revision of Sturisomatichthys Isbrücker and Nijssen, 1979 (Loricariidae: Loricariinae), with descriptions of three new species. Copeia v. 107 (no. 4): 764-806

Text & Photos: Frank Schäfer

Chromobotia macracanthus ( = Botia macracantha) NACHZUCHT

13. März 2025

Es gibt im weltweiten Zierfischhandel nur zwei Arten, die seit Jahrzehnten in großen Stückzahlen als Wildfang gehandelt werden: der Rote Neon (Paracheirodon axelrodi) und die Prachtschmerle (Chromobotia macracanthus). Wegen der großen wirtschaftlichen Bedeutung, die diese Tiere haben, werden die Bestände sehr genau überwacht und es gibt strenge Gesetze, die wirksam verhindern, dass der Zierfischfang sich negativ auf die wildlebenden Bestände auswirkt. Die beiden Arten haben etwas gemeinsam: sie sind nur saisonal verfügbar. Nur zu bestimmten Jahreszeiten lassen sie sich wirksam unter vertretbarem Aufwand fangen. Den Rest des Jahres muss man auf Exemplare zurückgreifen, die während der Saison gefangen wurden und seither in speziellen Anlagen gehältert werden.

Beim Roten Neon kann man jederzeit auf qualitativ hochwertige Nachzuchten zurückgreifen, wenn der während der Saison gefangene Vorrat nicht ausreicht oder – aus welchen Gründen auch immer – Nachzuchttieren der Vorzug gegeben wird. Bei der Prachtschmerle geht das auch, aber das wissen nur wenige Menschen. Wir bieten zur Zeit Prachtschmerlen-Nachzuchten aus Indonesien an. Wildfänge sind gerade nicht verfügbar. Unsere  Kunden sind sehr zufrieden mit der Qualität dieser Nachzuchten. Probieren Sie sie doch einmal aus!

Übrigens: wir halten grundsätzlich den Wildfang für die nachhaltigere Methode. Er ermöglicht den Menschen vor Ort ein absolut umweltverträgliches, gutes Einkommen aus der Natur. Es ist noch nie eine Art deswegen ausgestorben, hingegen sterben gleich dutzende von Arten aus, wenn die lokale Bevölkerung gezwungen wird, statt Zierfischfang eine andere Einkommensquelle zu nutzen und dabei zwangsläufig die Natur verändern oder das Wasser belasten.

Für unsere Kunden: die Prachtschmerlen aus Nachzucht haben Code 403532 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Trichogaster pectoralis

13. März 2025

Der Schaufelfadenfisch (Trichogaster pectoralis) ist die größte und friedlichste Art der Fadenfische. Die Tiere können 20-25 cm lang werden und sind darum in ihrer Heimat Südostasien auch geschätzte Speisefische. Wir erfreuen uns aber lieber an ihrer ruhigen Art und schönen Färbung. Um den richtigen Gattungsamen der Fadenfische gibt es seit Jahren Zank. Ein Lager von hauptberuflichen Fischkundler besteht darauf, dass nach strenger Auslegung der Regeln der Namensgebung ein alter Irrtum aus dem Jahr 1923 nicht weiter beibehalten werden darf und alle Fadenfische, die man bislang Trichogaster nannte, nun Trichopodus heißen müssen, während der Gattungsname Trichogaster korrekterweise den Arten zukommt, die man bislang Colisa nannte.

Ein anderes Lager – das der Pragmatiker – sagt hingegen, dass eine leichtfertige Namensänderung bei wirtschaftlich so wichtigen Fischen wie den Fadenfischen nach 100 Jahren nicht zu rechtfertigen ist. Und das nur aufgrund von einer unnötigen, starren Anwendung von Regeln, die nur gemacht wurden, um Verwirrung zu vermeiden und eine größtmögliche Stabilität der Namensgebung zu erreichen. Diese Regeln lassen Ausnahmen ausdrücklich zu – und im Fall der Fadenfische ist eine Ausnahme sehr wünschenswert.

Dieser akademische Streit ist noch lange nicht entschieden und es steht auch keine Entscheidung in naher Zukunft in Aussicht. Hingegen ist unbestritten, dass der Schaufelfadenfisch ein schöner Aquarienfisch ist – egal wie man ihn nennt! Wir haben den Fisch regelmäßig im Stock, für gewöhnlich beziehen wir die Tiere aus Vietnam. Männchen und Weibchen unterscheiden sich erst ab einer Länge von rund 7-9 cm mit einiger Sicherheit. Die Männchen haben eine breitere, lang ausgezogene Rückenflosse, bei der, ähnlich wie beim Mosaikfadenfisch (T. leerii), die Flossenstrahlen lang ausgezogen sind. Stimmungsabhängig kann der sonst so markante Längsstreifen völlig unsichtbar werden. Das ist kein Geschlechtsmerkmal. 

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 469733 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Mesonauta egregius

13. März 2025

Die Flaggenbuntbarsche (Mesonauta) sind schöne und friedliche, mittelgroße Buntbarsche, die 12-15 cm Länge erreichen. In der Natur leben sie meist mit Segelflossern (Pterophyllum) vergesellschaftet, denen sie auch im Verhalten und den allgemeinen Ansprüchen im Aquarium gleichen. Wie bei den Segelflossern sind die Geschlechter bei jüngeren Tieren nicht unterscheidbar. Bei älteren Exemplaren sind die Männchen größer und neigen dazu, eine imposantere Kopfpartie zu entwickeln. Aber grundsätzlich kann man sich nie sicher sein, ob man ein Weibchen oder ein unterdrücktes Männchen hat, bis die Fische ablaichen. Darum pflege man Flaggenbuntbarsche immer in einer Gruppe von 8-10 Exemplaren, in der sich Paare finden können.

Aktuell werden 6 verschiedene Mesonauta-Arten anerkannt, von denen einige noch lokale Farbvarianten ausbilden. Bis in die 1980er Jahre hielt man alle Mesonauta für die gleiche Art, die man Cichlasoma festivum nannte. Daran kann man schon erkennen, dass sich die verschiedenen Spezies außerordentlich ähnlich sehen. Aus dem Orinoko (Kolumbien und Venezuela) kommt M. egregius. Die Bestimmung ist am sichersten in Schreckfärbung möglich. Dann sieht man, dass die senkrechten Bänder, die alle Mesonauta in Schreckfärbung zeigen, bei M. egregius zu breiten Flecken verschmolzen sind.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 683322 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Sicyopus zosterophorus

7. März 2025

Die Grundel (Gobiidae) sind mit wahrscheinlich über 2.000 Arten (aktuell akzeptiert: rund 1.500 Arten) eine der artenreichsten Familien der Fische überhaupt. Sehr viele Grundeln leben im Meer, andererseits sind im Süßwasser von ozeanischen Inseln die Grundeln oft die häufigsten Fische überhaupt. In diesen Fällen handelt es sich meist um Arten, die zwar als erwachsene Fische in reinem Süßwasser leben und Meerwasser auch gar nicht vertragen, aber die Larven der aus den im Süßwasser abgelegten Eier entwickeln sich nach dem Schlupf im Meer, wohin sie mit der Strömung verdriftet werden. Schaffen sie es nicht nach 2-3 Tagen ins Meer, sterben die Larven dieser Grundeln ab. So erklärt es sich sehr leicht, warum einige Arten eine enorm weite Verbreitung haben, denn die Meeresströmungen nehmen je nach Jahreszeit und aktueller Wetterlage ganz unterschiedliche Richtungen. Ungeklärt hingegen ist, wie es dazu kommt, dass manche dieser Grundelarten nur in einem ganz eng begrenzten Areal vorkommen.

Sicyopus zosterophorus gehört zu diesen Süßwasser-Arten mit einer sehr weiten Verbreitung in der Region des westlichen Pazifik, allerdings ist sie nur lokal häufig. Zu uns kommt diese wunderschöne Grundel aus West Sumatra. Dort lebt sie im Pinang river, einem felsigen Fluß mit sehr klarem und sauerstoffhaltigem Wasser. Die Männchen sind sehr variabel gefärbt, vor allem in Bezug auf die erste der beiden Rückenflossen. Hier gibt es Exemplare mit und ohne Augenfleck, bei manchen ist die erste Rückenflosse flächig rot, bei anderen schwärzlich mit einem breiten hellblauen Saum. Man geht allerdings trotzdem davon aus,  dass es sich bei allen um die gleiche Art handelt. Die Weibchen sind einfarbig grau und zeigen nicht einmal ein Andeutung von Farbe in den Flossen oder von den prächtigen roten und schwarzen Binden auf dem Körper.

Die Pflege entspricht der der inzwischen häufiger angebotenen Neongrundeln (Stiphodon spp.). Es sind bodengebunden lebende Tiere, die neben Aufwuchs vor allem Insektenlarven zu sich nehmen. Im Aquarium wird jedes übliche Frost-, Lebend- und Trockenfutter passender Größe akzeptiert. Das Wasser solle sauber und sauerstoffreich sein, pH-Wert und Härte sind von untergeordneter Bedeutung, allerdings ist sehr weiches und saures Wasser nicht geeignet. Die Temperatur kann im Bereich von 22-28°C liegen. Untereinander und gegen artfremde Fische sind die Tiere relativ friedlich, allerdings sollte bei der Pflege von mehreren Männchen für ausreichend Versteckmöglichkeiten gesorgt werden, damit in der Rangordnung niedrig stehende Tiere ausweichen können. Grundsätzlich sollte man nur eines oder aber fünf oder mehr Männchen pro Aquarium pflegen, um negativen Stress durch Revierstreitigkeiten und Balzverhalten zu minimieren. Weibchen sind untereinander absolut verträglich. Die maximale Länge dieser Grundel liegt bei etwa 5 cm.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 456192 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Literatur:

Watson, R. E. (1999): Two new subgenera of Sicyopus, with a redescription of Sicyopus zosterophorum (Teleostei: Gobioidei: Sicydiinae). aqua, Journal of Ichthyology and Aquatic Biology v. 3 (no. 3): 93-104

Text & Photos: Frank Schäfer

Badis singenensis ( = sp. Buxar)

6. März 2025

Aus dem Norden Indiens stammt ein wunderschöner, kleinbleibender Blaubarsch (Badis), der als Besonderheit innerhalb der Gattung eine reduzierte Schwimmblase hat. Dadurch lebt er sehr bodengebunden und bewegt sich leicht hüpfend fort. Die Maximallänge dieser Art beträgt ca. 4-5 cm inklusive Schwanzflosse. 

Vor der wissenschaftlichen Beschreibung war dieser kleine Badis unter der irreführenden Bezeichnung „sp. Buxa(r)“ im Handel. Das ist insofern ungeschickt, als dass schon Jahre früher der damals noch unbeschriebene Badis blosyrus ebenfalls als Badis sp. Buxar bezeichnet wurde; B. blosyrus ist eine der größten Badis-Arten und kann fast 8 cm Länge erreichen, deswegen ist es nicht ganz unwesentlich, welchen „Buxar“ (so heißt übrigens ein Tiger-Schutzgebiet im Norden von Bengalen, in dessen angrenzendem Areal die Badis gefangen werden) man erhält.

Es gibt drei wissenschaftliche Namen für Badis, die aussehen wie B. singenensis: als Badis singenensis wurde die Art 2011 beschrieben, 2013 noch einmal als Badis triocellus und schließlich 2015 als B. lasiophilus. Die Beschreiber von B. triocellus hatten die Beschreibung von B. singenensis offensichtlich übersehen; folgerichtig gibt es keine beschriebenen Unterschiede zwischen B. singenensis und B. triocellus. Die Beschreiber von B. lasiophilus grenzen ihre neue Art gegen B. singenensis ab, nicht aber gegen B. triocellus. Wiederum wurde offenbar die Erstbeschreibung von B. triocellus von den Bearbeitern von B. lasiophilus übersehen; sie ist jedenfalls nicht im Literaturverzeichnis aufgeführt. So muss man sich mühselig aus den drei Erstbeschreibungen mögliche Unterschiede zusammensuchen, was stets ein fehlerträchtiges Unterfangen ist. Der Hauptunterschied zwischen B. singenensis und B. lasiophilus ist die geringere Endgröße von B. lasiophilus (15.7– 21.0 mm SL vs. 22.3–42.0 mm SL; SL = Standardlänge ohne Schwanzflosse) und die geringere Anzahl Schuppen rund um den Schwanzstiel (14–16 vs. 19–20). Die restlichen angegebenen Unterschiede in den Proportionen  sind nur marginal und überlappen. Für B. triocellus ist die Größe der untersuchten Tiere in Totallänge angegeben (TL), also inklusive Schwanzflosse, was die Werte schwer vergleichbar macht. Es lagen den Autoren 32 Exemplare zwischen 25.42-48.74 mm TL vor. Es werden 14 Schuppen rund um den Schwanzstiel angegeben, also wie bei B. lasiophilus. Somit bleiben zwei mögliche Schlussfolgerungen: erstens könnten alle drei Arten gültige, unterschiedliche Spezies sein, die alle aus dem gleichen Verbreitungsgebiet stammen und sich farblich nicht unterscheiden. Oder zweitens: es handelt sich bei allen drei Formen um die gleiche Spezies. Wir haben nach sorgfältiger Abwägung aller vorliegenden Fakten für uns beschlossen, nicht zwischen den drei Formen zu unterscheiden und bezeichnen sie auf unserer Stockliste als Badis singenensis nach der zuerst benannten Form.

Farblich gleichen sich, wie gesagt, alle drei Formen, wenngleich von B. singenensis in der Erstbeschreibung nur konservierte Exemplare abgebildet sind. Typisch sind ein großer schwarzer Fleck am Anfang der Rückenflosse, dessen Form variabel ist; ganz selten kann dieser Fleck auch in zwei Flecken aufgeteilt sein. Im weichstrahligen Teil der After- und Rückenflosse befindet sich ebenfalls ein runder schwarzer Fleck, was es bei keiner anderen Badis-Art gibt. Der bei vielen Badis-Arten vorhandene Schwanzwurzelfleck ist im vorderen Bereich durch eine halbrunde helle und dunkle Binde begrenzt. Auf jeder Schuppe befindet sich ein roter Punkt. In Neutralfärbung ist dieser rote Punkt kaum wahrnehmbar, dann dominiert, wie bei allen Badis-Arten, die senkrechte Streifenzeichnung. Aber bei balzenden oder anderweitig erregten Tieren tritt die Streifenzeichnung zurück und der Fisch erstrahlt flächig rot, als würde er innerlich glühen. Nicht umsonst nennt man Badis-Arten wegen des enormen Farbwechselvermögens auch Chamäleonfische.

Die Zucht von Badis singenensis ist unproblematisch, sie verläuft nach typischer Badis-Art, d.h. es handelt sich um Höhlenbrüter, das Männchen bewacht den Laich, das Weibchen hat mit der Brutpflege nichts zu tun. Mit dem Freischwimmen der Jungen erlischt der Pflegetrieb auch beim Männchen. Die Wasserwerte sind von untergeordneter Bedeutung, pH-Werte zwischen 6 und 8,5, Härte von weich bis hart sind geeignet. Das Wasser sollte klar sein, aber sehr starke Strömung ist nicht nötig. Gefressen wird jedes Frost- und Lebendfutter passender Größe, Trockenfutter lehnen Badis generell ab. Die Wassertemperatur kann und sollte im Laufe der Jahreszeiten schwanken, die untere Temperaturgrenze liegt bei ca. 14°C, die obere bei rund 30°C. Alle Badis-Arten sind untereinander und gegen andere Fische als gut verträglich einzustufen.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 368142 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Literatur

Geetakumari, K. & K. Kadu (2011): Badis singenensis, a new fish species (Teleostei: Badidae) from Singen River, Arunachal Pradesh, northeastern India. Journal of Threatened Taxa v. 3 (no. 9): 2085-2089

Khynriam, D. & N. Sen (2013): On a new species Badis triocellus (Pisces: Perciformes: Badidae) from North East India. Records of the Zoological Survey of India v. 111 (no. 4) (for 2011): 65-72

Valdesalici, S. & S. van der Voort (2015): Badis laspiophilus, a new miniature addition to the ichthyofauna of West Bengal, north-eastern India, with observations on its ecology and preliminary notes on its ethology (Actinopterygii: Perciformes: Badidae). Zootaxa 3986 (no. 2): 193-200

Text & Photos: Frank Schäfer

Tetragonopterus denticulatus

6. März 2025

Früher war die Gattung Tetragonopterus das Sammelbecken für alle kleineren Salmlerarten, die heutzutage z.B. in den Gattungen Hemigrammus, Hyphessobrycon oder Moenkhausia stehen. Gehalten hat sich davon die englische Bezeichnung „tetra“ für alle Salmler, eine Abkürzung von Tetragonopterus. Heutzutage sind nur noch 14 Arten in Tetragonopterus, von denen jedoch nur T. argenteus als Aquarienfisch gelten kann (siehe: https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/tetragonopterus-argenteus/). Von den aktuell 14 Arten sind übrigens 9 Arten erst nach dem Jahr 2010 wissenschaftlich beschrieben worden; es liegt also auf der Hand, dass sie sich sehr ähnlich sehen, sonst wären sie sicherlich schon früher erkannt worden; die Mehrzahl von ihnen wurde früher T. chalceus zugeordnet.

Nun haben wir eine Tetragonopterus-Art aus Brasilien unter der Bezeichnung T. chalceus importieren können und um sie zu bestimmen, begann eine große Literaturrecherche. Zunächst stellten wir sie provisorisch zu T. chalceus, denn so wäre sie vor dem Jahr 2010 sicher bezeichnet worden. Einige für die Systematik der Salmler wichtige Merkmale können wir nicht berücksichtigen, etwa die Form und Anzahl der Zähne oder der Kiemenrechen, denn sie sind am lebenden Tier nicht zu erkennen und wir töten keine Tiere zu Bestimmungszwecken ab. Aber auch Farbmerkmale sind für die Bestimmung wichtig. Unser Tetragonopterus hat z.B. zwei längliche, vertikale Schulterflecken ( = Humeralflecken) und einen kreisrunden Schwanzwurzelfleck. 

Nach dem aktuellsten Bestimmungsschlüssel (Silva et al., 2016) scheiden T. argenteus, T. carvalhoi, T. daguae, T. rarus und T. georgiae von vornherein aus (Schuppen- und Zeichnungsmerkmale). Ebenso scheiden scheiden T. anostomus und T. kuluene (beide nur einen Humeralfleck) aus. Verbleiben also  T. araguaiensis, T. denticulatus, T. juruena,  T. ommatus, T. manaos, T. franciscoensis und T. chalceus. An dieser Stelle schied T. chalceus aus, denn bei dieser Art liegt nur eine Schuppenbreite  zwischen den beiden Humeralflecken, bei unseren Importen hingegen drei. T. juruena und T. denticulatus unterscheiden sich u.a. durch 6 Schuppenreihen zwischen Seitenlinie und Rückenflossenansatz (T. juruena) und 7 Reihen (T. denticulatus); damit schied T. juruena aus. T. franciscoensis ist unseren Tieren zwar sehr ähnlich, kommt aber nur im Nordosten Brasiliens vor; von dort sind unsere Fische aber mit Sicherheit nicht. Sie stammen nach Angabe des Exporteurs aus dem Rio Tocantins; dort kommen T. araguaiensis und T. denticulatus vor (beide aus dem Rio Araguaia beschrieben, der ein Zufluss des Rio Tocantins ist). Leider beschränken sich die Artdiagnosen auf die Anzahl der Kiemenrechen. Aber der sorgfältige Vergleich der Abbildungen beider Arten macht es wahrscheinlicher, dass es sich bei unseren Importen um T. denticulatus handelt. T. ommatus – das nur der Vollständigkeit halber – ist bislang nur aus dem mittleren Rio Tapajós bekannt und die zuletzt (2018) beschriebene Art T. manaos kommt aus dem Rio Negro.

Wir haben den Bestimmungsweg so ausführlich geschildert, weil Fische wie Tetragonopterus denticulatus sicher nur für Spezialisten und Raritätensammler interessant sind, die gewöhnlich großen Wert auf eine korrekte Bestimmung legen. Die Bilder, die wir hier zeigen, sind wohl die ersten Lebendfotos der Art. Auffällig ist das große Auge, das auf eine dämmungsaktive Lebensweise hindeutet. Helles Licht schätzt das Tier jedenfalls gar nicht. Die bislang bekannt gewordene Maximallänge von T. denticulatus liegt bei etwa 7 cm (ohne Schwanzflosse). Demnach sind unsere Tiere (4-6 cm) wohl geschlechtsreif. Sie sind sehr friedlich, lebhaft und etwas schreckhaft. Die Tiere suchen aktiv die Gesellschaft von Artgenossen, sind also als Schwarmfische anzusprechen. Uns sind bislang keine Besonderheiten bezüglich der Pflegeansprüche aufgefallen, die Fische sind als ausgesprochen pflegeleicht zu charakterisieren.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 296353 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Literatur

Silva, G. S. C., B. F. Melo, C. Oliveira & R. C. Benine (2016): Revision of the South American genus Tetragonopterus Cuvier, 1816 (Teleostei: Characidae) with description of four new species. Zootaxa 4200 (no. 1): 1-46

Urbanski, B. Q., B. F. Melo, G. S. C. Silva & R. C. Benine (2018): A new species of Tetragonopterus (Characiformes: Characidae) from Central Amazon lowlands, Brazil. Neotropical Ichthyology v. 16 (no. 2) (e3170158): [1-7]

Text & Photos: Frank Schäfer

Wallaciia regani (früher: Crenicichla regani) Tapajós

6. März 2025

Als Zwergcichliden werden Buntbarsche dann bezeichnet, wenn die erreichbare Gesamtlänge – also inklusive Schwanzflosse – 10 cm nicht überschreitet. Da viele Cichliden erheblich größer werden und dann auch entsprechende Raumansprüche bezüglich der Unterbringung stellen, sind Zwergbuntbarsche in der Aquaristik besonders beliebt.

Alle Hechtbuntbarsche der Gattung Wallaciia (früher waren sie aquaristisch als Crenicichla-wallacii-Komplex bekannt) gehören zu den Zwergcichliden. Ihre Körperlänge beträgt nur selten mehr als 7 cm, hinzu kommt die Schwanzflosse. Das bedeutet, dass sie zwar gewöhnlich in Aquarien ab 80 x 50 cm Bodenfläche gepflegt und gezüchtet werden können, man sollte aber nie die das mögliche Aggressionspotential dieser Tiere unterschätzen. Besonders berüchtigt ist in dieser Hinsicht W. compressiceps (siehe: https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/wallaciia-compressiceps-crenicichla-c/)

Wallaciia regani ist eine der häufigsten und am weitesten in Zentral-Amazonien verbreiteten Arten innerhalb der Gattung. Die Tiere sehen allerdings überall etwas unterschiedlich aus und es gibt nicht wenige Stimmen, die sagen, es handele sich wohl eher um einen Komplex einander sehr ähnlicher Arten als um eine einzige, variabel gezeichnete Art. Aus diesem Grund geben wir bei W. regani – soweit es uns möglich ist – den Fluss, aus dem sie stammen, mit an, damit es nicht zu ungewollten Kreuzungen kommt. 

Entsprechend der weiten Verbreitung ist die ökologische Anpassungsfähigkeit der Art hoch. Aus der Natur werden Temperaturen zwischen 20 (oberer Rio Araguaia) und 35°C (Orinoko) an Fundorten von W. regani (oder nah verwandten Formen) gemessen und im Aquarium gelang die Zucht in weichem bis mittelhartem Wasser bei pH-Werte zwischen 6,5 und 7,2, ein Bericht liegt sogar vor, dass die Zucht bei 20° dGH, davon 18° KH und pH 8 gelang! Im Rio Tapajós, einem Klarwasserfluss, ist das Wasser allerdings grundsätzlich warm (um 28-29°C), weich (Leitfähigkeit 10-20 µS/cm) und leicht sauer (pH 6-6,6). Diese Werte sind bei der von dort stammenden Fundortform von W. regani anzustreben, zumindest, wenn man züchten möchte.

Bezüglich des Futters sind W. regani einfach: grobes Frost- und Lebendfutter (am liebsten Mückenlarven), nach Eingewöhnung auch Granulate und anderes Trockenfutter. Pflanzen werden gewöhnlich ignoriert. Alle Hechtcichliden sind Höhlenbrüter, so auch W. regani. Die Mutter übernimmt die Betreuung des Laichs und der frisch geschlüpften Jungfische. Nach dem Freischwimmen der Brut beteiligt sich das Männchen an der Brutpflege und übernimmt die Revierverteidigung. Paare halten unter Aquarienbedingungen oft jahrelang zusammen. Da die Männchen untereinander sehr aggressiv sein können, empfiehlt es sich, ein Männchen und mehrere Weibchen anzuschaffen. Nur die Weibchen haben die Augenflecken in der Rückenflosse, sind also leicht zu erkennen. Aus diesem Trupp findet sich gewöhnlich ein harmonisierendes Pärchen.

Für unsere Kunden: die Fische haben Code 672212 (5-6 cm) und 672213 (5-8 cm) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Oxyropsis acutirostris

6. März 2025

Leider werden die „Giant Otos“ der Gattung Oxyropsis nur äußerst selten einmal angeboten. Wissenschaftlich akzeptiert sind derzeit drei Arten, O. carinata und O. wrightiana, die das obere und mittlere Amazonas-Becken bewohnen, und O. acutirostris vom oberen Orinoko und Rio Negro-Becken. 

Von den ähnlichen Arten der Gattung Hypoptopoma unterscheiden sich Oxyropsis durch den stark abgeflachten, seitlich mit einem Kiel versehenen Schwanzstiel. Ansonsten sehen sie sich sehr ähnlich; es kommen allem Anschein nach in der Natur je eine Hypoptopoma-Art und eine Oxyropsis-Art nebeneinander vor, die sich offenbar in Details ihrer Ökologie unterscheiden. 

Aus Brasilien haben wir jetzt Oxyropsis (zusammen mit Hypoptopoma psilogaster) aus dem Rio Purus erhalten, bei denen es sich wohl um O. acutirostris handelt. Farblich unterscheiden sich die drei Arten kaum bezüglich der Körperfärbung. Von Oxyropsis aus Peru, die wir 2020 importieren konnten und seinerzeit als O. carinata ansprachen, unterscheiden sich die Tiere aus dem Purus durch die Schwanzflossenfärbung. Bei den Purus-Fischen ist nur in der unteren Schwanzflossenhälfte ein großer dunkler Fleck, bei den Tieren aus Peru zieht sich über die gesamte Flossenhöhe hinter der Schwanzwurzel ein dunkles Band durch die Flosse. Die genannte Schwanzflossenfärbung der Purus-Tiere zeigt auch O. acutirostris in der letzten Revision der Gattung (Aquino & Schaefer 2002: 384, Abb. 7), was letztlich der Hauptgrund für unsere Bestimmung ist.

Oxyropsis acutirostris wird 4-6 cm lang und ist ein sehr friedlicher Fisch. Die Bezahnung weist darauf hin, dass diese Art hauptsächlich Aufwuchs frisst. Da Details zur Aquarienbiologie von Oxyropsis generell noch nicht bekannt sind, empfiehlt sich eine Wassertemperatur von 24-28°C, wie sie sich für viele Fische des Rio Purus bewährt hat. Die chemische Zusammensetzung des Wassers ist ansonsten zur Pflege wohl eher nebensächlich, man vermeide lediglich Extreme. Ein pH-Wert zwischen 6,5 und 7,5 bei weichem bis mittelhartem Wasser sind sicher nicht verkehrt, ob zur Zucht andere Parameter erforderlich sind, muss die Zukunft zeigen.

Für unsere Kunden: die Fische haben Code 274227 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Literatur: 

Aquino, A. E. and S. A. Schaefer (2002): Revision of Oxyropsis Eigenmann and Eigenmann, 1889 (Siluriformes, Loricariidae). Copeia 2002 (no. 2): 374-390.

Text & Photos: Frank Schäfer

Kapuasia falaris

28. Februar 2025

Erst 2024 wurde eine neue Schmerlengattung aufgestellt, nämlich Kapuasia. Die einzige Art, die Kapuasia zugeordnet wurde ist K. maculiceps aus dem großen Kapuas-Fluss auf Borneo. Ursprünglich wurde K. maculiceps der großen Sammelgattung Nemacheilus zugeordnet. Soweit wir wissen, ist K. maculiceps aquaristisch noch nicht in Erscheinung getreten. Kurze Zeit nach der Aufstellung der Gattung Kapuasia wurde eine zweite Art beschrieben, ebenfalls von Borneo, aber aus einem anderen großen Fluss-System der Insel, nämlich dem Barito. Diese wunderschöne Bachschmerle konnten wir jetzt erstmals importieren.

Kapuasia falaris erhielt ihren Artnamen von der weißen Blesse auf der Schnauze. Das Wort ist aus dem Altgriechischen abgeleitet (phalaros: mit weißem Fleck und rhis: Schnauze). Auf elfenbeinfarbenem oder zartrosa Untergrund zeigt die Art drei bis sieben dunkel-schokoladenbraune Binden. Jedes Tier ist individuell an seiner Bindenzeichnung erkennbar. Die Schwanzflosse kann farblos durchsichtig, gelb oder tiefrot sein, mit und ohne Fleckung im hinteren Teil. Es ist noch nicht bekannt, ob die Schwanzflossenfärbung stimmungsabhängig oder dauerhaft ist. Was man jedoch weiß: die Schwanzflossenfärbung ist nicht geschlechtsspezifisch. Sowohl Männchen wie auch Weibchen können jede denkbare der genannten Schwanzflossenfärbungen aufweisen. 

Die Geschlechtsunterschiede bestehen in Form eines Hautlappens unter dem Auge, den nur die Männchen aufweisen. Die Weibchen haben an der entsprechenden Stelle eine Hautfalte. Außerdem sind die Brustflossenstrahlen der Männchen – wie bei Schmerlen üblich – dicker. Zwischen den Brustflossenstrahlen der Männchen befinden sich zudem kleine Haut-Stege. Wegen der nach hinten deutlich aufgewölbten Brustflossen ist anzunehmen, dass Kapuasia falaris stark strömende Bereiche im Biotop besiedelt. Die Wölbung der Brustflossen wirkt in solchen Verhältnissen wie ein Spoiler beim Auto und ermöglicht dem Tier ein kraftsparendes Verbleiben in Bodennähe. Leider sind über das natürliche Habitat der Fische keine Informationen verfügbar.

Auf jeden Fall ist Kapuasia falaris, man könnte sie als „Barito-Schmerle“ bezeichnen, ein wunderschöner, sehr lebhafter Fisch, den man aquaristisch recht gut mit Dornaugen (Pangio) vergleichen kann: lebhaft, quirlig und etwas versteckliebend. Die naturgemäß noch sehr wenigen Beobachtungen zeigen, dass die Schmerlen gegen Artgenossen und artfremde Fische sehr friedlich sind und jedes angebotene Futter (Trockenfutter, Frostfutter, Tubifex, Mückenlarven) willig akzeptieren. Die Wassertemperatur haben wir auf ca. 26°C eingestellt. In der Natur dürfte das Wasser sehr weich und sauer sein, aber das scheint für die Aquarienpflege ohne Bedeutung zu sein. Die Tiere sind mit 6-8 cm Länge wohl ausgewachsen.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 421912 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Literatur:

Kottelat, M. & H. H. Tan (2024): Kapuasia, a genus name for ‘Nemacheilus’ maculiceps (Teleostei: Nemacheilidae). Raffles Bulletin of Zoology v. 72: 105-109

Kottelat, M., H. H. Tan & V. Hasan (2024): Kapuasia falaris, a new species of nemacheilid loach from Borneo (Teleostei: Nemacheilidae). Raffles Bulletin of Zoology v. 72: 479-487

Text & Photos: Frank Schäfer

Serrasalmus spilopleura

28. Februar 2025

Die richtige Benennung von Piranha-Arten gehört zu den schwierigsten Kapiteln der Fischsystematik überhaupt. Auch die auf diese Fischgruppe spezialisierten Wissenschaftler sind sich keineswegs einig. Und so bleibt uns oft nicht viel mehr übrig, als einen neu importierten Piranha nach den wenigen äußerlichen Merkmalen zu bestimmen, die allgemein anerkannt sind, wie die schwarzen Bänder in der Schwanz- und Afterflosse, das Vorhandensein eines Schulterflecks etc.

Serrasalmus spilopleura ist ein für Serrasalmus-Verhältnisse ziemlich rundköpfiger Piranha, der nach Literaturangaben im gesamten Amazonas- und Orinoko-Einzug verbreitet ist. Terra typica ist Rio Guaporé, Bobota, Mato Grosso, Brasilien. Verwechslungsmöglichkeiten bestehen vor allem mit S. maculatus, der auch viele Jahre in der Synonymie von S. spilopleura stand. S. maculatus aus Paraguay hat die exakt gleiche Schwanzflossenfärbung wie S. spilopleura aus dem Rio Tocantins, es fehlt bei S. maculatus aber immer der rote Kiemendeckel-Bereich. Es ist im Einzelfall oft schwer, untypisch gefärbte Exemplare zu erkennen. 

Serrasalmus spilopleura ist ein wunderschöner Piranha, sicher eine der attraktivsten Arten der ganzen Gruppe. Die exakte Herkunft der aktuell von uns importierten Tiere ist der Rio Guama (Einzug des Rio Tocantins). Serrasalmus-Arten gelten als spezialisierte Flossenfresser. Aus diesem Grund wird generell eine Einzelhaltung empfohlen, denn wenn man mehrere Exemplare gemeinsam pflegt, wird man auch bei kräftiger Fütterung kaum jemals unbeschädigte Tiere sehen. Im Aquarium fressen diese Piranhas übrigens alle üblichen groben Frostfuttersorten, dazu Regenwürmer, Futterfische (sehr gut eignen sich gefrostete Stinte als Nahrungsgrundlage) etc. Es ist damit zu rechnen, dass sie 20-25 cm Länge erreichen können. Die Wasserwerte in Bezug auf pH und Härte sind unbedeutend, es ist auf gute Wasserhygiene zu achten. Die Wassertemperatur sollte sich im Bereich von 24-28°C bewegen

Für unsere Kunden: die Fische haben Code 292823 (6-8 cm) und 292824 (8-10 cm) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Lexikon: Serrasalmus: aus dem Lateinischen, bedeutet in etwa „Lachs mit Säge“. Bezieht sich auf die sägeartig angeordneten Schuppen des Brustkieles. spilopleura: altgriechisch, bedeutet „mit gefleckten Seiten“. maculatus: Latein für gefleckt.

Vorschlag eines deutschen Namens: Glühkohlen-Piranha

Text & Photos: Frank Schäfer

Lepidosiren paradoxus 15-18 cm

28. Februar 2025

Über den Südamerikanischen Lungenfisch (Lepidosiren paradoxus) haben wir schon zweimal berichtet, über Jungtiere hier: https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/lepidosiren-paradoxus-3/ und über das erwachsene Tier hier: https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/lepidosiren_paradoxus_de/; in beiden Posts finden Sie weitere Informationen.

Die im gesamten Südamerika weit verbreitete Art ist im Handel eine ausgesprochene Rarität. Gerade haben wir einige mittelgroße Tiere (8-10 cm und 15-18 cm) aus Peru erhalten. Interessanterweise zeigt der fotografierte,  ca. 18 cm lange Lungenfisch noch die Jugendfärbung, also gelbe Sprenkelung auf sehr dunkler, fast schwarzer Grundfärbung.

Übrigens: im vergangenen Jahr (2024) konnte das Genom aller Lungenfische entschlüsselt werden. Dabei stellte sich heraus, dass der Südamerikanische Lungenfisch das größte Genom aller bisher untersuchten Tierarten überhaupt hat. 90 Milliarden Basen hat das Lepidosiren-Genom, das sind doppelt so viele wie beim Australischen Lungenfisch (Neoceratodus forsteri), dessen Genom bis dahin für eines der größten gehalten wurde. Zum Vergleich: das menschliche Genom hat nur 3 Milliarden Basen.

Für unsere Kunden: die Tiere in 8-10 cm Länge haben Code 265502, 15-18 cm Code 265505 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Indostomus crocodilus

28. Februar 2025

Die Gattung Indostomus umfasst nach gegenwärtigem Kenntnisstand drei Arten: I. paradoxus aus Burma (siehe: https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/indostomus-paradoxus-3/) mit weitgehend farblosen Flossen, I. crocodilus aus dem Süden Thailands und I. spinosus aus dem Mekong-Einzug in Thailand, Laos und Kambodscha. Die beiden letztgenannten Arten haben deutliche Bänder vor allem in der Rückenflosse. Während I. crocodilus eine helle Körperunterseite und Kehlpartie hat, sind diese Körperteile bei I. spinosus – vor allem bei Männchen in Brutstimmung – dunkel gefärbt, der Kiemendeckel kräftig braun.

Indostomus crocodilus wird, genau wie die beiden anderen Arten, allerhöchstens 3 cm lang. Der Geschlechtsunterschied ist relativ leicht zu sehen, die Männchen haben einen breiten weißen Saum in der Rücken-, der After- und an den Bauchflossen. In Brutstimmung kommt in der Rückenflosse noch ein zweites, schwarzes Band hinzu. Während der Laichzeit sind die Weibchen zudem fülliger. Die Männchen betreiben Brutpflege, indem sie Gelege und Larven in Röhren (z.B. Bambus) bis zum Freischwimmen bewachen.

Es sind ruhige, friedliche und sich meist langsam bewegende Fische. Kleinste Becken reichen für die Pflege dieser interessanten Studienobjekte aus. Bodengrund aus feinstem Sand, viel feinblättrige Pflanzen und kleine Steine oder Moorkienholz sorgen für das richtige Ambiente. Für I. crocodilus sollte das Wasser weich und leicht sauer sein, Huminstoffe fördern das Wohlbefinden.

Das Futter sollte aus feinstem Lebendfutter bestehen. 

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 411723 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Dichotomyctere fluviatilis (früher: Tetraodon fluviatilis)

28. Februar 2025

Die Grünen Kugelfische wurde vor einiger Zeit von den übrigen Tetraodon abgetrennt und die eigenständige Gattung Dichotomyctere überführt. Drei Arten sind gewöhnlich im Hobby vertreten, der Palembang- oder Figur-8-Kugelfisch (D. ocellatus, früher Tetraodon biocellatus), der Grüne Schwarzpunkt-Kugelfisch (D. nigroviridis) und der eigentliche Grüne Kugelfisch (D. fluviatilis). Es gibt weitere Arten, aber die tauchen nur ganz selten einmal im Handel auf.

Die drei Arten unterscheiden sich – abgesehen natürlich von der Färbung – vor allem bezüglich der Endgröße. D. ocellatus bleibt mit maximal 6 cm am kleinsten, D. fluviatulis wird mit ca. 20 cm am größten, D. nigroviridis steht mit ca. 12-15 cm dazwischen. Alle drei Arten sind typische Brackwasserfische, die jeden Salzgehalt von reinem Süßwasser bis hin zu reinem Meerwasser tolerieren. Bei der Pflege in reinem Süßwasser ist darauf zu achten, dass das Wasser möglichst hart ist und (das ist viel wichtiger), dass der pH-Wert nicht unter 8 sinkt. Bei so hohen pH-Werten muss man gut biologisch filtern, denn Kugelfisch sind verfressen. Funktioniert der biologische Filter nicht gut, so kann sehr giftiges Ammoniak entstehen.

Untereinander und auch gegen andere Fische sind die Grünen Kugelfisch ganz allgemein friedlich. Leider gibt es aber individuell immer wieder Flossenbeißer, die in Gesellschaft anderer Fische zur Landplage werden können. Möglichst große Aquarien, mehrere Kugelfische beisammen (günstig sind soziale Gruppen zwischen 4 und 8 Exemplaren) und möglich viel und abwechslungsreich füttern beugt solchem Verhalten vor, ganz ausschließen kann man es leider aber nicht..

Der eigentliche Grüne Kugelfisch (D. fluviatilis) kommt nur in Indien und vorgelagerten Inseln (z.B. Sri Lanka) vor. Wir haben die schöne Art regelmäßig, aber immer nur saisonal und in vergleichsweise kleiner Stückzahl im Angebot. Jetzt sind z.B. wieder einmal sehr hübsche Tiere von 3-4 cm Länge hereingekommen. Die Bilder zu diesem Post zeigen zum Teil diese 3-4 cm langen, zum Teil aber auch 5-7 cm lange Exemplare aus einem früheren Import.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 461702 (3-4 cm) und 461703 (5-7 cm) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern. 

Text & Photos: Frank Schäfer

Brochis sp. C156 Rio Purus

20. Februar 2025

Die Panzerwelse des Rio Purus in Brasilien warten mit einer enormen Formenfülle auf, die wirklich kaum zu durchblicken ist. Zu der ohnehin schon variablen Färbung kommen auch noch Unterschiede im Farbmuster bei verschiedenen Altersstufen. Nahezu jeder Bestimmungsversuch hinterlässt zumindest bei einzelnen Tieren Zweifel. Es ist darum wichtig, bei Panzerwelsen des Rio Purus, der ja immerhin über 3.000 km lang ist und eine Einzugsfläche von über 370.000 km2 hat, immer mehrere Tiere zu betrachten und daraufhin zu überprüfen, welche Kombination von Merkmalen sie gemeinsam haben. 

Ein aktueller Import aus dem Rio Purus war uns zunächst ein großes Rätsel. Geschickt wurden die Fische als Brochis pulcher und es waren auch tatsächlich einige B. pulcher unter den Tieren, aber nur wenige. Die meisten Exemplare haben im Gegensatz zu B. pulcher einen dunklen Sattelfleck direkt am Ansatz der Rückenflosse. Zusätzlich ziehen sich dunkle Zeichnungselemente in die Membranen der Rückenflosse. Der Rückenflossenstachel ist hell cremefarben. Die Flankenzeichnung besteht aus drei unterbrochenen Längsbändern. Bei augenscheinlich erwachsenen Tieren (6-7 cm Totallänge) sind diese Längsbänder relativ schmal, bei kleinsten Tier des Importes (ca. 5 cm) ist noch zu erkennen, dass sie sich aus größeren dunklen Punkten zusammensetzen, so wie man das von Brochis aus der engeren Verwandtschaft von B. agassizii und B. ambiacus kennt. Die Rückenpartie ist dicht gepunktet, eine etwas hellere Linie zieht sich über die gesamte Rückenkante. Die Schwanzflosse der Purus-Panzerwelse ist kontrastreich gestreift mit 5-6 Binden. Eine Augenbinde ist vorhanden, die Schnauzenregion ist gepunktet. 

Nimmt man alle Merkmale zusammen, so erscheint die Zuordnung zu den als C156  bezeichneten Panzerwelse am wahrscheinlichsten. C156 wurde im Jahr 2007 erstmals in der DATZ vorgestellt. Vermutlich wird dieser schöne Panzerwels ab und zu importiert, wegen der oben beschriebenen Bestimmungsschwierigkeiten aber nur selten erkannt. Wir haben ihn jetzt erstmals (erkannt) bei uns.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 241754 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Leiarius marmoratus ( = L. longibarbis?)

20. Februar 2025

Es gibt zwei Welsarten in Südamerika, die sich zum Verwechseln ähnlich sehen: Leiarius marmoratus, den die Indianer als „Achara“ bezeichnen und Leiarius (früher: Perrunichthys) perruno. Beide Arten werden etwa 60 cm lang und haben das gleiche Leopardenmuster und die langen, geringelten Barteln. Es gibt aber einen leicht erkennbaren Unterschied: Leiarius marmoratus hat 10-11 Strahlen in der Rückenflosse, L. perruno nur 8. Da die Fische die Rückenflosse meist straff aufgerichtet tragen, kann man das leicht auf einem Photo auszählen.

Unter Wissenschaftlern herrscht keine Einigkeit, ob der 1855 von Castelnau beschriebene L. longibarbis und der 1870 von Gill beschriebene L. marmoratus identisch sind (dann wäre der gültige Name L. longibarbis) oder zwei verschiedene Arten darstellen. L. longibarbis wird in der Originalbeschreibung als einfarbig grauer Fisch mit winzigen Sprenkeln abgebildet, während L. marmoratus bis ins hohe Alter sein marmoriertes Fleckenmuster behält. Es ist möglich, dass die anormale Färbung von L. longibarbis auf eine schlechte Präparationsmethode zurückzuführen ist, dass es sich um eine Farbmutante handelt oder eben doch um eine völlig anders gefärbte Art, die seither nicht wieder gefangen wurde. Geklärt ist das jedenfalls nicht, weshalb man im Handel die schönen Welse mit ihrem groben Punkt-Marmormuster weiterhin als L. marmoratus bezeichnet.

Wegen der attraktiven Färbung und des friedlichen Wesens (Fische, die nicht als Futter in Frage kommen, werden ignoriert) sind Acharas bei den Freunden großer Fische sehr beliebt. Sie kommen aber nur selten auf den Zierfischmarkt. Wir haben gerade einige sehr niedliche Exemplare von 5-7 cm Länge aus Peru erhalten. 

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 265202 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern. Nur in geringer Stückzahl lieferbar!

Text & Photos: Frank Schäfer

Brachygobius sp. Ozelot

20. Februar 2025

Erneut konnten wir diese Zwerg-Goldringelgrundel (die Art wird höchstens 2 cm lang) importieren, die sich keiner der bisher beschriebenen Arten zuordnen lässt. Die Tierchen stammen aus Indonesien. 

Es gibt bei Brachygobius ein wichtiges Bestimmungs-Merkmal das sich auch gut auf Photos erkennen lässt. Bei einigen Arten ist nämlich der Rücken vor dem Ansatz der ersten Rückenflosse beschuppt, bei anderen nicht. Unsere neu importierte Art ist hier unbeschuppt. In Verbindung mit der Färbung und der Herkunft ergibt das, dass unsere Neuimporte wohl einer wissenschaftlich noch unbeschriebenen Art angehören.

Die farbliche Varianz der neu importierten Tiere ist unglaublich, es gibt nicht zwei exakt gleich gezeichnete Exemplare. Wir haben uns darum dafür entschieden, sie vorläufig „Ozelot“ zu nennen. Es handelt sich auf jeden Fall um eine sehr attraktive Art, die sich ideal für kleine Aquarien eignet.

Für unsere Kunden: die Fische haben Code 407232 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Ompok pinnatus

20. Februar 2025

Gelegentlich erhalten wir aus Thailand einen ganz und gar ungewöhnlichen Glaswels, an dem sofort die unglaublich langen Barteln ins Auge fallen. Es handelt sich um die erst im Jahre 2003 beschriebene Art Ompok pinnatus. Mit den Ompok, die wir sonst importieren (siehe https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/ompok_cf_fumidus_de/ und https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/ompok_bimaculatus_und_o_pabda_de/) haben diese Fische wenig gemein, sie sehen eher aus wie typische Glaswelse (Kryptopterus), denen sie auch im Verhalten gleichen. Die gute Nachricht für uns Aquarianer: Ompok pinnatus bleibt mit 8-9 cm Maximallänge ziemlich klein. Die ruhigen Schwarmfische sind sehr verträglich, sehr kleine Fische werden aber selbstverständlich gefressen.

Ompok pinnatus ist eine echte Bereicherung des Welsangebotes. Männchen und Weibchen lassen sich an den Brustflossenstacheln unterscheiden, die bei Männchen gesägt, bei Jungtieren und Weibchen hingegen glatt sind. Wegen des ungeheuren Bartes, den so sonst nur noch die Schwesterart Ompok eugeneiatus aus Indonesien zeigt, schlagen wir als populären Namen „Rübezahl-Glaswels“ vor.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 439823 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Trichopsis vittata

20. Februar 2025

Der Knurrende Gurami (Trichopsis vittata) ist der vielleicht häufigste Kleinfisch Südostasiens. Er wird 4 – 6,5 cm lang. Man findet ihn nahezu überall, außer in stark strömenden Gewässern und im Gebirge. Frisch gefangen ist der Knurrende Gurami meist sehr attraktiv gefärbt und schillert in verschiedenen Blau-Grün, Rot- und Violett-Tönen, allerdings lässt das im Aquarium rasch nach. Höchstwahrscheinlich hängt das damit zusammen, dass die Fische in der Natur gewöhnlich in sehr trübem Wasser leben, in dem die Unterwasser-Sicht nur wenige Zentimeter beträgt. In dieser „Dreckbrühe“ (die Trübung stammt gewöhnlich von Lehm und ist hygienisch unbedenklich) brauchen die Fische kräftige Farben, um mit Artgenossen kommunizieren zu können. Im glasklaren Aquarienwasser fühlen sich die Fische hingegen nackt und schutzlos und stellen die Färbung darum auf Tarnmodus um. Nur während der Fortpflanzung kommen die prächtigen Farben wieder zum Vorschein.

Knurrende Gurami heißen so, weil sie gut hörbare Knarr-Laute produzieren können. Diese Laute entstehen, indem der Fisch mit einem Knochen über Sehnen streicht, die über die luftgefüllte Schwimmblase laufen. Knurrende Guramis spielen also sozusagen Gitarre. Das Knurren selbst ist Kraftmeierei. Die Fische knurren und wer am lautesten knurrt, gewinnt. Bei der Paarung zeigen die Männchen durch knurren auch an, dass sie ganz toll und stark sind. Aber auch die Weibchen knurren bei dieser Art und sind sehr emanzipiert.

Überall sehen die Knurrenden Guramis etwas anders aus. Wahrscheinlich handelt es sich auch nicht nur um eine Art, sondern eine ganze Menge Arten, die einander nur sehr ähnlich sehen. Aber weil es so viele davon gibt, hat sich noch nie jemand so recht daran gewagt.

Unsere Knurrenden Gurami stammen aus Thailand und dort aus der Gegend von Ratchaburi. Man sollte sie nicht mit Knurrenden Guramis anderer Fundorte verpaaren, sondern stets rein züchten, sonst besteht die Gefahr, dass man unabsichtlich Bastarde züchtet, die nach einigen Generationen die Fortpflanzungsfähigkeit verlieren.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 471003 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Lamprichthys tanganicanus

14. Februar 2025

Der Tanganjika-Leuchtaugenfisch ist mit maximal 14 cm Länge der größte Leuchtaugenfisch überhaupt. Er kommt ausschließlich (= endemisch) im Tanganjikasee vor, wo er in riesigen Schwarmen entlang felsiger Küsten lebt. Es ist ein atemberaubender Anblick, wenn ein solcher Schwarm, der mehrere tausend Individuen umfasst, wie ein geschlossenes Juwelenband um ein Kap geschwommen kommt. Bunt sind allerdings nur die Männchen. Die Weibchen sind deutlich kleiner und farblich unscheinbar. 

Wie alle Leuchtaugenfische laicht auch diese Art in Spalten ab. Der Laich braucht 3-6 Wochen zur Entwicklung. L. tanganicanus ist ein sehr empfindlicher Fisch, der hohe Ansprüche an die Wasserqualität stellt. Das Wasser muss sehr sauber und keimarm sein, der pH sollte unbedingt über 7 liegen. Gegen Verletzungen aller Art ist dieser Fisch außerordentlich empfindlich, weshalb er im Handel praktisch nur als Nachzucht und in relativ geringen Größen auftaucht. Große Exemplare sind zu sehr verletzungsgefährdet. Glücklicherweise wird  die Art früh geschlechtsreif und färbt bereits mit einer Länge von 5-6 cm aus. 

Zur Pflege empfiehlt sich ein möglichst großer Schwarm in einem möglichst großen Aquarium. Bezüglich des Futters ist Lamprichthys tanganicanus einfach, er nimmt alles übliche Zierfischfutter gerne an. Die Fische sind sehr friedlich aber schreckhaft, weshalb für eine eventuelle Vergesellschaftung vorgesehene andere Arten absolut friedfertig sein müssen.

Für unsere Kunden: Lamprichthys tanganicanus hat Code 328003 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Boulengerella cuvieri

14. Februar 2025

Bei den eleganten Raubsalmlern der Gattung Boulengerella werden in 5 Arten unterschieden: B. cuvieri, B. lateristriga, B. lucius, B. maculata und B. xyrekes. Sie sind weit in den großen Fluss-Systemen von Amazonas und Orinoko und den Guyana-Ländern verbreitet. Die Unterscheidung der Arten ist vor allem bei kleinen Jungtieren nicht ganz einfach. Jungtiere von B. cuvieri unterscheiden sich von ihren Verwandten u.a. dadurch, dass der untere Schwanzflossenlappen erheblich größer als der obere ist. Ganz kleine Tiere (4-5 cm) haben noch die altertümliche Verlängerung der Wirbelsäule als Oberkante der Schanzflosse. Das bildet sich rasch zurück; ab ca. 6 cm Gesamtlänge erkennt man die arttypische Schwanzflossenstruktur mit einem kleineren oberen und größeren unteren Schwanzflossenlappen. Die dunkel-wolkige Jungfischfärbung behalten B. cuvieri bis zu einer Gesamtlänge von ca. 10 cm. Dann stellt sich die arttypische Erwachsenenfärbung ein mit hellem Rücken, schokoladenfarbenem Längsband in der Körpermitte und silbrigem Bauch. Auf der Schwanzwurzel befindet sich dann ein kleiner Fleck. Mit zunehmendem Alter färbt sich die Schwanzflosse kräftig orangerot ein. Weitere arttypisches Merkmale von B. cuvieri ist die merkwürdig gestaltete Afterflosse, deren hinterste Strahlen so lang sind, dass sie über den Ansatz der Schwanzflosse hinausragen und weit vorn angesetzte Rückenflosse.

Ab etwa 10 cm Länge sind alle Boulengerella-Arten ganz gut zu unterscheiden. B. lateristriga hat als einzige Art eine auffällig schwarz-weiß gestreifte Schwanzflosse. B. lucius und B. maculata sind farblich fast identisch, beide sind am Körper punktiert und haben eine unregelmäßige Fleckung/Streifung in der Schwanzflosse, doch sitzt bei B. lucius die Rückenflosse viel weiter Richtung Kopf auf dem Rücken, so dass eine gedachte senkrechte Linie vom Ende der Rückenflosse Richtung Bauchkante weit vor dem Ansatz der Afterflosse herauskommt (gleiches gilt für B. cuvieri), bei B. maculata hingegen mitten in der Afterflosse. B. xyrekes sieht bei 10 cm Länge ein wenig aus wie ein kleiner Jungfisch von B. cuvieri, doch sind bei B. xyrekes beide Schwanzflossenlappen in etwa gleich groß und die hintersten Afterflossenstrahlen enden deutlich vor dem Ansatz der Schwanzflosse.

Boulengerella cuvieri ist die größte Art der Gattung. Er kann als Rekordmaß knapp 1 m lang und 6 kg schwer werden. Die Art hat ein riesiges Verbreitungsgebiet in Südamerika und kommt praktisch überall im Einzug von Amazonas und Orinoko und in den Guyana-Ländern vor. Importe erfolgen meist aus Peru, Venezuela und Kolumbien. Der Raubsalmler bewohnt in seinem Heimatgebiet verschiedene Gewässertypen, ist aber am häufigsten in schnell strömenden Gewässern anzutreffen, wo er hinter Hindernissen wie Felsen und Baumstämmen auf Beute lauert. In der Regel hält sich dort unter der Wasseroberfläche auf, und ist ein ausgezeichneter Springer (Becken gut abdecken). Bei der Aquarienhaltung ist auf eine möglichst stressfreie Unterbringung zu achten, da es ansonsten zu unkontrollierten Fluchtreaktionen kommen kann. Die Tiere stoßen dabei leicht an den Wänden ihres Behälters an und können sich am empfindlichen Maul verletzen. Als Fischfresser sollten sie mit lebenden oder tiefgefrorenen Fischen gefüttert werden. Selbstverständlich sollte man sie nur mit möglichst gleich großen Fischen vergesellschaften, kleine Mitbewohner werden als Futter betrachtet. Untereinander sind die Tiere friedlich und halten sich gerne in Gesellschaft von Artgenossen auf.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 210403 (ca. 10 cm) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Selenotoca multifasciata (S. papuensis)

14. Februar 2025

Es gibt zwei Gattungen von Argusfischen, Scatophagus und Selenotoca. Die meisten Autoren lassen zur Zeit nur zwei Arten in Scatophagus und eine in Selenotoca gelten, bei Scatophagus die Arten S. argus und S. tetracanthus und bei Selenotoca die Art S. multifasciata. Es gibt aber mit Sicherheit erheblich mehr Arten, bei Selenotoca wohl mindestens eine weitere, nämlich S. papuensis. Allerdings wird diese Art derzeit von den allermeisten Autoren als Synonym zu S. multifasciata gewertet. Sie lassen sich jedoch relativ leicht an der Anzahl der senkrechten Binden und der unterschiedlichen Schwanzflossenform unter­scheiden. Bei S. multifasciata befinden sich im Rückenbereich ca. 10 relativ schmale Streifen. S. papuensis hat dort nur ca.  5-6 deutlich breitere Streifen. Die Schwanzflosse endet bei S. multifasciata gerade abgeschnitten bis leicht konkav (also eingebuchtet), bei S. papuensis ist sie leicht konvex (also nach außen gewölbt). Da jedoch, wie gesagt, S. papuensis von der Mehrzahl der Wissenschaftler aktuell nur als Synonym zu S. multifasciata geführt wird, bezeichnen wir im Handel alle Selenotoca so, obwohl es sich eigentlich fast immer um S. papuensis handelt.

Umgangssprachlich werden Selenotoca als „Silber-Argus“ bezeichnet. Sie sind im gesamten Indo-westpazifischen Raum verbreitet, jedoch sind die genauen Artareale unbekannt, weil so gut wie nie zwischen den beiden Arten unterschieden wird. Sie sind, genau wie „gewöhnliche“ Argusfische, euryhalin, können als beliebig zwischen Süß- und Meerwasser pendeln. Ein Salzgehalt von etwa 5-10g/l ist für die dauerhafte Haltung der in der Natur bis zu 40 cm (meist: 15-20 cm) langen Tiere günstig. Dabei benötigen sie gar nicht unbedingt das Salz, aber sie sind gegen zwei wasserchemische Eigenschaften sehr empfindlich: pH-Werte unter 8 und erhöhte Nitritwerte. Das Salz verhindert ein Absinken des pH-Wertes (darum muss es auch Salz für Korallenriff-Aquarien sein, in dem ein pH-Puffer beigemischt ist, und kein gewöhnliches Kochsalz!) und die Kochsalzkomponente verringert die Giftwirkung von Nitrit.

Argusfische sind Allesfresser, die auch vor Wasserpflanzen nicht Halt machen. Es ist darum für eine abwechslungsreiche Kost zu sorgen. Alle Argusfische sind soziale Tiere, die man möglichst im Trupp von Artgenossen pflegen sollte. Es gibt zwar vereinzelt unverträgliche Exemplare, aber das ist glücklicherweise die Ausnahme. Selenotoca sind Freilaicher ohne Brutpflege. Die Männchen werden deutlich größer als die Weibchen und haben eine steilere Stirnpartie. Die Eier entwickeln sich im Plankton des Meeres, was ihre Aufzucht im Aquarium sehr aufwändig macht. Darum werden Argusfische in Privathand nicht gezüchtet, sie sind jedoch Gegenstand von Aquakultur zu Speisezwecken.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 455001 (3-4 cm) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Osphronemus goramy

14. Februar 2025

Die meisten Menschen kennen Riesenguramis (Osphronemus goramy) nur aus dem Zoo. Dort schwimmen die etwas verwachsen aussehenden Tiere (das gehört aber so) – die größten Labyrinthfische überhaupt – meist friedlich in Gesellschaft anderer Großfische aus Südostasien.

Die Jungfische sehen aber nicht nur völlig anders aus, sondern verhalten sich auch ganz anders: sie sind nämlich untereinander außerordentlich aggressiv! Artfremde Fische werden hingegen meist ignoriert. Warum diese Guramis, die übrigens hauptsächlich Pflanzenfresser sind, als Jungtiere so garstig zueinander sind, ist unbekannt.

Der eigentliche Riesen- oder Speisegurami ist seit langer Zeit domestiziert. Der Größenrekord für Riesenguramis liegt bei 70 cm und über 20 kg. Normale Größen sind allerdings 40-50 cm. Es gibt Albinos und eine goldgelbe Zuchtform mit schwarzen Augen (siehe https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/osphronemus-goramy-gold-und-albino/). Über die natürliche Verbreitung und innerartliche Unterschiede wird intensiv diskutiert, aber es st wenig gesichertes bekannt. Vermutlich kam diese Art ursprünglich auf den großen Sundainseln (Java, Sumatra und Borneo), auf der malaiischen Halbinsel und in Süd-Thailand vor, aber es ist nahezu unmöglich verwilderte Teichfische von echten, bodenständigen Populationen zu unterscheiden. Die Jungtiere, die wir aktuell importieren konnten, weichen farblich deutlich von den Tieren ab, die wir früher gesehen haben. Auffällig ist die gelb-orangefarbene Kehlregion. Es handelt sich um Nachzuchten aus Thailand.

Der Riesengurami ist ein Labyrinthfisch-typischer Schaumnestbauer. In großen Teilen der Tropen wird er als Speisefisch kommerziell gezüchtet. Hierzulande wird die Zucht aus Platzgründen kaum jemals praktiziert.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 440802 (5-7 cm) auf unserer Stockliste. Bitte beachten sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Cherax quadricarinatus

14. Februar 2025

Unter den zahlreichen Cherax-Arten nimmt Cherax quadricarinatus, auch als Australischer Flusskrebs oder Rotscherenkrebs bekannt, eine Sonderstellung ein. Er wird nämlich schon seit Jahrzehnten als Speisekrebs in Aquakultur vermehrt und gehörte daher auch zu den allerersten Cherax-Arten, die für die Aquaristik zur Verfügung standen.

 

Cherax quadricarinatus gehört zu den größten Vertretern seiner Gattung, Männchen können bis zu 30 cm Länge erreichen. Weibchen bleiben stets etwas kleiner. Die Geschlechter können, wie bei allen Cherax-Arten, an den Geschlechtsöffnungen (Gonoporen) an den Schreitbeinen unterschieden werden. Bei den Weibchen sitzen die Gonoporen am 3., bei den Männchen am 5. Schreitbeinpaar. Das ist besonders bei Jungtieren die beste Form der Geschlechtsbestimmung. Bei erwachsenen Tieren ist es einfacher, denn nur die Männchen entwickeln die roten Blasen an der Außenseite des Scherenfingers. Die Länge des Kopfpanzers (Cephalothorax) gibt Auskunft, wann C. quadricarinatus geschlechtsreif wird: Männchen mit 17 mm und Weibchen mit 24,5 mm. Das entspricht ca. Gesamtlängen von 4,5 – 6 cm.

Auch wenn Cherax quadricarinatus zu größten Arten zählt: er ist auch eine der friedlichsten. Sicherlich hat auch die Zuchtwahl für die Haltung in Aquakultur dazu beigetragen, dass diese Krebse – anders als viele andere Krebs-Arten – sogar untereinander absolut verträglich sind und sich gewöhnlich nicht einmal dann beschädigen, wenn sie frisch gehäutet und noch butterweich sind.

Im Handel sind meist die 3-5 cm langen Jungtiere, die hübsch hellblau gefärbt sind. Im Alter werden die Tiere dunkler, wir fügen dem Post auch Bilder von erwachsenen Tiere bei, die zeigen, wie sie dann aussehen. Diese Tiere haben eine Länge von 10-12 cm. Leider gehört C. quadricarinatus zu den Arten, die auf der Vorwarnliste der künftig in Europa möglicherweise verbotenen invasiven Arten, denn in Spanien wurden wiederholt ausgesetzte Tiere beobachtet. Darum hier noch einmal unser Appell an alle Tierhalter: setzen Sie bitte niemals irgendwelche Tiere in die freie Natur aus. Das ist erstens Tierquälerei und zweitens streng verboten. Wer es dennoch tut, handelt asozial und gefährdet in unverantwortlicher Art und Weise unser aller Hobby und Passion.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 481401 (3-5 cm) und 481404 (10-12 cm) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Brochis robineae

14. Februar 2025

Aus der großen Zahl von Panzerwels-Arten, die es gibt, sticht Brochis robineae (früher: Corydoras robineae) durch die einzigartige Schwanzflossenzeichnung heraus. Nur bei B. robineae ist die Schwanzflosse waagerecht gestreift (bei allen anderen Arten farblos oder senkrecht gestreift). Ein so auffallendes Schwanzflossenmuster findet man auch sonst selten bei Fischen. In der Panzerwels-Verwandtschaft ist zeigen Dianema urostriatum (siehe: https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/dianema-urostriatum/) und ansonsten einige Nachtsalmler der Gattung Semaprochilodus (https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/semaprochilodus-laticeps-taeniurus/) und Rotkopfsalmler ein ähnliches Muster.

Die auffallende Art B. robineae wurde erst spät – 1983 – entdeckt und beschrieben. Die Erstbeschreibungstiere stammten aus dem Rio Aiuana, einem südlichen Zulauf am mittleren Rio Negro, Bundesstaat Amazonas, Brasilien. Obwohl die Zucht nicht unbedingt schwierig ist (weiches und saures Wasser sind hilfreich), sind die meisten Tiere im Handel Wildfänge. Entsprechend gibt es eine Saison für diese Fische, die etwa zwischen September und Februar liegt. Davor und danach ist B. robineae nur selten lieferbar. Alte Weibchen – die Weibchen werden grundsätzlich etwas größer als die Männchen – sollen bis zu 7 cm Länge erreichen können. Gewöhnlich werden diese Fische aber 5-6 cm lang. Es sind typische Panzerwelse, deren Pflege wie üblich vor sich geht, allerdings sollte man gerade bei dieser Art niemals nur kleine Gruppen sondern gleich einen größeren Trupp pflegen, denn es sind ausgesprochene Schwarmfische.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 244003 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Spatuloricaria terracanticum ( = S. sp. COLOMBIA)

7. Februar 2025

Die Gattung Spatuloricaria besteht aus 13 wissenschaftlich beschriebenen Arten. Die Gattung hat ein extrem weites Verbreitungsgebiet vom Süden Südamerikas (Argentinien, Paraguay, Uruguay, südliches Brasilien) bis nach Panama im Norden. Es gibt sie zudem auf beiden Abdachungen der Anden. 11 der 13 Arten wurden bis 1945 beschrieben, erst 70 Jahre später kamen zwei neue Arten hinzu: S. tuira aus den Flüssen Xingu und Tapajós in Brasilien (2014) und S. terracanticum aus dem Einzug des Orinoko (2018). Leider sind diese beiden jüngsten Arbeiten, in denen die neu zu beschreibenden Arten notwendigerweise gegen die bestehenden Arten abgegrenzt werden müssen, teils etwas widersprüchlich. Außerdem ist mindestens eine sehr charakteristisch gefärbte Art aus Peru offenbar noch nicht wissenschaftlich erfasst, wird aber ab und zu importiert (siehe: https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/spatuloricaria-sp-black-white-peru/). 

Wir konnten jetzt wieder einmal einige sehr schöne Exemplare dieser Hexenwelsgattung aus Kolumbien importieren. Geschickt wurden sie als „S. caquetae“. Diese Art gibt es zwar, aber sie sieht anders aus. Darum ordneten wir die Tiere zunächst als „sp. Colombia“ in unserer Stockliste ein. Nun haben sich die Fische gut eingelebt und wir haben sie genauer unter die Lupe genommen. Es bestehen kaum noch Zweifel, dass es sich um die 2018 neu beschriebene Art Spatuloricaria terracanticum handelt. Alle anatomischen Merkmale (Beschilderung der Bauchregion und im Bereich der Kloake) sowie Färbungsmerkmale (breite, geschwungene „Schärpe“ hinter dem Kopf) stimmen perfekt mit der Erstbeschreibung überein. Das größte bislang vermessene Exemplar von S. terracanticum hatte eine Standardlänge (also ohne Schwanzflosse) von 28,5 cm. Hinzu kommt bei allen Spatuloricaria noch das sehr lange Filament an der Oberkante der Schwanzflosse.

Männchen von Spatuloricaria entwickeln zur Brutzeit einen enormen „Backenbart“, der sich nach der Brutperiode wieder zurückbildet. Spatuloricaria sind Höhlenbrüter, die gerne an der Unterseite von flachen Steinplatten laichen. Zuchtberichte finden sich in der Zeitschrift Amazonas, Heft 12 (7/8, 2007) auf den Seiten 47-55.

Spatuloricaria sind Gemischtköstler mit einem Schwerpunkt auf tierischen Futtermitteln. Daneben kann aber auch z.B. Flockenfutter auf Basis pflanzlicher Stoffe gereicht werden. Die langen, gekrümmten Fangzähne im Oberkiefer deuten darauf hin, dass diese Art in der Natur vor allem Schnecken frisst, denn solche Zähne machen nur in diesem Zusammenhang Sinn: zum Herausziehen des Weichkörpers der Schnecke aus dem Gehäuse. Aquarienbeobachtungen zu dem Thema stehen noch aus.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 293754 (12-15 cm) und 293755 (18-22 cm) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Literatur:

Fichberg, I., O. T. Oyakawa & M. C. C. de Pinna (2014): The end of an almost 70-year wait: a new species of Spatuloricaria (Siluriformes: Loricariidae) from the Rio Xingu and Rio Tapajós basins. Copeia 2014 (no. 2): 317-324.

Londoño-Burbano, A., A. Urbano-Bonilla, Y. Rojas-Molina, H. Ramírez-Gil & S. Prada-Pedreros (2018): A new species of Spatuloricaria Schultz, 1944 (Siluriformes: Loricariidae), from the Orinoco River basin, Colombia. Copeia v. 106 (no. 4): 611-621.

Text & Photos: Frank Schäfer

Pterophyllum Rotkopf-Marmor-Skalar

7. Februar 2025

In der Mehrzahl der Fälle ist es das Ziel bei Zuchtformen, einen möglichst uniform gefärbten und körperlich entwickelten Typ zu entwickeln. Mit anderen Worten: im Idealfall sehen alle Tiere einer bestimmten Zuchtlinie gleich aus. 

Beim Marmor-Skalar und auch bei dem aus ihm entwickelten Rotkopf-Marmor-Skalar ist das anders. Zwar sollen auch hier alle Tiere der Idealform des Skalars oder Segelflossers möglichst nahe kommen. Ein kreisrunder Körper, gut entwickelte senkrechte Flossen, eine harmonische Schwanzflosse und – das ist ganz wichtig – lang ausgezogenen, gerade Bauchflossen werden angestrebt. Die Färbung hingegen ist bei jeden Tier individuell anders. Das Spektrum reicht vom fast weißen Fisch mit wenigen schwarzen Sprenkeln und einem flotten roten Barrett bis hin zum dicht an dicht schwarz marmorierten Tier mit feuerrotem Vorderrücken und Wangenregionen. Die Flossen können von transparent bis tiefschwarz gefärbt sein, auch gestreifte Flossen sind möglich. So ergibt sich ein besonders buntes Bild im Aquarium.

Bezüglich Pflege und Zucht unterscheiden sich diese seit Jahrzehnten domestizierten Fische nicht von anderen Zuchtformen des Segelflossers.

Für unsere Kunden: diese Zuchtfirm hat Code 691303 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Hyphessobrycon columbianus

7. Februar 2025

Hyphessobrycon columbianus wurde von Zarske & Géry 2001 beschrieben. Der Salmler gehört nach Weitzman in die Verwandtschaft der „Rosy-Tetra-Gruppe“ (im weitesten Sinne „Schmucksalmler-Verwandte“). 1995 gelangten die ersten Tiere nach Deutschland, gefangen in einem Zufluss des Rio Acanti, Kolumbien. Alle derzeit im Handel befindlichen Exemplare sollen von den wenigen ersten Importen abstammen.

Schon kurz nach seiner Entdeckung wurde dieser Fisch geradezu massenhaft vermehrt und im Handel (bis zur wissenschaftlichen Beschreibung zumeist unter den Namen Astyanax spec. oder Hyphessobrycon ecuadoriensis) angeboten, weshalb der anfangs erhebliche Preis schnell auf ein „unteres Salmlerniveau“ gefallen ist. Hyphessobrycon columbianus ist durch seine Farbpracht, seine Friedfertigkeit sowie leichte Züchtbarkeit eine Bereicherung für die Aquaristik, wenngleich er bei nicht optimalen Hälterungsbedingungen etwas verblasst. Das Wasser sollte eher etwas kühler (<25 °C) und härter, der pH-Wert neutral bis leicht alkalisch sein. Auch scheinen die Tiere gelegentlich anfällig für (bakterielle?) Infektionen zu sein.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 259952 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Photos: Frank Schäfer, Text: Peter & Martin Hoffmann

Herotilapia multispinosa

7. Februar 2025

Dieser mittelgroße Buntbarsch – Männchen können maximal 12 cm lang werden, Weibchen bleiben immer 3-5 cm kleiner – stammt ursprünglich aus Mittelamerika (Nicaragua, Costa Rica, Honduras). Er ist ein echter Klassiker unter den Aquarienfischen und hatte seine maximale Beliebtheit in den 1970er Jahren. Der damals vergebene Name „Regenbogen-Buntbarsch“ deutet zwar an, dass die Tiere sehr schön gefärbt sein können, doch wurden sie lange Zeit sträflich in der Zucht vernachlässigt (die Fische vermehren sich mühelos nach typischer Offenbrüter-Manier). Das Ergebnis mangelhafter Auslese und schlechter Fütterung sind dann sehr schnell schlecht gefärbte und wenig attraktive Fische.

Glücklicherweise ändert sich das in den letzten Jahren und wir erhalten nun nur noch Nachzuchten dieses Fisches, die dem Namen „Regenbogen-Buntbarsch“ alle Ehre machen. Sie sind wunderschön intensiv gefärbt und äußerst attraktiv. Es gibt, wie üblich bei Mittelamerikanern, Lokalvarianten in unterschiedlichen Farbschattierungen. Mal sind sie eher orangeflossig, mal eher zitronengelb. Allerdings zeigen sie das erst, wenn sie in Brutstimmung kommen, vorher sehen alle gleich aus. Daher können wir sie auch nicht getrennt anbieten. Aber sicher ist: alle Varianten sind schön und interessant, perfekte Buntbarsche für den Einstieg und zur Auffrischung angenehmer Erinnerungen.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 683003 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Lexikon: Herotilapia: zusammengesetzt aus den Gattungsnamen Heros und Tilapia, zwei anderen Buntbarschgattungen. multispinosa: latein, bedeutet „mit vielen Stacheln“.

Gebrauchsname: Regenbogen-Buntbarsch

Text & Photos: Frank Schäfer

Corydoras serratus

7. Februar 2025

Zu den begehrtesten Panzerwelsen gehört der sattelschnäuzige Corydoras serratus aus dem oberen Rio Negro Gebiet in Brasilien. Weil die sattelschnäuzigen Corydoras im Gegensatz zu den lang- und rundschnäuzigen ehemaligen (jetzt anderen Gattungen zugeordneten) Corydoras eher Einzelgänger sind, können sie nicht in ökonomisch in größeren Stückzahlen gefangen werden. Das und die Tatsache, dass für diese Fische in Japan zeitweise unglaubliche Preise bezahlt wurden, machte sie lange Zeit zu Top-Raritäten im Zierfischmarkt.

Es gibt einige Züchter dieser schönen Fische. Interessant dabei ist, dass diese Nachzuchttiere farblich ziemlich unterschiedlich ausfallen. Obwohl der Züchter ausschließlich mit Tieren züchtet, die optisch dem Idealbild von C. serratus entsprechen (mit einer breiten Rückenbinde vom Ansatz der Rückenflosse bis zum Schwanz), gibt es unter deren Nachkommen auch Exemplare, die statt einer durchgehenden Rückenbinde nur einen senkrechten Streifen unter der Rückenflosse aufweisen. 

Auch bei Wildfängen wurde eine solche Varianz schon festgestellt, doch blieb die Unsicherheit, ob es sich dabei nicht doch um weitere, nahe verwandte Arten handelt. Diese Frage konnte durch die Nachzuchten eindeutig geklärt werden. Heutzutage ist der anfängliche Wirbel,der um diesen Corydoras gemacht wurde, natürlich längst einer nüchterneren Betrachtungsweise gewichen, aber noch immer hat sich nicht allgemein herumgesprochen, dass C. serratus eine sehr variabel gefärbte Spezies ist. 

Wir erhalten immer wieder einmal ausgewachsene Wildfänge dieses schönen Panzerwelses. Sie zeigen die geschilderte Varianz in der Färbung, die meisten haben jedoch den breiten und langen Rückenstreifen. Wir haben diesem Post ein Bild beigefügt, das eine Gruppe frisch importierter Wildfänge zeigt; die Variabilität ist gut erkennbar

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 245614 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Stiphodon annieae

31. Januar 2025

Neongrundeln der Gattung Stiphodon sind wirklich wundervolle Aquarienfische. Sie haben ein interessantes Verhalten, bleiben klein, sind nicht sonderlich anspruchsvoll und die Männchen sind häufig prachtvoll gefärbt. Aus aquaristischer Hinsicht haben sie lediglich einen Nachteil: da sich die Larven ausschließlich im Meer entwickeln steht man bei der Zucht vor den gleichen Schwierigkeiten wie bei der Zucht von Korallenfischen. So weit wir wissen, gab es noch keine erfolgreichen Aufzuchtversuche von Stiphodon unter Aquarienbedingungen. Abgelaicht wird allerdings willig, besonders auf der Unterseite von flachen Steinplatten, die auf Sand aufliegen und von den Grundeln untertunnelt werden.

Rote Fische sind beliebte Fische. Das gilt quer durch alle Aquarienfischgruppen. Bei Stiphodon sind 5 Arten bekannt, bei denen die Männchen sich zur Balz prächtig rot einfärben: Stiphodon annieae, S. rubromaculatus, S. birdsong, S. surrufus und S. mele. Die letzteren drei sind sehr eng miteinander verwandt, S. birdsong gilt sogar einigen Wissenschaftlern als Synonym zu S. surrufus. Allen dreien fehlt der neonfarbene Schnauzenstreifen. Dieser ist vorhanden bei S. annieae und S. rubromaculatus, jedoch kann man beide Arten anhand der restlichen Färbungsmerkmale (z.B. Kopffärbung schwarz unterhalb des Neonstreifens bei S. annieae, rot/weiß bei S. rubromaculatus, Flossen rot bei S. annieae-Männchen in Pracht, transparent bei S. rubromaculatus) leicht unterscheiden.

Mit nur 2,5-3 cm Gesamtlänge ist Stiphodon annieae eine winzige Fischart. Bislang ist noch keine gesicherte Weibchenfärbung für diese Art bekannt geworden. Die Weibchen der restlichen genannten Arten sind mehr oder weniger einfarbig grau-braun. Wir haben eine größere Anzahl Exemplare von S. annieae importieren und dabei keine augenfälligen Geschlechtsunterschiede ausmachen können. Vielleicht sind die Weibchen bei dieser Art ausnahmsweise ähnlich bunt wie die Männchen, vielleicht fangen die lokalen Fischer aber auch nur die bunten Tiere. Bislang ist S. annieae ausschließlich von der Molukken-Insel Halmahera (gehört politisch zu Indonesien) bekannt geworden (was natürlich nicht heißt, dass es sie nicht auch andernorts gibt, wie gesagt, die Larven entwickeln sich im Meer und können sonstwohin verdriftet werden).

Die Pflege der wunderschönen Tierchen ist einfach. Man gestalte einen Bachlauf im Aquarium nach, mit sandigem Boden und größeren, darauf aufliegenden Steinplatten. Eine gute Beleuchtung sorgt für Algenwuchs auf den Steinen, der eine wichtige Zusatznahrung für die Grundeln darstellt. Eine gute Strömung schätzen sie, dann liegen sie gerne im Trupp mit ihresgleichen mit dem Kopf gegen die Strömung gerichtet. Untereinander sind sie sehr friedlich, gegen andere Arten auch, aber nervige Mitbewohner sollte man den Grundeln ersparen. Die Wasserwerte sind belanglos, nur sauber und sauerstoffreich sollte es sein, Temperatur um 24°C. Gefressen wird alles, was in das kleine Mäulchen passt.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 456032 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Macropodus erythropterus

31. Januar 2025

Die Makropoden oder Paradiesfische (Macropodus) kann man grob in drei Gruppen unterteilen: die Schwarzen Makropoden mit den beschriebenen Arten M. hongkongensis, M. erythropterus, M. lineatus, M. minnanensis, M. oligolepis, M. phongnhaensis, M. spechti, M. tramiensis und M. yeni, die Blau-Roten Makropoden mit den beschriebenen Arten M. baviensis, M. chinensis, M. filamentosus, M. opercularis und M. venustus und den Rundschwanzmakropoden M. ocellatus. Da sich alle beschriebenen Arten mit Ausnahme des Rundschwanzmakropoden nur farblich unterscheiden und darum in vielen Fällen nicht befriedigend auseinanderhalten lassen, werden die meisten von ihnen nur als Synonyme geführt. So geschah es zeitweilig auch bei Rotrücken-Makropoden (M. erythropterus) aus Vietnam. Er wurde aus der Provinz Quang Binh beschrieben und aufgrund der großen morphologischen Ähnlichkeit zum Schwarzen Makropoden (M. spechti), der ebenfalls aus Vietnam stammt (Umgebung von Hue, Zentralvietnam), schon gelegentlich mit M. spechti synonymisiert.

In letzter Zeit wurde es etwas still um diesen schönen Paradiesfisch. Wir haben jetzt wieder einmal Nachzuchten der Art erhalten, bei denen deutlich wird, warum M. erythropterus den Namen „Rotrücken-Makropode“ erhalten hat und zweifelsfrei eine eigene Art darstellt: die Rückenpartie ist selbst bei neutral gestimmten Tieren braunrot und wird bei erregten Tieren kräftig rostrot. Das ist bei „normalen“ Schwarzen Makropoden niemals der Fall (siehe: https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/macropodus-spechti/).

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 426063 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Deutscher Gebrauchsname: Rotrücken-Makropode

Text & Photos: Frank Schäfer

Erythrinus sp. Orinoko

31. Januar 2025

Eigentlich sind die Raubsalmler der Gattung Erythrinus leicht zu bestimmen, denn aus wissenschaftlicher Sicht sind nur zwei Arten akzeptiert: E. erythrinus, die praktisch die gesamten Tropen und Teile der Subtropen Süd- und Mittelamerikas besiedelt und E. kessleri, ein Endemit (kommt also nur dort vor) aus dem Bundesstaat Bahia in Brasilien. Doch aus unterschiedlichen Regionen importierte Erythrinus sehen sehr verschieden aus. Wir bezeichnen die am häufigsten importierte, sehr farbenprächtige Form aus Peru als Erythrinus erythrinus (ohne dass dies wissenschaftlich abgesichert wäre), siehe https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/erythrinus-erythrinus-peru/ dort auch weitere allgemeine Hinweise.

Aus Kolumbien und Venezuela haben wir Erythrinus erhalten, die farblich völlig von den Peruanern abweichen. Auch untereinander sehen diese Fische sehr verschieden aus, wir vermuten hinter den unterschiedlichen Farbkleidern Männchen und Weibchen. Da diese Erythrinus aus dem Einzug des Orinoko kommen, haben wir sie auf unserer Stockliste entsprechend bezeichnet.

Wir gehen davon aus, dass diese Fische, wie alle Erythrinus, 20-25 cm lang werden. Es sind typische Raubfische. Auch der Pfleger sollte auf seine Finger achten, dienn die sprunggewandten Tiere beißen gerne herzhaft zu und das blutet ordentlich!

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 253385 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern. Nur in sehr kleiner Stückzahl lieferbar!

Text & Photos: Frank Schäfer

Hoplisoma cf. axelrodi CW169

31. Januar 2025

Unter dem Fantasienamen „Corydoras deckeri“ werden eine ganze Reihe von Panzerwels-Arten aus Kolumbien exportiert. Sie stammen sämtlich aus dem System des großen Rio Meta, jedoch sind nur selten genauere Angaben zu erhalten. Eine der am häufigsten angebotenen „deckeri“-Arten ist Hoplisoma axelrodi. Dieser schöne Panzerwels ist seit Jahrzehnten sehr beliebt und erwies sich als sehr gut pfleg- und züchtbar.

Bislang waren zwei Arten als Hoplisoma axelrodi bekannt. Die eine ist der „echte“ H. axelrodi. Bei diesem läuft die breite schwarze Körperbinde schräg nach unten und setzt sich in der Schwanzflosse als Band am unteren Rand der Flosse fort. Und dann gibt es noch eine extrem ähnliche Art, die allerdings wissenschaftlich noch unbeschrieben ist: CW21. Bei ihr endet die breite schwarze Binde in der Mitte des Schwanzstiels und setzt sich nicht in die Schwanzflosse fort. Bilder beider Arten finden Sie hier: https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/corydoras-axelrodi-deckeri/

Neu ist eine dritte Form, die von Ian Fuller (www.corydorasworld.com) die Codenummer CW169 erhalten hat. Bei ihr verläuft die prominente obere Binde wie bei CW21, ist jedoch viel breiter. Zu dieser Form gibt es sogar einen Fundort: Granada im Departement Meta. Es sind sehr attraktive Fische, die nur in kleinen Stückzahlen geliefert werden und deutlich teurer sind als „gewöhnliche“ deckeri. Uns erreichte eine Sendung dieser Fische gemischt mit Hoplisoma loxozonus (siehe https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/corydoras-loxozonus-2/)

Für unsere Kunden: CW169 hat Code 223523 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Platy Wagtail Spitzschwanz

31. Januar 2025

Die Mutation „Spitzschwanz“, bei der die mittleren Schwanzflossenstrahlen lang ausgezogen sind, trat erst relativ spät auf: in den 1980er Jahren erschienen die ersten Exemplare auf dem Markt. Entstanden ist sie in den südostasiatischen Großzüchtereien.

Man kann das Merkmal, das zunächst beim Platy  (Xiphophorus maculatus) auftrat, auch auf andere Xiphos übertragen, doch wirklich langfristig durchgesetzt hat sich der Spitzschwanz nur bei Wagtail-Platys. Hier sind es besonders die roten Zuchtformen, die mit Spitzschwanz angeboten werden, aber im Prinzip kann man jede Platy-Variante mit Spitzschwanz züchten. Weil bei sehr großen und alten Tieren die innersten Strahlen etwas über die Flosse hinauswachsen können, bezeichnet man diese Zuchtform manchmal auch als „Pinselschwanz“. Abgesehen von der Flossenform sind die Spitzschwänze ganz normale Platys: lebhaft, bunt und robust. 

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 442103 auf unserer Stocliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Hemigrammus filamentosus

24. Januar 2025

Im Jahr 2010 konnten wir erstmals eine Salmler-Neuheit aus Brasilien via Belem importieren, die sich keiner wissenschaftlich beschriebenen Art eindeutig zuordnen ließ. Provisorisch wurde sie als Hyphessobrycon cf. stegemanni und als Phönix-Tetra bezeichnet. Heute wissen wir, dass die Art aus dem Rio Araguaia stammt. Die Maximallänge liegt bei 3-4 cm. Männchen unterscheiden sich von den Weibchen durch länger ausgezogene Flossen, die Schwanzflosse ist zudem beim Männchen rot, beim Weibchen transparent.

Bereits ein Jahr später – also 2011 – wurde der Phoenix-Tetra von Zarske als neue Art Hemigrammus filamentosus wissenschaftlich beschrieben. Die wissenschaftliche Beschreibung ist hier frei verfügbar: https://vertebrate-zoology.arphahub.com/issue/4367/

Inzwischen hat sich die Art fest als Aquarienfisch etabliert und wird hauptsächlich in From von Nachzuchten angeboten. Von Zeit zu Zeit gibt es aber auch Wildfänge. Dann werden auch goldene Hemigrammus filamentosus angeboten, die sehr attraktiv sind. Goldformen gibt es ausschließlich als Wildfänge, da die Auslöser der Goldfärbung über Vogelkot übertragen werden. Das gibt es in menschlicher Obhut nicht.

Bezüglich der Pflege kann die Art als anspruchslos eingestuft werden. Es handelt sich um friedliche Tiere, die weder Artgenossen noch anderen Fischen, noch Pflanzen gefährlich werden. Ab etwa 28°C beginnen die Männchen mit den wunderschönen Balzspielen und harmlosen Hetzjagden, bei denen noch nicht einmal die lang ausgezogenen Flossenfilamente in Mitleidenschaft gezogen werden.

Für unsere Kunden: die Fische haben Code 256433 (Nachzucht), 256423 (wild, normalfarbig) und 256424 (wild, Goldform) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Tenellus trimaculatus

24. Januar 2025

Aus Peru erhalten wir diesen netten Dornwels, der an seiner arttypischen Punktzeichnung gut zu erkennen ist: Ein schwarzer Fleck an der Basis der Rückenflosse, zwei am mittleren Ansatz der Schwanzflosse. Darauf bezieht sich auch der Artname (trimaculatus = mit drei Flecken). Das friedliche Tier wird etwa 10 cm lang. Im Verhalten ist es am ehesten mit Panzerwelsen (Corydoras & Co.) zu vergleichen.

Tenellus trimaculatus ist ein soziales Tier, das die Gesellschaft von Artgenossen schätzt. Darum sollte man immer mindestens fünf Exemplare gemeinsam pflegen; in Ermangelung von artgleichen Tieren schließt sich der Wels auch anderen, ähnlichen Arten an. Das große Auge zeigt, dass es sich um dämmerungsaktive Welse handelt. In der unteren Hälfte des Auges befindet sich ein „Restlichtverstärker“, der bei Blitzlichtaufnahmen dazu führt, dass die untere Hälfte der Iris einen „rote-Augen-Effekt“ zeigt. Wir haben das bei den meisten Photos korrigiert, nur bei einem Bild haben wir es gelassen, um den Effekt zu demonstrieren.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 295992 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Astronotus mikoljii

24. Januar 2025

Von den sieben wissenschaftlich beschriebenen Astronotus-Arten werden derzeit nur zwei von den meisten Ichthyologen anerkannt, nämlich A. crassipinnis und A. ocellatus; eine dritte, A. zebra, unterscheidert sich allerdings so deutlich farblich von den anderen, dass an ihrer Gültigkeit kaum Zweifel bestehen. Jetzt wurde ein neuer Name aufgestellt: der Oscar aus dem Orinoko-Einzug und dem Golf von Paria im nördlichen Südamerika wurde als A. mikoljii wissenschaftlich beschrieben (Perez Lozano et al., 2022). Alle Bilder dieses Posts zeigen Astronotus mikoljii in verschiedenen Altersstadien und Standortvarianten.

Die Unterscheidung der Oscar-Arten ist ausgesprochen kniffelig und gelingt mit Sicherheit nur mit molekularbiologischen Methoden (DNS-Analyse). Allerdings ist die Jungfischfärbung von drei der nunmehr vier als gültig angesehenen Arten sehr verschieden. Den „gewöhnlichen“ Oscar, A. ocellatus, kennt man ja hinlänglich aus dem Zoofachhandel. A. crassipinnis-Jungtiere sind sehr auffällig gelb-schwarz-gefärbt („Bumble-Bee-Oskars“) und A. mikoljii ist sehr bunt – wir haben solche Orinoko-Wildfänge ja schon häufiger vorgestellt (https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/astronotus_ocellatus_wild_kolumbien_de/  https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/astronotus_ocellatus_wild_de/  https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/astronotus-ocellatus-kolumbien/) Leider wurde bisher noch kein Jungfischbild von A. zebra publiziert – zumindest kennen wir keines.

Neben A. mikoljii gibt es – molekularen Daten zufolge – noch mindestens weitere drei Arten von Oskars in Südamerika, die in der Arbeit von Perez Lozano et al. als Astronotus sp. „East“, A. sp. „Negro“ und A. sp. „Jurua“ bezeichnet werden. Bei ihnen muss freilich genau geprüft werden, ob sie nicht bereits früher beschrieben wurden und zu unrecht als Synonym geführt werden. Einfach ist die Sache aber nicht, denn Oscars wurden und werden innerhalb Südamerikas auch immer wieder als Speisefische in Gebiete gebracht, in denen sie ursprünglich gar nicht heimisch waren. Zudem kann es dadurch zu Hybriden gekommen sein, die sich auch molekularbiologisch nur schwer darstellen lassen.

Benannt wurde A. mikoljii nach Ivan Mikolji, einem begeisterten Künstler, Naturliebhaber und Erforscher Venezuelas und Kolumbiens, der auch als Zierfischexporteur tätig ist. Mikoljis Oscar wird, wie alle Astronotus-Arten, gewöhnlich 25-30 cm lang und unterscheidet sich auch bezüglich Pflege und Zucht nicht von den anderen Arten.

Für unsere Kunden: A. mikoljii hat Code 632351 (3-5 cm) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern

Literatur: Perez Lozano A, Lasso-Alcalá OM, Bittencourt PS, Taphorn DC, Perez N, Farias IP (2022): A new species of Astronotus (Teleostei, Cichlidae) from the Orinoco River and Gulf of Paria basins, northern South America. ZooKeys 1113: 111–152. https://doi.org/10.3897/zookeys.1113.81240 

Text & Photos: Frank Schäfer

Serrasalmus gibbus

24. Januar 2025

Die Piranha-Art  Serrasalmus gibbus kommt aus dem Einzug des Rio Tocantins, beschrieben wurde sie aus dem Rio Araguaia. Die Tiere, die wir aktuell im Stock haben, wurden mit der Fundortangabe Guama geliefert. Der Rio Guama ist ein 160 km langer Nebenfluss des Tocantins im Bundesstaat Pará, Brasilien. 

Die Art ist ziemlich gestreckt und hat, wie S. rhombeus, dem sie äußerst ähnlich sieht, einen schwarzen Schwanzflossensaum. Ein Humeralfleck fehlt bei jüngeren Tieren, wird aber mit zunehmendem Alter immer deutlicher und ist bei erwachsenen Exemplaren (ab ca. 15 cm Länge) sehr groß und prominent. Die Hauptunterschiede zu S. rhombeus sind der eher kleine und runde Humeralfleck bei S. rhombeus (groß und hochoval bei S. gibbus) und das kristallrote Auge von S. rhombeus (schmutzig-dunkelrot bei S. gibbus). Artcharakteristisch ist die reduzierte Punktzeichnung erwachsener Tiere, der Rücken erscheint (das hängt allerdings auch vom Lichteinfall ab) grünlich. Artcharakteristisch ist zudem die Körperform von S. gibbus. Bei erwachsenen Tieren ist die größte Höhe des Körpers am Ende des Hinterhauptes, danach sinkt sie Rückenlinie kontinuierlich ab. Der Artname „gibbus“ (= bucklig) ist treffend gewählt. 

Im Handel wird S. gibbus oft als „Peruanischer Piranha“ bezeichnet, was sehr irreführend ist, da die Art in Peru gar nicht vorkommt, sondern im Tocantins-Einzug endemisch ist. Mit 20-25 cm Länge ist S. gibbus ausgewachsen. Es handelt sich, wie bei Serrasalmus üblich, um einen Flossenbeißer, der gewöhnlich einzeln gepflegt werden muss. Man sollte sich nicht dadurch in die Irre führen lassen, dass wir aus dramaturgischen Gründen gerne zwei Tiere in dem Fotobecken haben. Das geschieht immer nur sehr kurzzeitig und unter ständiger Aufsicht.

Für unsere Kunden: dieser sehr selten angebotene Piranha hat Code 292003 (7-9 cm) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Xiphophorus maculatus Platy Sunset Comet

24. Januar 2025

Die Zuchtformen von Xiphophorus-Arten – es sind fast ausschließlich die Arten X. hellerii, X. variatus und X. maculatus beteiligt – sind eine niemals endende Geschichte. Was verwirrt, sind die sehr uneinheitlichen Bezeichnungen. 

Bei X. maculatus hat es sich eigentlich bewährt, die Schwanzwurzel- und Schwanzflossenzeichnung in den Namen mit aufzunehmen, wenn sie denn vorhanden ist. Nicht besonders namentlich berücksichtigt sind Schwanzflossen in Körperfarbe oder wenn die Schwanzwurzelzeichnung fehlt. Ein roter Platy mit roter Schwanzflosse ist also einfach nur ein Roter Platy. Hat er einen dunklen Fleck mit zwei kleineren Satelittenflecken auf der Schwanzwurzel, dann ist es ein Micky-Maus oder Mond-Platy. Hat er schwarze Striche oben und unten in der Schwanzflosse, dann ist es ein Kometplaty. Hat er eine schwarze Schwanzflosse, so ist es ein Wagtail-Platy. Hat er eine vergrößerte Rückenflosse, so ist es ein Simpson-Platy, sind die mittleren Schwanzflossenstrahlen verlängert, so ist es ein Spitzschwanz. Und schließlich: es gibt besonders gedrungene, hochrückige Platys, die man „Coral“ nennt. Diese ganzen Bezeichnungen lassen sich beliebig kombinieren. Allerdings kommen dabei wahre Wortmonster heraus, wie etwa „Roter Wagtail Micky Maus Spitzschwanz“. Das will nun auch niemand und so erfinden die Züchter für ungewöhnliche Kombinationen gerne griffige neue Namen, um sie besser vermarkten zu können. Dagegen ist im Prinzip nichts zu sagen, außer: man verliert dadurch leicht den Überblick.

Ein seit Jahrzehnten bekannter und bei X. maculatus und X. hellerii beliebter Farbfaktor ist das „Caudalrot“. Grundsätzlich kann diese Färbung, bei der der Schwanzstiel rot gegen die restliche Körperfärbung abgesetzt ist, auf mehreren Körperfarben gezüchtet werden, aber am beliebtesten ist die Kombi mit gelbem Körper. Durch Zuchtwahl lässt sich das Caudalrot bis auf die Körpermitte ausdehnen. Dann ist der Fisch also vorn gelb und hinten rot – très chic! Diese Tiere werden traditionell als Marygold bezeichnet. Kommt jetzt aber noch etwas hinzu, z.B. eine Komet- oder Wagtail-Zeichnung, wird aus Marygold Sunset (also Sonnenaufgang). Warum? Das weiß niemand. Gerade werden sehr schöne Marygold/Sunset-Platys mit Komet-Zeichnung (englische Schreibweise: Comet) angeboten. Eine gute Gelegenheit, in die Platyzucht einzusteigen! Große Aquarien, Temperaturen dauerhaft nicht über 24°C, fleißiger Wasserwechsel und abwechslungsreiche Fütterung: wer sich an diese Grundregeln hält, wird viel Freude an den stets munteren Platys haben.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 443423 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Apistogramma salpinction

17. Januar 2025

Wer sich in den 1980er Jahren mit den Zwergbuntbarschen der Gattung Apistogramma beschäftigte, musste noch keine 10 Arten kennen. Heute (2025) ist diese Gattung mit 94 akzeptierten Arten plus zahlreicher, wissenschaftlich noch nicht erfasster Spezies, die artenreichste Buntbarschgattung überhaupt. Die Mehrzahl der neu entdeckten Arten geht auf die Aquaristik zurück. Durch das verstärkte Interesse der Aquarianer in den 1990er Jahren entstand für die Fänger und Exporteure ein Anreiz, auch außerhalb der ausgetretenen Pfade noch interessanten Fischen zu suchen. Manchmal war und ist es aber auch umgekehrt. Das heißt: auf wissenschaftlichen Expeditionen wurden Apistogramma gesammelt und konserviert und später im Museum als neue Arten identifiziert und beschrieben. In diesen Fällen ist das Aussehen der lebenden Tiere häufig gar nicht oder nur unzureichend bekannt. Dann brechen Aquarianer mit Forscherdrang in die Regionen auf, auf denen die Beschreibung erfolgte, um diese Wissenslücke zu schließen.

So geschah es auch mit der bereits 2005 von Kullander & Ferreira aus dem Gebiet des Rio Trombetas, Bundesstaat Pará, Brasilien beschriebenen Art Apistogramma salpinction. Die konservierten Tiere sehen denkbar unspektakulär aus. Die deutlichen Unterbauchstreifen und der etwas bullige Körperbau erinnern an A. cacatuoides. Aber die innerhalb der Gattung Apistogramma einzigartige Zeichnung auf dem Schwanzstiel ist ein gutes diagnostisches Merkmal. Der Typusfundort dieses Apistogramma ist ein großer Sumpf mit schlammigem Boden und sehr seichtem Wasser, das zum Zeitpunkt der Aufsammlung oft nur knapp 5 cm tief war. Sicher gibt es in der Region auch Hochwasserphasen, in denen das Wasser tiefer ist; aber eine Fließwasserform ist A. salpinction offenbar nicht.

Das erklärt wohl auch, warum dieser Fisch bislang der Aufmerksamkeit der Zierfischfänger entging. Denn in solchen Biotopen fischt niemand gerne und außer Schwielenwelsen und anderen Schmuddelkindern gibt es dort gewöhnlich auch keine attraktiven Zierfische. Einem deutschen Aquarianer ließ das keine Ruhe; tatsächlich konnten einige Exemplare aufgespürt und gesund nach Deutschland gebracht werden. Davon ging ein Pärchen an einen unserer Züchter, wo sie sich als problemlos in Haltung und auch Zucht erwiesen (pH um 6, 26°C). Wir können jetzt die allerersten Nachzuchten der Neuheit anbieten.

Zugegeben: farblich ist A. salpinction kein Brüller. Wir nehmen an, dass erwachsene Männchen noch deutlich intensivere Orangetöne im Kehl- und Bauchbereich entwickeln werden. In der wissenschaftlichen Erstbeschreibung wird gesagt, dass erwachsene Männchen wie A. cacatuoides ausgezogene Rückenflossenhäute und deutlich gezipfelte Schwanzflossen entwickeln. Das ist selbst bei den größten Männchen, die wir gerade anbieten können (ca. 2 cm ohne Schwanzflosse) bislang nur andeutungsweise zu erkennen. Interessant ist hingegen die waagerechte Streifung in der Schwanzflosse der größten Männchen und natürlich der ungewöhnliche Schwanzwurzelfleck mit hellem Zentrum.

Alles in allem: schön, dass wieder ein weißer Fleck auf der Landkarte des Wissens um Apistogramma mit Farbe gefüllt werden kann!

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 628352 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Astronotus rubroocellatus Rio Negro

17. Januar 2025

Die wissenschaftliche Beurteilung der verschiedenen Arten innerhalb der Gattung Astronotus ist sehr unterschiedlich, die meisten Wissenschaftler akzeptieren nur drei Arten, nämlich A. crassipinnis, A. ocellatus und den erst 2022 beschriebenen A. mikoljii. Andere glauben, dass es sehr viel mehr Arten gibt und die Gattung dringend einer wissenschaftlichen Revision unterzogen werden müsste. Wissenschaftlich gültig beschrieben, aber „offiziell“ in der Synonymie befinden sich die Arten compressus (Peru, Syn. zu ocellatus), hyposticta (Peru, Syn. zu ocellatus), orbiculatus (Santarém, Brasilien, Syn. zu A. ocellatus), rubroocellata (Rio Negro, Brasilien, Syn. zu A. ocellatus) und zebra (Santarém, Brasilien, Syn. zu A. ocellatus).

Wir haben jetzt deutsche Nachzuchten von schönen Oskars aus dem Rio Negro erhalten. Die Bilder der Elterntiere zeigen deutlich, dass es sich dabei um den aus eben diesem Fluss bereits 1843 beschriebenen rubroocellatus handelt. Ungeklärt ist jedoch nach wie vor, wie konstant die Merkmale dieser Erscheinungsform (der Fachbegriff lautet: des Phänotyps) des Oskars ist. Gibt es im Rio Negro wirklich nur solche Tiere? Niemand kann das derzeit beantworten. Erschwerend kommt bei der Oskar-Forschung noch hinzu, dass diese begehrten Speisefische immer wieder an Orten ausgesetzt wurden, wo sie ursprünglich gar nicht vorkamen. Dabei achtete man nie darauf, auch die geografisch richtige Population zu nehmen, sondern nahm, was man bekommen konnte. So bildet die heutige Situation im Rio Negro keineswegs sicher auch die natürliche Artenzusammensetzung in diesem Fluss ab.

Jedenfalls sind die Rio-Negro-Oskars wunderschöne Fische. Sie werden sicherlich niemals die zahlreichen Zuchtformen des Oskars aus dem Sortiment verdrängen können, sind aber eine echte Bereicherung des Angebotes für Freunde von Naturformen.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 633302 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text: Frank Schäfer, Photos:  Thomas Weidner & Frank Schäfer

Hyalobagrus flavus

17. Januar 2025

Bereits 1903 beschrieb Georg Duncker vom Hamburger Museum einen kleinen Wels von der malaiischen Halbinsel als Pseudobagrus ornatus. Dies geschah in der gleichen berühmten Arbeit, in der u.a. auch die Keilfleckbarbe (Trigonostigma heteromorpha) und der Zwergbärbling (Boraras maculatus) beschrieben wurden. Im Gegensatz zu den beiden Bärblingen, die bis heute zu den beliebtesten Zierfischen Südostasiens gehören, erlangte der bis ca. 4 cm lange Wels jedoch keine aquaristische Bedeutung. Das ist schade, denn Hyalobagrus – in diese Gattung werden die Zwergwelse heute gestellt – stellen entzückende und friedliche Aquarienfische dar, die am liebsten im Trupp ihresgleichen schwimmen und keine Bodenfische im eigentlichen Wortsinn sind, sondern lieber frei im Wasser unterwegs sind.

Drei Arten werden gegenwärtig anerkannt, die sich allerdings nur unwesentlich in Details der Färbung unterscheiden. Wir haben aktuell H. flavus von Sumatra (Jambi) importieren können; diese Art kommt zusätzlich auf Borneo im Süden der Insel vor.

Hyalobagrus sind ideale Gesellschaftsfische für Schwarzwasserbecken mit kleinen Barben, Labyrinthfischen und Dornaugen. Sie sollten auch relativ leicht im Aquarium zu züchten sein. Bei laichreifen Weibchen erkennt man leicht die Eier im Bauch, die übrigens leicht grünlich sind. Man sollte beim Fangen vorsichtig sein, denn Hyalobagrus haben stark bedornte Brustflossenstacheln, mit denen sie sich sehr leicht im Netz verheddern können.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 421692 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Myloplus sauron (früher Myleus schomburgkii)

17. Januar 2025

Die Überschrift zu diesem Post ist vielleicht etwas irreführend; sie soll ausdrücken, dass die Art, die kürzlich als Myloplus sauron wissenschaftlich beschrieben wurde, im Hobby seit rund 100 Jahren als Myleus schomburgkii bekannt war. M. schomburgkii gibt es aber weiterhin. Bereits im Jahr 2004 wurde die Gattung Myloplus von Myleus abgegrenzt und M. schomburgkii zu Myloplus gestellt. Bis Juni 2024 wurden alle Myloplus mit einem schwarzen senkrechten Band auf der Flanke zu M. schomburgkii gerechnet.

Eine aktuelle Revision der Gruppe ergab, dass es nicht eine, sondern drei Arten sind, die einen senkrechten schwarzen Balken auf der Körperflanke tragen. Aquaristisch kennt man schon lange „Breitbinden“ und Tiere mit schmalen Binden. Letztere sind im Hobby am verbreitetsten, nicht zuletzt, weil sie in SO-Asien für den Zierfischmarkt nachgezüchtet werden. Die Art mit schmaler Körperbinde wurde jetzt neu als Myloplus sauron benannt und beschrieben. Ursprünglich kommt sie aus dem Rio Xingu in Brasilien.

Breitbindige Myloplus gibt es weit verbreitet in Brasilien und Venezuela in den mittleren und unteren Bereichen der großen Fluss-Systeme von Amazonas und Orinoko. Dabei handelt es sich um den „echten“ Myloplus schomburgkii. Es gibt aber noch einen zweiten breitbindigen Myloplus, der  im westlichen Amazonasbecken von Peru und Brasilien, also den oberen Bereichen vorkommt. Diese neue Art heißt jetzt M. aylan. Die Unterscheidung von M. schomburgkii und M. aylan ist nicht ganz einfach, speziell Interessierte seien auf die kostenlos und frei zugängliche wissenschaftliche Originalbeschreibung verwiesen: https://www.scielo.br/j/ni/a/fFG9HTqKTjCs4Z4W3MxwSLJ/?format=pdf&lang=en

Auf jeden Fall ist der „echte“ M. schomburgkii die farbenprächtigste der drei Arten. M. aylan ist dezenter gefärbt. Während sich bei M. schomburgkii die rote Färbung beim Männchen flächig über den gesamten Körper ausdehnen kann, beschränkt sie sich bei männlichen M. aylan im Wesentlichen auf den Kehlbereich. M. sauron zeigt am wenigsten Farbe. Bei ihm sind die Partien um Kiemendeckel und vordere Brust lediglich gelb-orange, manchmal rötlich (vor allem bei jungen Exemplaren). Jung geschlechtsreife Wildfang-Männchen entwickelten bei einer Größe von 12-15 cm schwarz gefärbte Zonen im Bauchbereich.

Übrigens: die drei zeigen so gravierende Unterschiede in der DNS-Struktur, dass es ziemlich wahrscheinlich ist, dass sie in der Zukunft in unterschiedliche Gattungen kommen. Und von M. schomburgkii (dem „echten“) gibt es etliche farblich deutlich unterschiedene Farbformen. Es ist ziemlich wahrscheinlich, dass einige davon in Zukunft als separate Arten abgegrenzt werden.

Fotos von M. aylan finden Sie bei uns hier: https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/myloplus-schomburgkii-big-black-stripe/

Fotos von M. schomburgkii finden Sie bei uns hier: https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/myleus_schomburgkii_de/

Den „neuen“ Myloplus sauron können wir sehr regelmäßig anbieten, die anderen Arten sind nur sehr gelegentlich im Angebot. Alle Myloplus können ziemlich groß werden, ca. 30-40 cm. Sie sind prachtvolle Tiere, jedoch nur für Besitzer wirklich großer Aquarien geeignet. Dort sind sie sehr langlebig. Ein Nachteil dieser Fische ist, dass sie so ziemlich jede Wasserpflanze als Zusatznahrung ansehen.

Für unsere Kunden: M. sauron hat Code 270501 (3-4 cm) und 270505 (8-11 cm) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Marisa cornuarietis

17. Januar 2025

Zu den größten im Aquarium gepflegten Süßwasserschnecken gehört die ursprünglich aus Kolumbien stammende Marisa cornuarietis. Ihr scheibenförmiges Gehäuse kann über 5 cm Durchmesser erreichen. Darum ist die Art seit den 1930er Jahren kontinuierlich in der Aquaristik vertreten, obwohl sie sich nur für Spezialaquarien ohne Pflanzen eignet. Früher oder später fällt ihr nämlich jedes Wassergewächs zum Opfer. Wegen ihrer langen Fühler sollte man Marisa nicht mit neugierigen Fischen pflegen, denn diese sind allzu leicht verführt, an den Fühlern herumzuknabbern. Das quittiert Marisa früher oder später damit, dass sie kaum noch aus dem Haus kommt und langsam verhungert.

Marisa cornuarietis wurde früher oft unter dem Namen Marisa rotula angeboten; aktuell gilt dieser Name aber nur noch als Synonym zu M. cornuarietis. Nur eine zweite, äußerlich sehr ähnliche Art ist gegenwärtig in der Gattung Marisa anerkannt: M. planogyra aus dem Pantanal. Sie bleibt etwas kleiner als M. cornuarietis. Unseres Wissens wurde sie noch nicht (erkannt) im Aquarium gepflegt.

Systematisch gehört Marisa zu den Apfelschnecken. Tatsächlich haben frisch geschlüpfte Jungtiere auch noch nicht das typisch scheibenförmige Marisa-Gehäuse, sondern sehen „normalen“ Apfelschnecken sehr ähnlich. Das gibt sich aber mit dem Heranwachsen. Im Gegensatz zu Echten Apfelschnecken der Gattung Pomacea legen Marisa ihre Eier unter Wasser ab. Pomacea laichen bekanntlich außerhalb des Wassers. Aber genau wie Pomacea muss Marisa regelmäßig an der Wasseroberfläche mit einem „Schnorchel“ Luft holen, sonst ertrinkt sie.

Weil Marisa auch kleine Schnecken frisst und so tüchtig unter Wasserpflanzen aufräumt, wurde sie bis zur Jahrtausendwende oft als biologischer Nutzorganismus in vielen Teilen der Welt ausgesetzt. Es hat sich aber gezeigt, dass in allen diesen Fällen die unerwünschten Nebenwirkungen den erhofften Erfolg überwogen. So gilt die Art nun als invasiv und unerwünscht. In Europa gibt es zwei Vorkommen: eines in Spanien und eines in einem Thermalbach in Ungarn. In beiden Fällen haben verantwortungslose Menschen diese Tiere ausgesetzt. Das hat die zuständigen Behörden auf die Schnecken aufmerksam gemacht. Berechnungen von Klimamodellen zeigen, dass diese Tropenkinder um das Jahr 2070 theoretisch in vielen Teilen Europas überleben könnten. Um dem vorzubeugen überlegt man, Pflege und Zucht von Marisa cornuarietis europaweit zu verbieten. Daran sieht man wieder einmal, was einige wenige fehlgeleitete Menschen für einen Ärger verursachen können, unter dem dann eine große Mehrheit verantwortungsbewusster Zeitgenossen zu leiden hat. Also: setzen Sie bite niemals irgendwelche Tiere oder Pflanzen in den Natur aus. Das ist nicht nur verboten, sondern auch zum Schaden aller.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 485313 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Syncrossus helodes (früher: Botia helodes)

10. Januar 2025

Die Tigerschmerlen (Syncrossus) wurden früher der Gattung Botia zugeordnet. Es gibt derzeit 6 anerkannte Arten dieser durch ihre besondere Spitzköpfigkeit ausgezeichneten Prachtschmerlen, jedoch ist die Bestimmung oft unsicher und mit Fragezeichen versehen, denn die Artunterscheidungen beruhen meist ausschließlich auf Farbmerkmalen. Diese Farbmerkmale sind aber leider nicht immer konstant und verändern sich sowohl in Abhängigkeit von der Stimmung wie auch im Zuge des individuellen Wachstums.

Wir können derzeit sehr schöne Syncrossus aus Thailand anbieten, bei denen es sich höchstwahrscheinlich um S. helodes handelt. Die sehr nahe verwandte und fast identisch gezeichnete Art S. berdmorei hat gepunktete Flossen (gestreift bei B. helodes), die Arten S. lucasbahi, S. beauforti (und S. formosa, die meist als Synonym zu S. lucasbahi gesehen wird) haben statt der senkrechten Streifen viele Punkte am Körper. Sehr ähnlich zu S. helodes ist auch S. hymenophysa, bei der jedoch die Streifung anders verläuft (siehe https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/syncrossus-hymenophysa-botia-h/). Wegen zahlreicher Verwechslungen in der wissenschaftlichen und der Hobbyliteratur ist die Verbreitung der Arten nicht ganz klar, S. hymenophysa besiedelt wohl Indonesien und die malaiische Halbinsel, S. berdmorei Teile Indiens und Burmas, die übrigen Arten sind auf dem südostasiatischen Festland (Thailand, Vietnam, Kambodscha, Laos, südliches China) weit verbreitet.

Letztendlich ist es aber nicht sehr wichtig, welche der Arten man erwirbt, denn bezüglich der Pflegeansprüche unterscheiden sie sich nicht. Nur bei eventuellen Zuchtversuchen (die bisher in Privathand offenbar noch nicht vorgenommen wurden, in Indonesien werden solche Tiere aber durchaus gezüchtet, siehe: https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/neue-tigerschmerlen-aus-indonesien/) muss man aufpassen, dass man nur Exemplare der gleichen Art/Population verwendet. Alle Tigerschmerlen werden relativ groß, mit 15 cm muss man rechnen, manche Literaturangaben sprechen sogar von 20-25 cm. Gesehen haben wir solche Riesen allerdings noch nie. Untereinander und gegen artfremde Fische können alle Tigerschmerlen garstig sein. Das hängt mit ihrem für Fische ungewöhnlich großen Spieldrang und ihrer aufdringlichen Neugierde zusammen. Es sind wohl – für Fischverhältnisse! – ziemlich intelligente Tiere. Am besten begegnet man den unerwünschten Eigenschaften der Tigerschmerlen durch die Pflege in einer möglichst großen sozialen Gruppe (8-15 Exemplare) in sehr stark strukturierten Aquarien. Als artfremde Beifische eignen sich nur robuste, störungsunempfindliche Arten. Die chemische Wasserzusammensetzung ist für die Pflege egal, die Temperatur kann sich im Bereich von 22-28°C bewegen, zeitweise können es auch einige Grad mehr oder weniger sein. Gefressen wird jegliches handelsübliche Zierfischfutter, pflanzliche Nahrung spielt nur eine sehr untergeordnete Rolle bei diesen Fischen.

Für unsere Kunden: B. helodes hat Code 400602 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Steatocranus casuarius

10. Januar 2025

Die Buckelkopfcichliden (Steatocranus) gehören zu den interessantesten Buntbarschen Afrikas. In Anpassung an ihre Lebensweise in der Natur – sie besiedeln Geröllboden im Bereich von Stromschnellen – haben sie ihre Schwimmblase reduziert und können nicht frei im Wasser schweben, ohne mit den Flossen Schwimmbewegungen auszuführen.

Es gibt acht Arten der Gattung, die sich teilweise recht ähnlich sehen. Am häufigsten werden S. casuarius und S. gibbiceps miteinander verwechselt, da bei aus der gleichen Region im Kongo stammen und daher gemischt exportiert werden. Um sie zu unterscheiden, schaut man auf das Zentrum der Schuppen. Ist es hell, so handelt es sich um S. gibbiceps, ist es dunkel, so handelt es sich um S. casuarius. Zu S. gibbiceps siehe hier: https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/steatocranus-gibbiceps/

Buckelkopfcichliden sollten paarweise gepflegt werden. Sie sind verhältnismäßig friedlich, auch wenn der unmittelbare Bereich der Bruthöhle heftig verteidigt wird. Weibchen bleiben kleiner und haben einen kleineren Stirnbuckel. Es sind Höhlenbrüter mit Elternfamilie, d.h. Männchen und Weibchen kümmern sich gemeinsam um den Nachwuchs. Auch wenn sie in der Natur sehr sauerstoffreiches Wasser bewohnen, stellt die Anpassung an das Aquarienleben für sie kein Problem dar. Das Wasser im Kongo ist weich, aber nicht übermäßig sauer, so dass auch die Ansprüche an die Wasserzusammensetzung leicht zu erfüllen sind. Gefressen wird jegliches übliche Fischfutter, aber es darf nicht allzu fetthaltig sein (keine Tubifex und ähnliches), denn das führt zu Darmerkrankungen, die tödlich sein können. Pflanzen werden nicht beschädigt, gelegentlich jedoch ausgebuddelt oder weggebissen, wenn die Tiere in Brutstimmung kommen.  

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 575003 (wild, 4-6 cm) und 575012 (Nachzucht, 3-4 cm) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Steatocranus casuarius Gold

10. Januar 2025

Gelb- oder Goldfärbung ist bei Fischen allgemein weit verbreitet und tritt, obwohl die von der entsprechenden Mutation betroffenen Tiere doch sehr auffällig sind und entsprechend leicht von Fressfeinden erbeutet werden können, treten sie auch in der Natur immer wieder einmal auf. Der Goldfisch ist ein solcher Xanthorist (Xanthorismus ist der Fachausdruck für diese Mutation). Bei den Buntbarschen findet man Xanthoristen häufig im Malawisee (so genannte O-Morphen) und in den großen Seen Mittelamerikas (z.B. die Midas-Cichliden). Vom Indischen Buntbarsch (Pseudetroplus maculatus) und vom Augenfleckbuntbarsch (Heros serverus) gibt es schon lange goldene Zuchtformen. Doch vom Buckelkopfcichliden (Steatocranus casuarius) waren uns zumindest Xanthoristen bislang unbekannt.

Wir haben einige wenige ausgewachsene Exemplare dieser Farbvariante erhalten, die allerdings sofort an einen Züchter weitergehen, der sie für uns vermehren will; es handelt sich bei den Tieren bereits um Nachzuchtexemplare. Wir können zum jetzigen Zeitpunkt noch keine goldenen Buckelkopfcichliden liefern, finden die Fische so interessant, dass wir Ihnen ein paar Bilder aber schon jetzt präsentieren wollen.

Mehr Informationen über den Buckelkopfcichliden finden Sie hier: 

Text & Photos: Frank Schäfer

Agamyxis pectinifrons

10. Januar 2025

Wer einen langlebigen, extrem robusten, hübschen und friedlichen Fisch sucht, ist bei Agamyxis an der richtigen Adresse. Die quasi unkaputtbaren Dornwelse werden zwar mit bis zu 15 cm Gesamtlänge verhältnismäßig groß, sind aber absolut friedlich und wegen ihres gepflegten Phlegmas so wenig bewegungsbedürftig, dass sie auch in „normalgroßen“ Aquarien ein Leben lang – und das kann leicht 20 Jahre und mehr betragen – glücklich leben können.

Es gibt zwei Arten in dieser Gattung, die sich nach äußerlichen Merkmalen angeblich nicht unterscheiden lassen: A. albomaculatus und A. pectinifrons. Beide Arten sehen sich tatsächlich sehr ähnlich. Das unterscheidende wissenschaftlich akzeptierte Merkmal ist die Anzahl der Schwimmblasenanhänge. Um die sehen zu können, muss man den Fisch sezieren. Allerdings hat ein (Syn-)Typusexemplar (ZMB 10043)  von A. albomaculatus eine weiße Unterseite, während der (Syn-)Typ von A. pectinifrons (ANSP 8346) die typische schwarze, weiß gefleckte Unterseite aufweist. Die Exemplare im Handel sind meist Nachzuchten und werden als A. pectinifrons bezeichnet, was auch zu der Bauchfärbung passt.

In der Natur ist A. pectinifrons weit verbreitet, man kennt die Art aus Bolivien, Brasilien, Ecuador, Kolumbien und Peru, also praktisch dem gesamten Amazonas-Einzug, während A. albomaculatus als Bewohner des Orinoko (Kolumbien und Venezuela) gilt. Geschlechtsunterschiede sind bei Agamyxis nur schwach ausgeprägt, die Männchen sind kleiner und schlanker. Brutpflege üben die Tiere wohl nicht aus, sondern der Laich wird frei in Wurzeln und Pflanzen verstreut.

Bei den schwarzen, weiß gepunkteten Harnischwelsen haben wir nach dem Sinn der Färbung gefragt; bei den Dornwelsen gibt es zumindest eine Idee dazu: es wurde beobachtet, dass ein enger Verwandter von A. pectinifrons, der weiß gestreifte Platydoras armatulus (siehe https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/platydoras-armatulus/) sich als Putzerfisch bei großen Raubsalmlern (Hoplias) betätigte. Man nimmt an, dass auch die anderen auffällig schwarz-weißen Dornwelse (es gibt davon einige, aber nur Agamyxis ist gepunktet) so etwas tun.

Für unsere Kunden: Agamyxis haben Code 202811 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Neovespicula depressifrons

10. Januar 2025

Die Ordnung der Drachenkopffische ist berühmt und berüchtigt. Ohne Drachenköpfe ist z.B. eine Bouillabaisse nicht denkbar, ohne Feuerfische würden Schau-Aquarien und Meerwasser-Liebhaber auf echte Attraktionen verzichten müssen, aber Drachenkopffische haben Giftstacheln und bei manchen von ihnen, den Steinfischen, können Stiche sogar tödlich sein. Ins Süßwasser gehen Drachenkopffische gewöhnlich nicht, nur eine australische Art der Familie Tetrarogidae ist zum reinen Süßwasserfisch geworden.

Zu dieser Familie – Tetrarogidae – gehört auch Neovespicula depressifrons, eine Art, die weit im indo-pazifischen Raum verbreitet ist. Sie erreicht eine Länge um 10 cm und lebt gewöhnlich im Meer. Aber die 2-3 cm langen Jungtiere werden oft in großer Zahl im Süßwasser gefunden und gelangen so in den Zierfischhandel. Es sind interessante und leicht zu pflegende Tiere, die jedoch auf Dauer nicht in Süßwassser gepflegt werden können, sondern Brack- oder Seewasser benötigen. Es sind friedliche Tiere, die allerdings kleine Fische fressen. Zur Eingewöhnung reicht man Lebendfutter aller Art, später fressen die Tiere auch Frostfutter. Wenn man die Fische fangen muss, muss man gut aufpassen, dass man sich nicht sticht. Der Stich ist gewöhnlich nicht gefährlich (außer bei Allergien), aber sehr schmerzhaft.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 474001 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Ancistrus sp. L519 Bolivien

3. Januar 2025

Auf der privaten Fischexpedition „SiluCha 2018“ wurde dieser ideal für die Aquaristik geeignete Ancistrus im Einzug des Rio Iténez entdeckt. Es gelang, einige Exemplare mitzubringen und sie nachzuzüchten. Inzwischen die die sehr schön gezeichnete Art sogar schon im Handel angelangt, es handelt sich – weil es zur Zeit in Bolivien keine professionell arbeitenden Zierfischfänger gibt – ausnahmslos um Nachzuchten. Hierdurch zeigt sich sehr schön die innerartliche Variabilität, denn jedes Individuum hat eine eigene, unverwechselbare Zeichnung, so wie ein Fingerabdruck beim Menschen. Aber das charakteristische Wabenmuster ist immer erkennbar.

Ancistrus sp. L519 ist eine vergleichsweise kleinbleibende Art, die kaum größer als 10 cm wird (Totallänge, inklusive Schwanzflosse). Da es in ihrem Verbreitungsgebiet ganz schön kalt werden kann, ist sie auch gut an (zumindest zeitweise) niedrige Temperaturen um 20°C angepasst. Zur Zucht dürfen es aber gerne 26°C und etwas mehr sein. Dadurch eignet sich Ancistrus sp. L519 auch prima für ungeheizte Aquarien, sofern sie in beheizten Wohnräumen stehen. Für ständig hoch temperierte Diskusaquarien ist diese Art hingegen kaum geeignet. Ansonsten gilt alles, was für andere Antennenwelse auch gilt: es sind ausgezeichnete Algenvertilger, ziemlich friedlich (man balgt sich ein bisschen untereinander um den allerbesten Platz, aber das war es auch schon) und robust. Die Fische sind typische Höhlenbrüter mit Vaterfamilie.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 26480-L 519x-1 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Polypterus ornatipinnis

3. Januar 2025

Der farblich schönste Flösselhecht ist Polypterus ornatipinnis. Heimisch ist bis über 60 cm lang werdende Art im Kongo. Im Handel sind allerdings heutzutage fast ausschließlich Nachzuchten aus Indonesien. Ungeachtet der stattlichen Größe, die Polypterus ornatipinnis theoretisch erreichen kann, war diese Art die erste, die sich auch bei Hobbyzüchtern in „normal“ großen Aquarien (120 cm Kantenlänge) vermehren ließ. Der in Hamburg lebende Walter Armbrust „knackte“ diese Rätselnuss erfolgreich bereits 1966.

Der auf dunklem Grund kontrastreich gelb-weiß gesprenkelte Fisch kann kaum mit einer anderen Polypterus-Art verwechselt werden. Die Geschlechtsunterschiede, Pflege und Zucht sind wie bei allen Flössenhechten: Männchen entwickeln mit dem Erreichen der Geschlechtsreife eine erheblich größere Afterflosse als die Weibchen. Zur Stimulation des Ablaichens muss an eine Regenzeit imitieren, was durch häufige, sehr großzügige Wasserwechsel mit weichem und kühlem Wasser erfolgt, wobei der Leitwert deutlich absinken muss. Eine anschließende Temperaturerhöhung löst dann das Ablaichereignis aus. Dabei treibt das Männchen das Weibchen. Die Eier werden portionsweise in feine Pflanzen, Wurzeln etc. verstreut, eine Brutpflege üben diese Fische nicht aus.

Die Larven der Flösselhechte haben äußere Kiemen, ähnlich wie bei Molchen und Salamandern. Auch bei den von uns angebotenen Jungtieren sind diese Kiemenäste noch sichtbar. Dennoch atmen die Tierchen bereits über Lungen und holen in gewissen Abständen Luft an der Wasseroberfläche.

Flösselhechte sind obligatorische Fleischfresser; hierbei sind sie allerdings nicht wählerisch. Jungtieren kann man die gesamte Palette von Frost- und Lebendfuttermitteln anbieten, auch Granulate werden gerne angenommen. Erwachsene P. ornatipinnis brauchen kräftige Brocken, wie Regenwürmer, Muschel- und Fischfleisch, ganze Futterfische (am besten Frostfutter wie Stinte) usw. Untereinander und gegenüber Fischen, die als Futter nicht in Frage kommen, sind Flösselhechte gewöhnlich friedfertig. Individuelle Ausnahmen kann es aber geben. Pflanzen werden völlig ignoriert, es sei denn, sie sind den Tieren im Weg.

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Text & Photos: Frank Schäfer

Nomorhamphus liemi

19. Dezember 2024

Dieser wunderschön gefärbte Halbschnäbler stammt von der Insel Sulawesi ( = Celebes), wo er im Süden der Insel, im Hochland von Maros,  gefunden wird. Im Gegensatz zu der nah verwandten Gattung Dermogenys sind Ober- und Unterkiefer ungefähr gleich lang, daher auch der Gattungsname. Bei manchen Arten wird aber nach wie vor darüber gestritten, ob sie eher zu Dermogenys oder zu Nomorhamphus zu stellen sind.

Von Nomorhamphus liemi wurden zwei Unterarten beschrieben, N. liemi liemi mit schwarzen und N. liemi snijdersi mit schwarz-roten Flossen. Da Wildfänge alle Übergänge in den Flossenfarben aufweisen werden gegenwärtig wissenschaftlich keine Unterarten anerkannt. Importe wie der gegenwärtige, bei dem die Fische hohe Rotanteile aufweisen, werden im Hobby trotzdem als N. liemi snijdersi bezeichnet.

Interessant ist, dass Nomorhamphus-Männchen einen fleischigen Unterkieferhaken aufweisen können. Wozu dieser dient, ist unbekannt. Es fällt aber auf, dass der Haken bei gleichgroßen Männchen unterschiedlich stark entwickelt ist. Das legt den Verdacht nahe, dass der Unterkieferhaken etwas mit sozialen Stellung des jeweiligen Tieres zu tun hat, im sozialen Rang hoch stehende Männchen also einen kräftig entwickelten Haken haben. Sozial niedrig stehende haben einen schwach entwickelten Haken, der an die Verhältnisse bei den Weibchen erinnert. Solche Merkmale erleichtern den Weibchen die Auswahl des stärksten Männchens zur Paarung.

In der Natur werden Nomorhamphus vor allem in Bächen gefunden, sie schätzen auch im Aquarium starke Strömung. Die lebendgebärenden Fische werfen alle 4-6 Wochen Jungtiere, die bereits bis zu 2,5 cm lang sein können. Die Muttertiere stellen den Jungen extrem nach. Gute Zuchterfolge hat man nur, wenn sehr abwechslungsreich gefüttert wird, wobei kleine Insekten (Heimchen, Drosophila, Buffalo-Würmer) nicht fehlen dürfen. Die Wassertemperatur sollte eher niedrig liegen (20-24°C), der pH-Wert über 7. Die Männchen sind untereinander ziemlich unverträglich. Gegenüber anderen Fischarten sind Nomorhamphus aber friedlich, nur darf man das Schluckvermögen nicht unterschätzen. Kleine Fische werden gefressen!

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Lexikon: Nomorhamphus: altgriechisch, bedeutet in etwa „mit gesetzmäßigen Kiefern“; bezieht sich auf die im Unterschied zu anderen Halbschnabelhechten in etwa gleichlangen Ober- und Unterkiefer. liemi: Widmungsname; snijdersi: Widmungsname.

Text & Photos: Frank Schäfer

Hyphessobrycon saizi („Hyphessobrycon eos“) Kolumbianischer Goldtetra

19. Dezember 2024

Der häufigste „Goldtetra“ im Handel kommt aus Kolumbien und wird grundsätzlich unter falschem Namen gehandelt. Man findet ihn, landauf-landab, für wenig Geld unter dem Namen Hyphessobrycon eos (manchmal auch als Hemigrammus eos) im Handel. Die Art Hyphessobrycon eos gibt es tatsächlich, sie wird aber nicht im Aquarium gepflegt. H. eos Durbin, 1909, stammt aus Guyana und von dort erfolgen gegenwärtig keine nennenswerten Exporte; wir haben von H. eos noch nicht einmal Photos in unserem riesigen Bildarchiv. Schade, denn Jonathan Armbruster hat ein Bilder der Art in Flickr publiziert, das einen ganz hübschen Fisch zeigt (https://www.flickr.com/photos/jonarmbruster/15464514263/).

Wie dem auch sei, der aus Kolumbien (und manchmal auch aus Venezuela und Peru) importierte Goldtetra ist Hyphessobrycon saizi, wie Axel Zarske herausfand. Der Goldglanz entsteht durch die vermehrte Ausschüttung des Farbstoffes Guanin in der Haut, die durch die Infektion mit Wurmlarven hervorgerufen wird. Für die Würmer sind die Fische nur Zwischenwirte. Die Fische infizieren sich, indem sie infektiösen Vogelkot fressen. Geschieht das, so wandern die Wurmlarven in die Muskulatur der Fische ein, wo sie sich verkapseln. Im Grunde genommen ist das, auch wenn es eklig klingt, harmlos und die infizierten Fische leben – zumindest im Aquarium – genau so lange wie ihre nicht infizierten Artgenossen. Aber durch die auffällige Goldfärbung erregen sie die erhöhte Aufmerksamkeit von fischfressenden Vögeln – den Endwirten der Würmer. Wird ein Goldtetra von einem Vogel gefressen, schlüpfen in dessen Darm die verkapselten Wurmlarven, entwickeln sich weiter zum geschlechtsreifen Wurm. Jene produzieren große Mengen Eier, die mit dem Kot des Vogels ausgeschieden werden – und das Spiel beginnt von Neuem.

Das erklärt, warum Goldtetras im Handel immer Wildfänge sind. Nachzuchttiere von Goldsalmlern sind ausnahmslos normalfarben und an wildfarbenen Hyphessobrycon saizi besteht im Hobby kein Interesse; wir zeigen hier nur aus informellen Gründen auch Bilder der nicht-goldfarbenen Form. Mit einer Maximalgröße von etwa 2,5- 3 cm passt Hyphessobrycon saizi hervorragend in jedes gut gepflegte Gesellschaftsaquarium. Er ist ein typischer Begleitfisch des kolumbianischen Roten Neons und ist ein perfekter Kontrastfisch zu dieser Art. Besonders jüngere Exemplare des Kolumbianischen Goldtetra haben mehr oder weniger intensiv rote Schwanzflossen, was sehr hübsch aussieht. Leider verliert sich das mit dem Alter etwas. Hingegen bleibt der Goldglanz lebenslang erhalten.

Literatur:

Eigenmann, C. H. (1912): The freshwater fishes of British Guiana, including a study of the ecological grouping of species, and the relation of the fauna of the plateau to that of the lowlands. Memoirs of the Carnegie Museum v. 5 (no. 1): i-xxii + 1-578, Pls. 1-103.

Zarske, A. (2013): Hyphessobrycon saizi Géry, 1964 – der Kleine Silbersamler, seit Jahren inkognito. Aquaristik Fachmagazin 229 (Februar/März 2013): 42-46

Text & Photos: Frank Schäfer

Chilatherina alleni

18. Dezember 2024

Die Regenbogenfische der Gattung Chilatherina kommen ausschließlich auf Neu-Guinea vor. Die Gattung unterscheidet sich von der eng verwandten Gattung Melanotaenia hauptsächlich durch die Kieferstruktur. Bislang wurden 11 Arten Chilatherina zugeordnet. Zu den Besonderheiten mancher Arten dieser Gattung gehört es, dass sie sich im fortgeschrittenen Alter stark umfärben. Ansonsten gilt für die Pflege und Zucht von Chilatherina in der Regel alles, was für Melanotaenia auch gilt.

Gerald Allen, der sich sehr um die moderne Regenbogenfischsystematik verdient gemacht hat, schreibt in seiner 1981 erschienen Revision von Chilatherina: „Typischerweise bevorzugen diese Fische Bachabschnitte, die möglichst viel Sonnenlicht abbekommen. Das Substrat besteht im Allgemeinen aus Kies oder Sand, der häufig mit Blättern oder Baumstammabfällen übersät ist. Zu den Nahrungsmitteln gehören Fadenalgen, kleine Krebstiere, Landinsekten wie Ameisen und Käfer sowie verschiedene Larven von Wasserinsekten. Die Geschlechtsreife tritt bei den meisten Arten bei einer relativ geringen Größe ein, in der Regel etwa 35-40 mm SL bei den Weibchen und 45-55 mm SL bei den Männchen. Gravide Weibchen legen jeden Tag mehrere Eier ab, die mit einem fadenförmigen Faden an der Wasservegetation haften. Das Schlüpfen erfolgt nach etwa 15 Tagen bei 22°-24°C. Die Jungfische wachsen schnell und können bis zum Ende ihres ersten Jahres die Geschlechtsreife erlangen.“ Allen unterschied damals 6 Arten. Die ihm zu Ehren benannte Art Chilatherina alleni wurde 1997 von David S. Prize anhand von 13 Exemplaren von 44,1-82,6 mm Standardlänge (also ohne Schwanzflosse) beschrieben. Diese Tiere stammten aus einem Nebenfluss des Aiborei-Flusses im Siriwo-Einzugsgebiet, Irian Jaya. Der aktuell im Hobby vertretene Stamm geht wohl auf die Aufsammlung durch Johannes Graf und Begleitern aus dem Jahr 2008 aus dem Wapoga River zurück. Populär wird die Art darum auch als „Wapoga-Regenbogenfisch“ bezeichnet.

Glücklicherweise gehört Chilatherina alleni zu den relativ wenigen Arten von Regenbogenfischen, die bereits halbwüchsig sehr attraktiv aussehen. Die für diesen Post fotografierten Fische sind erst 4-5 cm lang. Mit zunehmendem Alter werden die Fische immer schöner. Die Maximallänge des friedlichen Tieres liegt bei etwa 9 cm.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 409912 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Literatur:

Allen, G. R. (1981): A revision of the rainbowfish genus Chilatherina (Melanotaeniidae). Records of the Western Australian Museum v. 9 (pt 3): 279-299

Text & Photos: Frank Schäfer

Mugilogobius rexi

18. Dezember 2024

Diese kleine Grundel ist anders als die meisten ihrer Verwandten ein Freiwasserbewohner. Die Maximallänge beträgt etwa 4-5 cm. Die territorialen Männchen werden schön gelb, man erkennt sie außerdem an den vergrößerten Flossen, die dunkle Bänder aufweisen. Die Weibchen sind schlicht gefärbt, ihre Flossen nicht vergrößert und durchsichtig.

Die Art kommt nur auf Sulawesi und dort nur in den Seen Towuti und Mahalona vor. Das Wasser ist dort warm (29°C und mehr), sehr sauber und leicht alkalisch (pH um 7,5). Der Leitwert beträgt etwa 225 µS/cm.

Die niedlichen Fische haben im Aquarium schon wiederholt abgelaicht. Das kreisrunde Gelege wird offen, bevorzugt an senkrechten Flächen abgesetzt. Über eine gelungene Zucht wurde bislang nicht berichtet.

Für unsere Kunden: die Fische haben Code 436812 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Lexikon: Mugilogobius: latein, bedeutet „Meeräschengrundel“. rexi: Widmungsname.

Text & Photos: Frank Schäfer

Uaru amphiacanthoides

18. Dezember 2024

Die Keilfleckbuntbarsche (Uaru) sind eine bezüglich der Artenzahl kleine Gattung von Buntbarschen mit nur zwei wissenschaftlich akzeptierten Arten: U. amphiacanthoides aus dem Amazonas-Einzug und oberen Orinoko (Brasilien und Kolumbien) und U. fernandezyepezi aus dem Rio Atabapo (Venezuela). Beide Arten erreichen 20-30 cm Gesamtlänge, sind also großwüchsige Cichliden. Es sind enge Verwandte der Diskusbuntbarsche (Symphysodon), mit denen sie auch einiges gemeinsam haben. So sind beide Gattungen außerhalb der Laichzeit gesellige Tiere, die gerne in Verbänden mit ihresgleichen schwimmen, beide bevorzugen höhere Wassertemperaturen (26-32°C), beide ernähren ihre Jungtiere anfangs mit Hautschleim. Im Gegensatz zu Diskus sind Uaru aber vorwiegend Vegetarier.

Im Hobby wird diskutiert, ob es eine oder zwei Arten von Keilfleckbuntbarschen unter dem Namen U. amphiacanthoides gibt. Normalerweise liegt bei U. amphiacanthoides der prominente große schwarze Keilfleck unterhalb des oberen Seitenlinienastes. Dies trifft für die gewöhnlich im Aquarium gepflegten Uaru zu; wir erhielten auch schon gelegentlich Wildfänge dieser Art aus dem Rio Negro in Brasilien, der Typuslokalität von U. amphiacanthoides, die ganz charakteristisch diesem Zeichnungstyp entsprachen. Vor vielen Jahren haben wir aber aus der Umgebung von Manacapuru, etwa 100 km oberhalb der Einmündung des Rio Negro in den Amazonas, ausgewachsene Uaru importieren können, bei denen das anders aussah. Vier der fünf Exemplare hatten einen deutlich größeren Keilfleck, der in den oberen Seitenlinienast hineinreichte. Das fünfte Exemplar sah dagegen ganz „normal“ aus. Die Form mit dem vergrößerten Keilfleck stellte Werner Schmettkamp erstmals 1980 als „Orangefarbenen Keilfleckbuntbarsch“ in der aquaristischen Literatur vor. Es ist bis heute ungeklärt und wird kontrovers diskutiert, ob dieser Orangefarbenen Keilfleckbuntbarsch von Manacapuru eine eigenständige Art oder eine Lokalvariante von U. amphiacanthoides darstellt. Leider haben wir von diesem extrem selten angebotenen Fisch nur ästhetisch wenig ansprechende Bilder.

Es gibt wohl nur wenige Fischarten, die im Laufe ihres Wachstums die Färbung derart auffällig verändern wie Uaru amphiacanthoides. Es gibt nicht nur eine, sondern mehrere sehr verschieden aussehende Färbungsphasen, was bereits beim Erstimport (1913) und der Erstnachzucht (1916) für gewaltige Verwirrung sorgte. Uneingeweihte Betrachter halten die unterschiedlichen Altersstufen aufgrund ihrer Färbung unzweifelhaft für unterschiedliche Arten, zumal sich die Körperform vom 2-3 cm lange Jungtier bis zum über 20 cm langen Erwachsenen ebenfalls erheblich verändert. Wir zeigen Ihnen darum in diesem Post einige der markantesten Färbungsphasen von U. amphiacanthoides. Bitte beachten Sie dabei, dass es selbstverständlich Übergangsphasen gibt.

Im Handel sind sowohl Wildfänge wie auch Nachzuchten. Während die vergleichsweise selten importierten Wildfänge fast immer aus ausgewachsenen bzw. geschlechtsreifen Tieren bestehen, die über 12 cm lang sind, ist es bei den Nachzuchten umgekehrt. Uaru amphiacanthoides sind in der Natur alles andere als selten und werden als vergleichsweise billige Speisefische überall in der Region gehandelt. Aber Zierfischfänger machen sich nur selten die Mühe, die anfangs etwas schreckhaften Tiere einzugewöhnen, zumal die Nachfrage nicht sehr groß ist. Begreiflicherweise sind große Wildfänge immer relativ teuer, da der Frachtanteil im Preis erheblich ist.

Männchen und Weibchen sind bei Uaru normalerweise nicht mit Sicherheit zu unterscheiden. Weibchen bleiben etwas kleiner, sind fülliger und haben kürzere Bauchflossen, aber im Einzelfall kann man sich auf diese generalisierten Unterschiede nicht verlassen. Am besten ist es stets, eine Gruppe von 6-8 Exemplaren (oder auch mehr, wenn der Platz es zulässt) anzuschaffen, aus der sich dann Paare finden können. Diese Fische sind Offenbrüter mit biparentaler Brutpflege. Wie schon eingangs erwähnt fressen die Jungtiere Hautpartikel der Eltern, aber sie sind auf diese Nahrung nicht angewiesen und auch mit den üblichen Futtermitteln aufzuziehen. Gegenüber artfremden Fischen sind Uaru gewöhnlich friedfertig. Wichtig ist es, ihren pflanzlichen Nahrungsbedarf zu decken. Eine Bepflanzung von Uaru-Aquarien gelingt aus einsichtigen Gründen gewöhnlich nicht.

Für unsere Kunden: die Nachzuchten 2-3 cm haben Code 688500, 4-6 cm haben Code 688502, die Wildfänge 12-15 cm Code 688516 und die Wildfänge 16-20 cm Code 688518 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Geophagus pyrocephalus ( = Tapajós Red Head)

11. Dezember 2024

Seit Ende der 1980er Jahre kennt man einen herrlich gefärbten Geophagus aus der engeren Verwandtschaft von G. altifrons und G. surinamensis, der sich von fast allen anderen Geophagus-Arten durch einen orangefarbenen oder roten Vorderkopf unterscheidet. Dieses Merkmal betrifft beide Geschlechter ab dem Eintritt der Geschlechtsreife, was bei etwa 8-10 cm Länge (ohne Schwanzflosse) der Fall ist. Aber auch davor lässt sich diese Geophagus-Art leicht anhand der schmalen senkrechten Binden identifizieren. Mit maximal 16 cm Länge gehört die Art zu den kleineren Vertretern der engeren Verwandtschaftsgruppe.

Einen wissenschaftlichen Namen erhielt dieser Fisch, der im Hobby stets mit dem Fundortzusatz „Tapajós“ bezeichnet wurde, allerdings mit wechselnden anderen Beinamen, wie Red Head, Orange Head, Rotkopf, Tapajós I (es gibt weitere Geophagus-Arten im Rio Tapajós), Red Cheek oder Red Face, erst 2022. Die wissenschaftliche Bezeichnung „pyrocephalus“ bedeutet übersetzt etwa „Feuerkopf“. Warum dieser auffällige Fisch, der im Biotop keineswegs selten ist, erst so spät „offiziell“ beschrieben wurde? Das liegt vor allem daran, dass es praktisch ausnahmslos Farbmerkmale sind, die G. pyrocephalus von anderen Arten der Gruppe unterscheiden und es sehr lange dauerte, bis Farbmerkmale als alleinige Artmerkmale in der Wissenschaft akzeptiert wurden. Zuvor wurden „handfeste“ anatomische Abgrenzungsmerkmale gefordert, die auch an altem, ausgebleichten Museumsmaterial erkennbar sind. Hier hat nun also ein Umdenken stattgefunden.

Es handelt sich bei G. pyrocephalus um einen larvophilen Maulbrüter. Das bedeutet, das Paar laicht zunächst nach Offenbrütermanier auf einem Stein oder dergleichen ab. Erst nach 2-3 Tagen (je nach Wassertemperatur), wenn die Larven schlupfreif sind, werden sie vorsichtig mit dem Maul aus den Eihüllen befreit und zur weiteren Brutpflege im Maul bebrütet. Beide Geschlechter beteiligen sich an der Brutpflege ( = Elternfamilie). Äußerlich unterscheiden sich Männchen und Weibchen hauptsächlich durch die Beflossung, die beim Männchen erheblich üppiger ausfällt. Einen roten/orangefarbenen Kopf haben beide Geschlechter. Da diese Fische außerhalb der Laichzeot in sozialen Verbänden leben, empfiehlt sich die Pflege einer Gruppe, aus der sich dann ganz von alleine Paare separieren.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 681612 (5-7 cm), 681615 (10-12 cm) und 681616 (12-15 cm) auf unserer Stockliste; alle Tiere sind Nachzuchten. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Moringua raitaborua

11. Dezember 2024

Etwas ganz ausgefallenes für die Liebhaber ungewöhnlicher Fische konnten wir aus Indien importieren: Moringua raitaborua. Dieser „Spaghettiaal“ wird 30-40 cm lang und ist dabei nur bleistiftdick. Tatsächlich sind die Vertreter der Gattung Moringua keine Aale der Familie Anguillidae, sondern bilden eine eigene Familie, die Moringuidae, die weltweit in tropischen Gewässern in Flussmündungen vorkommt. Entsprechend können die Arten sowohl in Meerwasser wie in Süßwasser leben, sind also euryhalin, wie der Fachausdruck dafür lautet. Es gibt in dieser Familie 15 Arten in zwei Gattungen. Wegen der sehr weiten Verbreitung der meisten Arten ist es wahrscheinlich, dass diese Fische im Meer laichen und Eier und Larven mit Meeresströmungen verdriftet werden.

Es ist eher unwahrscheinlich, dass es sich bei unser Importen tatsächlich um die Spezies M. raitaborua handelt, denn diese Art besitzt drei gut entwickelte Flossen am Schwanz: eine im Rückenbereich, eine am Bauch und die eigentliche Schwanzflosse. Unsere Tiere haben aber nur eine Schwanzflosse, im Rücken- und Bauchbereich ist mit bloßem Auge keine Flosse wahrnehmbar. Da aber diese Fische aquaristisch so gut wie unbekannt sind und die wenigen Abbildungen und Pflegebeschreibungen, die die von uns importierte Art zeigen, immer den Namen Moringua raitaborua verwenden, haben wir die Tiere auch so bezeichnet. Außerdem wird die Art, die unseren Tieren am ähnlichsten sieht, nämlich M. multidentata, trotz erheblicher Abweichungen vom Text und von der Abbildung in der Originalbeschreibung von M. raitaborua derzeit als Synonym zu dieser Art geführt.

Letztlich ist es allerdings auch eher unerheblich, um welche Art exakt es sich handelt, denn bezüglich der Pflege unterscheiden sie sich nicht. Es ist wichtig, diesen Fischen einen Sandboden von mindestens 4 cm Höhe zur Verfügung zu stellen, denn sie graben sich zeitweise ein. Meist lassen sie nur das Schwanzende aus dem Sand ragen. Die seltsam geformte Schwanzflosse sorgt dafür, dass der Schwanz wie ein Fischkopf aussieht. Ein eventueller Fressfeind wird so getäuscht: er greift den Kopf an, erwischt aber nur den Schwanz und der Spaghettiaal kann entkommen. Den Verlust eines Schwanzstückes kann er verkraften, den des Kopfes aber nicht. Manchmal schauen die Spaghettiaale aber auch mit dem Kopf aus dem Sand und sehen dann aus wie die bekannten Röhrenaale (Heterocongrinae) aus dem Meer. Wir empfehlen die Pflege im Brackwasser (5-10 g Salz pro Liter). Spaghettiaale sind vollkommen friedliche Tiere. Sie ernähren sich vorzugsweise von Wurmfutter und (gefrosteten) Roten Mückenlarven, nehmen aber grundsätzlich alle tierischen Futtermittel an, sofern sie gut ins Maul passen. Sehr kleine Fische werden sicher auch gefressen, beobachtet haben wir das aber nicht. 

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 436473 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Tatia intermedia

11. Dezember 2024

Trugdornwelse der engeren Verwandtschaft von Tatia sind aquaristisch ganz gut erschlossen, denn etliche Arten erwiesen sich als leicht halt- und züchtbar. Die attraktive Färbung einiger Arten entschädigt dafür, dass man diese Tiere nur selten tagsüber zu Gesicht bekommt. Lediglich zu Fütterungszeiten verlassen sich ihr Versteck. Für letzteres gilt: je enger, desto lieber, denn Tatia lieben Körperkontakt. 

Vor allem drei Arten werden immer wieder miteinander verwechselt und es scheint immer noch nicht abschließend geklärt zu sein, wer da wer ist: Tatia aulopygia, T. galaxias und T. intermedia. Alle drei haben einen recht langgestreckten, walzenförmigen Körper von dunkler Grundfarbe. Meist (aber keineswegs immer, es gibt auch bei T. intermedia auch einfarbige Tiere) befinden sich darauf ein helles Punktmuster. Wenn Punkte vorhanden sind, unterscheidet sich T. galaxias von den beiden anderen durch die Form der Punkte: kreisrund. Bei T. aulopygia und T. intermedia sind Punkte/Flecken immer längsoval. Anhand der Färbung kann man T. aulopygia und T. intermedia nur schwer unterscheiden, dazu muss man sich ein anatomisches Detail anschauen. Der dornige Schulterfortsatzknochen, das so genannte Cleithrum (es liegt außen am Körper, ist also am lebenden Tier gut zu sehen), ist bei T. intermedia kurz. Es endet stets vor einer gedachten senkrechten Linie vom Ansatz der Rückenflosse zum Bauch. Bei T. aulopygia ist dieser Fortsatz viel länger und ragt bis weit über die gedachte Linie hinaus.

So schön dieses Artunterscheidungsmodell klingt, so uneindeutig ist es manchmal. Es erscheint wichtig, immer mehrere Individuen anzusehen, um zu einem brauchbaren Ergebnis zu kommen. 

Aus Indonesien werden zur Zeit Nachzuchten einer Tatia-Art dieses Formenkreises als „T. galaxias“ angeboten. Um diese Art handelt es sich mit Sicherheit nicht. Alle Merkmale weisen auf T. intermedia hin. Tatia intermedia erreicht eine Länge von rund 10 cm, geschlechtsreif wird sie aber schon bei ca. der Hälfte dieser Länge. Wie bei allen Tatia-Arten ist die Afterflosse geschlechtsreifer Männchen zu einem Begattungsorgan umgeformt. Diese Welse haben eine innere Befruchtung, zur Zeit der Eiablage braucht darum kein Männchen anwesend zu sein.

Für unsere Kunden: T. intermedia haben Code 295713 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Microrasbora rubescens

11. Dezember 2024

Dieser Zwergbärbling – er erreicht nur 2-3 cm Totallänge – liegt voll im Trend der Zeit. Schon immer hat es Moden in der Aquaristik gegeben, so wie in jedem anderen Hobby auch. Mal sind es die Salmler, dann wieder die Malawibuntbarsche oder die Diskus, die L-Welse oder die westafrikanischen Zwergbuntbarsche. Zuletzt spielten Zwerggarnelen eine große Rolle. Solche Trends kommen und gehen. Welche Arten sich dauerhaft im Hobby etablieren können, lässt sich allerdings kaum vorhersagen.

Microrasbora rubescens wurde bereits 1962 für die Aquaristik importiert und auch nachgezüchtet, führte jedoch stets ein Schattendasein. Leider wirken die Tierchen in kahlen Händlerbecken recht farblos. In voller Farbe sehen sie allerdings einem Neonfisch (Paracheirodon) nicht unähnlich. Da die völlig friedlichen Fische sich gut mit Garnelen vergesellschaften lassen und wie wie diese eher kühlere als höhere Wassertemperaturen schätzen, erlebten sie mit dem Zwerggarnelen-Boom eine wahre Renaissance.

Microrasbora rubescens kommt ausschließlich im Inle-See und Umgebung in Burma vor. Dort ist das Wasser hart, der pH-Wert leicht alkalisch (zentraler Teil des Sees: pH 7,6 – 8,8, Zufluss des Sees: pH 7,1 – 7,2). Die Wassertemperatur liegt tagsüber im Bereich von 21,3 – 28,8°C, die Lufttemperatur kann zwischen 5°C (Minimumtemperatur) und 38°C (Maximumtemperatur) schwanken (alle Angaben nach: Khaung et al., 2021). Eine aktuelle Studie (Fuke et al., 2022) hat gezeigt, dass es eine unerwartet große genetische Vielfalt bei Microrasbora rubescens im Inle Lake und den Umgebungsgewässern gibt, ohne dass diese Populationen sich äußerlich unterscheiden ließen. Mindestens zwei evolutionäre Linien konnten in Umgebungsgewässern des Inle-See nachgewiesen werden, die sich vor schätzungsweise 2,7 und 1,9 Millionen Jahren von der Seepopulation getrennt haben.

Im Aquarium ist die Pflege von Microrasbora rubescens völlig problemlos. Man sollte sie im Trupp ab 10 Exemplaren aufwärts in gut bepflanzten Aquarien pflegen. Gefressen wird jegliches Zierfischfutter passender Größe, Pflanzen werden nicht angefressen. Die Weibchen werden größer als die Männchen, sind fülliger und haben weniger Rot in der Färbung. Gelaicht wird in feinen Pflanzen, besonders Javamoos wird als Ablaichpflanze geschätzt. Die Aufzucht ist wegen der Kleinheit der Jungen etwas für geübte Züchter, aber grundsätzlich nicht schwer.

Für unsere Kunden: die Tierchen haben Code 430942 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Literatur:

Fuke, Y., Y. Kano, S. Tun, L. K. C. Yun, S. S. Win & K. Watanabe (2022): Cryptic genetic divergence of the red dwarf rasbora, Microrasbora rubescens, in and around Inle Lake: implications for the origin of endemicity in the ancient lake in Myanmar. Journal of Fish Biology v. 101 (no. 5): 1235-1247

Khaung, T., Iwai, C. B. & T. Chuasavathi (2021): Water Quality Monitoring in Inle Lake, Myanmar from the floating Garden Activity. Malaysian Journal of Fundamental and Applied Sciences, Vol. 17: 593-608

Lentipes ikeae

11. Dezember 2024

Die Grundelunterfamilie Sicydiinae umfasst gegenwärtig neun Gattungen mit 121 Arten. Es sind durchwegs strömungsliebende Tiere, die in der Natur vorwiegend in klaren Bächen vorkommen und sich von Aufwuchs und Kleintieren ernähren. Die Larvalentwicklung erfolgt im Meer. Besonders populär sind einige Neongrundeln der Gattung Stiphodon, Vertreter anderer Gattungen kommen nur selten in den Handel.

Wir haben die Art Lentipes ikeae aus Indonesien erhalten. Man kennt die Art von Java und Bali, sie wurde im Jahr 2014 wissenschaftlich beschrieben. Die Maximalgröße von L. ikeae liegt bei 4-5 cm. Es sind friedliche und gesellige Tiere, die mit ihrem gut ausgeprägten, aus den Bauchflossen gebildeten, Saugnapf auch gerne mal – wie in der Natur – aus dem Wasser herausklettern. In der Natur überwinden sie so Wasserfälle. Im Aquarium sollte man darum für eine gute Abdeckung sorgen, sonst könnte der Wandertrieb fatale Folgen haben.

Der Artname bezieht sich übrigens nicht auf das schwedische Möbelhaus, sondern ehrt die Mitarbeiterin des Museum Zoologicum Bogoriense, Bogor, Java, Indonesia, Frau Ike Rachmatika.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 423632 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Leporacanthicus sp. L241

4. Dezember 2024

Warum haben eigentlich so viele L-Welse ein helles Punktmuster auf schwarzem Grund? Vom 3-5 cm langen Parotocinclus haroldoi (https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/parotocinclus-haroldoi-3/) bis zum manchmal meterlangen Acanthicus adonis (https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/acanthicus-adonis/) tritt die Färbung auf; dazwischen gibt -zig Arten mit solcher Färbung, die in der Größe dazwischen liegen. Im gesamten Reich der übrigen Welse fallen uns nur die Dornwelse der Gattung Agamyxis ein (huch, da haben wir ja noch gar keinen Post auf unserer Homepage! Das holen wir nach, gerade sind sie krank – haben weiße Punkte, haha) und der Trugdornwels Tatia galaxias (https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/tatia-galaxias/) ein, die eine derartige Färbung zeigen. Mysteriös!

Einer der ersten L-Welse überhaupt – aus dem Jahr 1988, er erhielt die Nummer L7 – zeigt ebenfalls diese Färbung. Das schlägt sich in der wissenschaftlichen Benennung nieder, die L7 erhielt, nieder: Leporacanthicus galaxias. Der Artname galaxias bedeutet, das Tiere würde aussehen wie der Sternenhimmel! Heute kennen wir eine ganze Reihe von Leporacanthicus-Formen, die L. galaxias sehr ähnlich sind. Unter ihnen sind L240, den man am breiten schwarzen Rückenflossensaum erkennt, und L241. Beide stammen aus Venezuela (oberer Orinoko). L241 unterscheidet sich anatomisch deutlich von den anderen schwarzen Leporacanthicus mit weißen Punkten. Er hat einen proportional viel längeren Kopf und eine niedrigere Rückenflosse. Farblich ist L241 einer der variabelsten L-Welse überhaupt. Von nahezu rein schwarzen Tieren, über Exemplare mit ganz wenigen Punkten, Tieren mit großen Tupfen und solchen mit winzigen Sprenkeln ist jeder Übergang denkbar.

Diese fleischfressenden L-Welse werden bis zu 30 cm lang und brauchen entsprechend große Aquarien. Die Zucht der meist relativ friedlichen Höhlenbrüter ist bereits geglückt; Leporacanthicus schätzen Höhlen mit seitlichem Eingang besonders. Die Geschlechter sind erst bei größeren Tieren zu unterscheiden (Männchen mit breiterem Kopf, kräftigeren Stacheln an den Hartstrahlen der Brustflossen und Borsten am Kopf), die Färbung sagt nichts über die Geschlechtszugehörigkeit aus.

Für unsere Kunden: L241 hat Code 26480-L 241-2 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Enteromius fasciolatus ( = Barbus fasciolatus, Barbus barilioides)

4. Dezember 2024

Nur ganz wenige der zahlreichen Kleinbarben-Arten Afrikas haben sich als Aquarienfisch dauerhaft etablieren können und nur eine einzige Art wird so regelmäßig nachgezüchtet, dass sie häufiger im Zoofachhandel anzutreffen ist. Diese Art ist die bildschöne Angola-Barbe, Enteromius fasciolatus. Ein bekanntes Synonym der Art ist Barbus barilioides.

Die Angola-Barbe erreicht eine Länge von etwa 6 cm. Der Schwarmfisch sollte unbedingt in größeren Trupps von 12 Tieren aufwärts gepflegt werden, sonst bleibt er schreckhaft, scheu und blass. Im Schwarm gepflegte Tiere sind aber ein wunderschöner Anblick. Ein dunkler Bodengrund und reichliche Bepflanzung sorgen für intensive Farben.

Gegenüber allen anderen Fischen sind Angola-Barben vollkommen friedlich, auch Pflanzen werden gewöhnlich nicht beachtet. Die Art ist ursprünglich im südöstlichen Afrika verbreitet (Angola, Botswana, D.R. Kongo, Namibia, Sambia und Zimbabwe), steht im Hobby jedoch ausschließlich als Nachzucht zur Verfügung.

Lexikon: Barbus: Latein, bedeutet „der Bärtige“, was sich auf die Barteln bezieht. Enteromius: die Gattung wurde 1867 von Cope für die Art potamogalis  aufgestellt; der Name wurde nicht erklärt, bezieht sich möglicherweise auf eine anatomische Besonderheit, den kurzen Verdauungskanal, der von Cope als gattungstypisch gesehen wurde. Der Name ist darum wahrscheinlich eine Wortprägung Copes unter Verwendung des altgriechischen énteron (Gr. ἔντερον), für Darm. fasciolatus: latein, bedeutet „fein gestreift“. barilioides: bedeutet „ähnlich einem Barilius“; Barilius ist eine andere Barbengattung.

Deutsche Gebrauchsnamen: Angolabarbe, Blaustrichbarbe, Rotflankenbarbe, Tigerbarbe

Für unsere Kunden: die Fische haben Code 369002 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Pterophyllum „Rio Nanay Typ3“

4. Dezember 2024

Die Systematik der Segelflosser (Pterophyllum) ist nur schlecht verstanden. Allgemein sind nur drei Arten anerkannt, nämlich P. altum, P. leopoldi und P. scalare, jedoch gibt es zweifellos erheblich mehr. Der „Feld-Wald-und-Wiesen“ Skalar der Aquaristik in seinen unzähligen Zuchtformen ist ein Hybrid, bei dem es nicht sinnvoll ist, ihn mit einem wissenschaftlichen Namen zu belegen.

Im Rio Nanay in Peru gibt es mehrere Pterophyllum-Arten; am bekanntesten ist der „Peru-Altum“, eine spitzköpfige, hohe Form (siehe https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/scalare-leopoldi-red-spots-peru/); unter Aquarianern sehr beliebt ist der „Honigflecken“-Skalar des Rio Nanay: https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/pterophyllum-sp-rio-nanay-nachzucht/. Es gibt aber im Rio Nanay auch den kleinwüchsigen, rundköpfigen Skalar, den man früher „eimekei“ nannte. Sehr typisch für diese Art ist, dass die Männchen größer und buckelköpfiger als die Weibchen werden, man also bei geschlechtsreifen Tieren die Geschlechter leicht unterscheiden kann. Das ist bei den anderen Pterophyllum-Arten nicht der Fall.

Wir haben jetzt den „eimekei“ aus dem Rio Nanay als wunderschön gefärbte deutsche Nachzuchten erhalten. Um sie von den „Peru-Altum“ und den „Honigflecken“ zu unterscheiden, werden sie als „Typ3“ bezeichnet.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 699746 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Horabagrus brachysoma

4. Dezember 2024

Die Welsfauna Asiens ist sehr artenreich und umfasst mehrere hundert Arten, doch nur ganz wenige davon werden einigermaßen regelmäßig im Aquarium gepflegt. Die Gattung Horabagrus ist ein Endemit ( = kommt ausschließlich dort vor) von Südindien. Es gibt nur zwei akzeptierte Arten in dieser Gattung, nämlich H. brachysoma und H. nigricollaris. Bis 1991 zählte man Horabagrus zu den Bagridae, also den in Afrika und Asien lebenden Stachelwelsen. Aufgrund anatomischer Besonderheiten und nicht zuletzt wegen molekularbiologischer Befunde wurde eine neue Familie, die Horabagridae, aufgestellt, die neben Horabagrus noch die früher zu den Schilbeidae gestellten, den Glaswelsen nicht unähnlichen Gattungen Platytropius, Pseudeutropius und Pachypterus umfasst.

Die wildlebenden Bestände von Horabagrus brachysoma sind laut der internationalen Roten Liste der gefährdeten Tier- und Pflanzenarten (IUCN Red List) stark rückläufig. Die Gründe sind im einzelnen nicht erforscht, es wird angenommen, dass Biotopzerstörung und Überfischung zu Speisezwecken zu den Hauptursachen gehören. Glücklicherweise lässt sich der bis zu 45 cm lange, als Speisefisch begehrte Horabagrus brachysoma in Aquakultur gut züchten, so dass man von Wildfang unabhängig ist. Auch die Tiere, die wir gerade anbieten können, sind Nachzuchtexemplare.

Abgesehen von der zu erwartenden Endgröße, die ein ausreichend großes Aquarium erfordert, ist die Pflege von Horabagrus brachysoma problemlos. Die Welsart ist sehr friedlich und untereinander gesellig; man sollte möglichst niemals Einzeltiere pflegen, sondern Trupps von 5-15 oder mehr Exemplaren. Sehr kleine Fische werden selbstverständlich als Futter angesehen. Jedes übliche Zierfischfutter wird gerne angenommen, Pflanzen nicht beachtet. Geschlechtsunterschiede bestehen hauptsächlich in der Form der Gentialpapillen. Bei unseren Fischen kann man außerdem beobachten, dass es schlankere Tiere mit proportional höherer Rückenflosse gibt (wahrscheinlich Männchen) und kräftigere mit niedrigeren Rückenflossen (wahrscheinlich Weibchen). In der Aquakultur werden die Fische meist abgestreift, sie laichen aber nach hormoneller Stimulation auch spontan, wobei das Männchen das Weibchen ringförmig umschlingt. Die Tiere sind polygam, ein Weibchen laicht mit mehreren Männchen. Über weitergehende Brutfürsorge wurde nicht berichtet.

Bezüglich der Wasserzusammensetzung sind Horabagrus brachysoma anspruchslos; sie gelten als sehr zählebig und unempfindlich gegen niedrigen Sauerstoffgehalt und können daher als Speisefische lebend vermarktet werden. In der Natur werden sie oft in Brackwasser angetroffen, ein Hinweis darauf, dass weiches und saures Wasser nicht zu den präferierten Umweltbedingungen zählt.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 421694 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Blinde Höhlensalmler

4. Dezember 2024

1936 wurden von einem Zierfischfänger namens C. Basil Jordan in einer Höhle im mexikanischen Bundesstaat San Luis Potosi blinde Salmler entdeckt. Es gelang ihm, 100 Exemplare zu fangen und ohne Verluste in die USA zu bringen. Diese Entdeckung war eine Sensation, denn es handelte sich um den ersten zu den Salmlern gehörenden blinden Höhlenfisch überhaupt, der der Wissenschaft bekannt wurde. Man beschrieb die Art zu Ehren des Entdeckers als Anopichthys jordani, was übersetzt „Jordans Fisch ohne Augen“ bedeutet.

Die Art erwies sich als sehr leicht halt- und züchtbar. Heute weiß man, dass der blinde Höhlenfisch uneingeschränkt mit der oberirdisch lebenden, sehenden Art Astyanax fasciatus mexicanus kreuzbar ist. Viele Wissenschaftler sagten darum, es handele sich nicht um eine eigenständige Art. Heute sieht man das wieder anders und betrachtet die Dinge eher unter einem evolutions-biologischen Aspekt. Darum wird der Blinde Höhlensalmler heute meist als Astyanax jordani bezeichnet.

Das tolle ist: obwohl der Fisch wirklich nicht schön ist, ist der Stamm von 1936 nie wieder im Aquarium ausgestorben. Auch die Tiere, die wir zur Zeit im Stock haben – Nachzuchten aus Singapur – stammen von dem ursprünglichen Import ab.

Blinde Höhlensalmer können völlig problemlos mit sehenden Fischen aller Art gemeinsam gepflegt werden – vorausgesetzt, sie sind friedlich! Die Blindheit ist keinerlei Handicap für die Tiere. Vermutlich ist das der Grund, weshalb der Blinde Höhlensalmler sich über 80 Jahre im Aquarium erhalten hat: dieses sensationelle Verhalten wollen viele Fischbegeisterte einmal in ihren eigenen Aquarien bewundern.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 209012 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Sturisoma cf. ghazziae

29. November 2024

Kürzlich (Dezember 2023) wurde die Gattung Sturisoma revidiert und bei der Gelegenheit vier neue Arten beschrieben. Wir konnten jetzt aus Brasilien Sturisoma importieren und nach dem Bestimmungsschlüssel der Revision kamen wir zu dem Ergebnis, dass es sich um eine der neu beschriebenen Arten handeln müssen, nämlich Sturisoma ghazziae. Diese Art stammt aus dem Rio Araguaia. Da uns der genaue Fundort unserer Importe jedoch nicht bekannt ist, haben wir bei der Artbezeichnung vorsichtshalber ein „cf.“ (das bedeutet „vergleiche mit“) verwendet.

Typisch für die neu importierte Art ist der Verlauf der Seitenbänder, die im Bereich der Rückenflosse einander annähern. Ferner hat die Art eine schwarze Unterseite der Schnauze (des Rostrums), wie es uns in dieser Ausprägung bisher nur bei Sturisoma nigrirostrum aus Peru bekannt ist. Laut Erstbeschreibung wird Sturisoma ghazziae maximal 24 cm lang (Standardlänge ohne Schwanzflosse). Unsere Exemplare sind gerade 10-12 cm lang und geschlechtlich differenziert; die Art scheint also früh geschlechtsreif zu werden. Weibchen erkennt man an den proportional schwächer entwickelten Flossen. Voll erwachsene Männchen entwickeln bei Sturisoma zudem einen Backenbart, auch S. ghazziae.

Wir freuen uns, diesen neuen, attraktiven Vertreter der beliebten Gattung Sturisoma anbieten zu können. Die Pflege bereitet bislang keinerlei Schwierigkeiten und entspricht dem bekannten Schema für diese im Hobby gut bekannten Gattung.

Für unsere Kunden: die Fische haben Code 294753 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Literatur: Londoño-Burbano, A. & M. R. Britto (2023): Taxonomic revision of Sturisoma Swainson, 1838 (Loricariidae: Loricariinae), with descriptions of four new species. Journal of Fish Biology v. 104 (no. 4): 989-1041

Apistogramma cacatuoides Yellow wild

29. November 2024

Der Kakadu-Zwergbuntbarsch gehört zu den beliebtesten Vertretern der Gattung Apistogramma in den Aquarien weltweit. Es werden nahezu ausnahmslos Nachzuchten diverser, in der Natur gar nicht vorkommender Zuchtformen gehandelt. Das ist verständlich, denn diese Zuchtformen sind erheblich farbenprächtiger als Wildfänge.

„Den“ Wildfang gibt es aber bei A. cacatuoides so wenig wie bei vielen anderen Apistogramma-Arten. Die Art ist nämlich polychrom im männlichen Geschlecht, das bedeutet, dass auch in der Natur sehr verschieden gefärbte Männchen nebeneinander und miteinander vorkommen. Der biologische Sinn dieses Polychromatismus ist bisher nicht wirklich verstanden; aber er ist der Grund dafür, weshalb durch Auslesezucht schon nach wenigen Generationen sehr farbenprächtige Apistogramma-Männchen zu erzielen sind.

Aktuell haben wir Naturentnahmen von A. cacatuoides aus Peru im Stock, bei denen viele Männchen einen besonders hohen Gelbanteil in der Färbung aufweisen.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 617234 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Tylomelania marwotoae

29. November 2024

Obwohl in der Aquaristik normalerweise die wissenschaftlichen Namen zur Kommunikation gewählt werden und nur ganz wenige Arten einen wirklich gebräuchlichen deutschen oder internationalen Populärnamen haben, scheint es gelegentlich einen Bedarf nach solchen Populärnamen zu geben. Im Falle der Schnecke Tylomelania marwotoae, die aus einen einzigen See auf Sulawesi stammt – dem Mahalona-See, der ein Teil der berühmten Malili-Seen ist – wurde allerdings ein wirklich saublöder Populärname erfunden, nämlich Himalaya-TDS. Dabei steht TDS für Turmdeckelschnecke. 

Mit Kürzeln wie TDS kann man sich noch abfinden, aber der Hinweis auf den Himalaya ist wirklich sehr irreführend. Zwischen der Insel Sulawesi, die zu Indonesien gehört, und dem Hochgebirge Himalaya, das den indischen Subkontinent vom restlichen Asien trennt, liegen nicht nur ca. 5.000 km Luftlinie, sondern ganze zoogeografische Regionen. Wahrscheinlich spielt der Name auf der schneeweiße Gehäuse dieser Schnecke an, das jemanden an den schneebedeckten Himalaya erinnert hat.

Sei es drum. Pflege und Zucht dieser schönen Tiere sind problemlos. Im Gegensatz zu den Zwerggarnelen der Malili-Seen, die sehr empfindlich auf wasserchemische Bedingungen und zu niedrige Temperaturen (unter 28°C) reagieren können, haben sich bislang die Tylomelania-Arten als tolerant und anpassungsfähig erwiesen; übliches Leitungswasser und Temperaturen zwischen 24 und 26°C genügen ihren Ansprüchen. Tylomelania marwotoae bevorzugt sandig-schlammige Böden und ernährt sich von Detritus, also zerfallenden Pflanzen- und Tierresten. Im Aquarium füttert man sie entsprechend mit staubfeinem Trockenfutter; Futtertabletten, die langsam zu kleinen Partikeln zerfallen, haben sich bewährt. Die Schnecken sind getrennt geschlechtlich, die Geschlechter sind aber äußerlich nicht unterscheidbar. Zur Zucht muss man also eine Gruppe anschaffen, damit – rein statistisch gesehen – beide Geschlechter vertreten sind. Die Jungen werden lebend und voll entwickelt geboren. Neugeborene Tylomelania marwotoae haben ein schwarzes Gehäuse. Erst beim Heranwachsen stellt sich nach und nach die für erwachsene (als 3-5 cm lange) Schnecken typische Gehäusefärbung ein.

Übrigens: es ist völlig normal, dass die Gehäusespitze bei erwachsenen Tieren fehlt. Dabei handelt es sich nicht um eine Beschädigung, sondern die Schnecken recyclen das nicht mehr benötigte Schalenmaterial für das weitere Wachstum.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 488955 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Cichlasoma pusillum

29. November 2024

Seit 1913 werden im Aquarium Buntbarsche gepflegt und gezüchtet, die man als Aequidens portalegrensis identifiziert hatte. Der deutsche Gebrauchsname war „Streifenbuntbarsch“, weil die Fische zahlreiche senkrechte Streifen in den hinteren Körperhälfte zeigen können. Da es von Paul Unger aus den 1930er Jahren ein sehr schönes Photo eines pflegenden Paares mit Jungen gibt, wurde diese Cichlidenart in so ziemlich jedem Handbuch über Aquarienfische bis in die 1970er Jahre aufgeführt. Schon damals wusste man: je nach Herkunft sehen diese Tiere sehr unterschiedlich aus und werden auch sehr unterschiedlich groß. Allen gemeinsam war nur, dass sie – verglichen mit den mittelamerikanischen Buntbarschen, die man damals kannte – relativ friedlich waren und nicht unmäßig wühlten.

Im Jahr 1983 wurde eine Revision der Gattung Cichlasoma von Kullander veröffentlicht. Darin wurde die bis dato geltende Namensgebung arg auf den Kopf gestellt. Kullander hatte nämlich herausgefunden, dass nur einige wenige Buntbarscharten, die bis dahin in die Gattung Cichlasoma gestellt wurden, tatsächlich den Namen Cichlasoma tragen dürfen, alle anderen nicht. Zu den „echten“ Cichlasoma gehörten von da an auch die portalegrensis, die nun Cichlasoma portalegrense  hießen. Kullander beschränkte das Verbreitungsgebiet der Art auf das System der Laguna dos Patos und mehrere Küstenflüsse im Süden Brasiliens, in Bolivien und Uruguay. Gleichzeitig beschrieb Kullander acht neue Cichlasoma-Arten, womit die Gattung 12 Arten umfasste. 

Eine der damals neu beschriebenen Arten ist Cichlasoma pusillum. Der Artname bedeutet „klein“, denn Kullander lagen keine Exemplare vor, die größer als 81,1mm (Standardlänge ohne Schwanzflosse) waren, die allermeisten waren deutlich kleiner (um 6 cm). Immerhin können andere Cichlasoma über 20 cm lang werden! Das Verbreitungsgebiet von C. pusillum liegt in den oberen Einzügen der Flüsse Rio Paraná und Rio Uruguay in Paraguay. Ein gutes Merkmal, anhand dessen man C. pusillum relativ zuverlässig von den ähnlichen Arten C. dimerus und C. portalegrense unterscheiden kann, ist der sehr große dunkle Fleck unter dem Auge, der den beiden anderen Arten fehlt.

Wir können gerade ausgewachsene C. pusillum aus europäischer Nachzucht anbieten. Die Fische sind farblich zwar keine „Knaller“, punkten aber durch ihr angenehmes Verhalten (s.o.) und die Tatsache, dass sie zu den „Energiesparfischen“ gehören. Zumindest außerhalb der Brutzeit gedeiht C. pusillum am besten bei Raumtemperatur, also 18-22°C. Eine Aquarienheizung benötigt man für diese Fische also nicht. C. pusillum sind problemlose Allesfresser, die Wasserwerte spielen keine Rolle, jedes Trinkwasser eignet sich zur Pflege und Zucht. Wie alle Streifenbuntbarsche sind C. pusillum Offenbrüter mit Elternfamilie.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 659104 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Vieja fenestrata White & Marbled

29. November 2024

Die mittelamerikanischen Großcichliden der Gattung Vieja (Synonym: Paratheraps) wurden, wie so viele andere, früher zu Cichlasoma gestellt. In den 1980er und 1990er Jahren erfreuten sich diese Fische einer relativ großen Beliebtheit unter Buntbarschfreunden, die ihre mittelamerikanischen Lebensräume bereisten und viele neue Erkenntnisse (und auch ein paar Fischlein) mitbrachten. Die Art Vieja fenestrata ist schon sehr lange der Wissenschaft bekannt und wurde 1860 ursprünglich als Heros fenestratus beschrieben. Das Verbreitungsgebiet der Art sind das Rio Papaloapan-System und der Catemaco-See und dessen Zuflüsse in Mexiko. Alle Vorkommen entwässern zum Golf von Mexiko (Atlantik).

Das Phänomen des Polychromatismus (übersetzt: der Vielfarbigkeit) ist bei vielen mittelamerikanischen Buntbarschen bekannt. Es gibt von ihnen rein weiße, rosafarbene, gelbe und gescheckte Morphen. In der Natur repräsentieren diese Morphen nur einen kleinen Teil der Gesamtpopulation, die allermeisten Tiere sind wildfarben (also mit einem arttypischen Muster). Unter Aquarienbedingungen lassen sich solche Farbmorphen aber relativ leicht isoliert züchten.

Vieja fenestrata wird maximal 35-40 cm lang und ist ein produktiver Offenbrüter mit Elternfamilie. In freier Natur von einem Brut führenden Elternpaar stibitzte Babies, die von reisenden Aquarianern mit nach Hause gebracht und aufgezogen wurden, entwickelten sich schon in den 1990er Jahren vereinzelt zu den oben genannten Morphen. In Asien, wo man an solchen Fischen besonders viel Freude hat, züchtet man noch heute mit ihnen. So erhielten wir kürzlich aus Indonesien weiße und schwarz marmorierte jugendliche Vieja fenestrata. Man kann sie auf den ersten Blick leicht mit den gescheckten Zebrabuntbarschen verwechseln (siehe https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/amatitlania-frueher-cichlasoma-nigrofasciata-marble-2/). Wir haben einige Exemplare zur Seite gesetzt, um sie zu großen Fischen heranzuziehen, denn im www findet man Photos von wirklich spektakulär aussehenden erwachsenen Tieren dieser Morphen!

Für unsere Kunden: die Fische haben Code 688536 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Mugilogobius adeia

22. November 2024

Erst im Jahr 1992 wurde diese auffällig hübsche Zwerggrundel, die endemisch (also ausschließlich dort vorkommend) im Matano-See auf Sulawesi (früher Celebes) lebt, wissenschaftlich beschrieben, obwohl dieser See schon lang als Brennpunkt einer eigenständigen Evolution bekannt ist und entsprechend stark beforscht wird. Die wohl frühesten Funde stammen aus dem Jahr 1989, als Arthur Werner und Maurice Kottelat die Tiere sammelten, die später zu Typusexemplaren der Art wurden. Bereits vor ihrer wissenschaftlichen Beschreibung kam die maximal etwa 4 cm lange Art ab und zu in den Handel. Leider ist bis heute die Aufzucht im Aquarium noch nicht geglückt (jedenfalls soweit wir wissen), obwohl die Tierchen regelmäßig und willig ablaichen. Die Larven sind sehr winzig und es konnte noch kein passendes Aufzuchtfutter für sie gefunden werden.

Die Pflege der kleinen Grundeln ist relativ einfach, allerdings sollte man beachten, dass das Wasser im Matano-See alkalisch ist, pH-Werte unter 8 sollten also unbedingt vermieden werden. Bezüglich der sonstigen Ansprüche stellen die schönen Fische den Pfleger kaum vor nennenswerte Schwierigkeiten. Im See verstecken sich die Grundeln gerne in leeren Gehäusen der Schnecke Tylomelania gemmifera. Sie sind aber nicht, wie die Schneckenbuntbarsche aus dem Tanganjikasee, obligatorische Höhlenbrüter, sondern setzen die Gelege durchaus auch auf offenen Flächen (z.B. Pflanzenblättern) ab. Trotzdem sollte man im Aquarium einige enge Höhlen als Versteckmöglichkeiten anbieten. Männchen und Weibchen kann man ganz gut unterscheiden. Die Männchen haben eine fadenförmig ausgezogene erste Rückenflosse und die zweite Rückenflosse hat einen breiten gelblichen Saum, der am oberen Rand schwarz begrenzt ist. Beim Weibchen ist diese Region der Flosse farblos.

Leider muss diese Schönheit wegen Umweltzerstörung und der invasiven Flowerhorn-Buntbarsche, die der Fauna und Flora des Matano-Sees sehr zu schaffen machen, als bedroht gelten. Es ist darum wünschenswert, dass sich möglichst viele ernsthafte Aquarianer mit der Art befassen und so hoffentlich bald das Rätsel um die Aufzucht der Larven im Aquarium lösen.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 436782 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Peckoltia sp. L76

22. November 2024

Im Jahr 1990, also vor weit über 30 Jahren, wurde der  schöne Orangesaum-Harnischwels L76 in der DATZ vorgestellt. Er stammt – genau wie L99, der 1992 vorgestellt wurde und aktuell nur als Farbvariante von L76 gesehen wird – aus dem brasilianischen Bundesstaat Pará, genauer gesagt aus dem Rio do Pará. Es gibt drei Formen von Orangesaum-Plecos unter den L-Welsen, neben L76 und L99 noch L265 (Rio Tajajós und dessen Zufluss Rio Jamanxin, Brasilien). Die Fundorte aller drei L-Nummern liegen also innerhalb des Bundesstaates Pará. L265 hat nach der Vergabe einer L-Nummer auch noch die LDA-Nummer 84 erhalten. Alle Orangesaum-Harnischwelse haben gemeinsam, dass die ansonsten weitgehend zeichnungslose Rücken- und Schwanzflosse einen orangefarbenen Saum hat. Individuell kann die Körpergrundzeichnung recht unterschiedlich sein, darum auch die diversen L- und LDA-Nummern. Immer erkennt man aber eine Zeichnung aus vier breiten, dunklen Balken auf den Flanken. Im Jahr 2005 wurde ein Orangesaum-Harnischwels aus dem Rupununi-River in Guyana, der L265/LDA84 extrem ähnlich sieht, als Peckoltia cavatica wissenschaftlich beschrieben. Leider hat noch kein Wissenschaftler die L-Nummern mit P. cavatica vergleichend untersucht, so dass ungewiss ist, ob alle Orangesaum-Harnischwelse zu nur einer Art (P. cavatica) gehören oder doch verschiedene taxonomische Einheiten repräsentieren.

Mit 12-15 cm Totallänge gehören dieser Allesfresser zu den mittelgroßen Harnischwelsen. Sie sind vorwiegend dämmerungs- und nachtaktiv, aber nach Eingewöhnung kaum noch scheu und oft auch tagsüber sichtbar. Da es friedliche Tiere sind, kann man sie gewöhnlich gut in Gruppen pflegen. Seit vielen Jahren werden Orangesaum-Harnischwelse in Deutschland und Skandinavien gezüchtet, allerdings erfolgt die Vermarktung meist lokal. In den Großhandel gelangen vor allem Naturentnahmen, so auch im vorliegenden Fall. Die Männchen entwickeln einen dichten Borstenbesatz am Schwanzstiel, sobald sie geschlechtsreif sind. Diese Peckoltia sind typische Höhlenbrüter mit Vaterfamilie; werden die Welse im Artenbecken, also ohne andere Fischarten gepflegt, wachsen die Jungtiere gewöhnlich auch im Beisein der erwachsenen Tiere problemlos heran.

Für unsere Kunden: L76 haben Code 26480-L 076-2 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Loricariichthys sp. Rio Blanco

22. November 2024

Die interessante Gattung Loricariichthys umfasst aktuell 19 akzeptierte Arten. Die Gattungsmitglieder erkennt man zuverlässig an der Lippenform. Diese lippenbrütenden Welse – ähnlich wie viele andere Hexenwelse trägt auch hier das Männchen das zu einer Scheibe zusammenfasste Gelege angeheftet an die Unterlippe bis zum Schlupf der Larven mit sich herum – haben nämlich keinerlei fransenartige Verlängerungen an der Unterlippe. Alle anderen Gattungen haben solche Fransen, Barteln oder Ähnliches. Ganz anders sieht es mit der Artbestimmung aus. Im Handel tauchen diese Welse aus uns nicht bekannten Gründen nämlich so gut wie nie auf, so dass viele Arten ausschließlich von alten Alkoholpräparaten und/oder nach den aus heutiger Sicht unzureichenden wissenschaftlichen Beschreibungen bekannt sind. Auch wenn in jüngster Zeit noch Arten entdeckt und beschrieben werden (so z.B. im Jahr 2021 Loricariichthys melanurus aus dem südlichen Brasilien) fehlt es doch an einer modernen Revision der gesamten Gattung.

Wir konnten jetzt erstmals aus Peru, genauer gesagt aus dem Rio Blanco, einige Exemplare einer Loricariichthys-Art importieren. Aus Peru sind fünf Loricariichthys-Arten bekannt: L. cashibo, L. chanjoo, L. hauxwelli, L. stuebelii und L. ucayalensis. Von diesen wiederum kommen aus geografischer Sicht drei für den Rio Blanco (der über den Rio Tapiche in den Ucayali und schließlich in den oberen Amazonas entwässert) in Frage: L. cashibo, L. chanjoo und L. ucayalensis, während L. hauxwelli aus dem Rio Ampiyacu und L. stuebelii aus dem Rio Huallaga stammen. L. cashibo wurde nur nach einem einzigen Exemplar beschrieben, das verloren ging; es existiert keine Abbildung. L. chanjoo wurde vom Erstbeschreiber detailliert gezeichnet; die Bauchplatten sind völlig anders als bei unseren Tieren, weshalb es über das Ausschlussverfahren am wahrscheinlichsten ist, dass unsere Importe vom Rio Blanco L. ucayalensis repräsentieren. Auch wenn im Grunde nichts gegen diese Annahme spricht, denken wir, es ist sinnvoller, die Tiere als L. sp. Rio Blanco zu bezeichnen, da sich in ähnlich gelagerten Fällen später oft herausstellte, dass eine genauere wissenschaftliche Überprüfung zu anderen Ergebnissen führt.

Loricariichthys sind Allesfresser, deren Pflege keine besonderen Schwierigkeiten bereitet. Die bekannten Arten werden 20-30 cm lang (L. ucayalensis 20-25 cm) und sind etwas scheu, weshalb möglichst große Aquarien verwendet werden sollten. Andernfalls stoßen sich die Tiere bei Fluchtbewegungen leicht die Schnauze wund. Wie bei den meisten lippenbrütenden Hexenwelsen empfiehlt sich ein Sandboden. Die Einrichtung sollte sehr sparsam erfolgen, es ist viel wichtiger, eine möglichst große freie Bodenfläche zur Verfügung zu stellen.

Für unsere Kunden: die L. sp. Rio Blanco haben Code 266688 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Corydoras orcesi

22. November 2024

Nur sehr selten kommt der wunderschön gezeichnete Corydoras orcesi in die Aquarien der Liebhaber. Die Art ist aus dem Rio Tigre-System in Ecuador beschrieben worden und zwar ursprünglich als Unterart zu C. pastazensis. Beide Arten sind ähnlich gefärbt, doch treten keine Mischformen auf, so dass es sich aller Wahrscheinlichkeit nach um eigenständige Arten handelt, auch wenn manche Wissenschaftler derzeit in C. orcesi nur ein Synonym zu C. pastazensis sehen. Die raren Importe kommen aus Peru zu uns. Sieht man C. orcesi und C. pastazensis nebeneinander, ist eine Verwechslung ausgeschlossen. 

Corydoras orcesi gehört zu den langschnäuzigen Arten, die auch nach der aktuellen Gattungs-Neueinteilung der Panzerwelse in der Gattung Corydoras verbleiben; das gleiche gilt für C. pastazensis.

Die Männchen bleiben kleiner als die Weibchen. Im Aquarium sind es leicht zu pflegende Tiere, die sich als robust erwiesen haben. Wie bei allen Panzerwelsen sollte der Boden zumindest teilweise aus feinem, weichen Sand bestehen. Wurmfutter (Tubifex) ist sehr begehrt, doch nehmen die Fische jegliches übliche Fischfutter, sei es lebend, gefroren oder in trockener Form, gerne an. Beide Arten werden maximal 6-7 cm groß.

Für unsere Kunden: C. orcesi hat Code 237903 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Lexikon: Corydoras: aus dem Altgriechischen, bedeutet „mit Helm und Lanze“, was sich auf die äußeren Knochenpanzer und die kräftigen Flossenstacheln bezieht. orcesi: Widmungsname zu Ehren von Gustavo Orcés-Villagomez. pastazensis: nach dem Rio Pastaza in der Provinz Pastaza in Ecuador, wo die Art gefunden wurde.

Text & Photos: Frank Schäfer

Botia udomritthiruji

22. November 2024

Von Zeit zu Zeit muss man die Homepage etwas aufräumen. Bei solch einer Gelegenheit stießen wir auf den netten Post aus dem Jahr 2007: 

Aus dem Grenzgebiet von Burma/Thailand stammt die wohl erstmals importierte Botia sp. New Emperor. Sie soll dort in einem zehnjährigen Rhythmus in größeren Mengen auftreten und nur dann gefangen werden.

Auch der Transport durch grenznahes Hügelland soll nach Aussage eines ortskundigen Ichthyologen nur mithilfe kleiner Mopeds, auf denen nur eine geringe Anzahl dieser Tiere (ca. 20) transportiert werden kann, erfolgen. So ist es nicht verwunderlich, dass diese Tiere äußerst selten sind und einen gewissen Preis haben. Außerdem sind sie für Angehörige der Botia rostrata Gruppe recht groß und zeigen ein sehr ansprechendes Muster auf kräftig gelbem Grund. (Text K. Diehl)

Inzwischen ist diese schöne Schmerle, bei der nicht zwei Exemplare das gleiche Muster haben (die Bilder zu diesem Post zeigen die Original-Wildfänge aus dem Jahr 2007) als Botia udomritthiruji – zu Ehren des Zierfischexporteurs Kamphol Udomritthiruj in Bangkok – wissenschaftlich beschrieben worden. Wir erhalten ab und zu (meist alle 2-3 Jahre) diese Tiere, allerdings nicht mehr als wildgefangene Moped-Transporte, sondern als Nachzuchten, die komfortabel eingeflogen werden.

Für unsere Kunden: die Nachzuchttiere in 4-5 cm haben Code 405702, in 5-6 cm Größe 405703 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Hoplisoma sp. CW 91/CW 107

15. November 2024

Der Rio Vaupés – so die spanische Schreibweise – oder Rio Uaupes – das ist die portugiesische – ist ein „kleiner“ rechtsseitiger Nebenfluss des Rio Negro. Immerhin hat der „Kleine“ eine Länge von 1.375 km! Er entspringt in Kolumbien im Vorland der Anden und bildet in etwa 150 km Entfernung stromabwärts von Mitú aus gesehen die Staatsgrenze zum brasilianischen Bundesstaat Amazonas, wo er ca. 40 km südlich von Icana in den Rio Negro mündet. 

Aquaristisch ist schon lange bekannt, dass im Rio Vaupes viele Besonderheiten vorkommen. Unter ihnen sind auch vier Panzerwelse, die allerdings erst in den letzten Jahren bekannt wurden: Brochis sp. CW 89 (Langschnäuzer, relativ schmale Rückenbinde), Hoplisoma sp. CW91 (Rundschnäuzer zu CW 89), Brochis sp. CW106 (Langschnäuzer, breitere Rückenbinde und kürzere Schnauze als CW89), Hoplisoma sp. CW107 (Rundschnäuzer, breitere Rückenbinde als CW91). Gefunden werden sie allesamt in Kolumbien, ca. 40 km östlich von Mitú, so jedenfalls die Aussage der Exporteure.

Leider sind die genannten Unterscheidungs-Merkmale nicht so wirklich konstant. Je mehr Tiere man zu Gesicht bekommt, desto mehr Zwischenformen werden erkennbar, so wie man das ja auch von anderen Rio-Negro-Corydoras kennt. Vor allem die Breite der Rückenbinde variiert enorm. Darum unterscheiden wir im Handel nicht zwischen CW91 und CW107.

Jetzt haben wir besonders attraktive Tiere erhalten, die wegen der sehr breiten Rückenbinde deutlich mehr CW 107 entsprechen. 

Für unsere Kunden: die CW 91/CW 107 haben Code 236114 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Ivanacara adoketa ( = Nannacara a.)

15. November 2024

Dieser Buntbarsch, der nur in einem eng umgrenzten Gebiet am mittleren Rio Negro vorkommt und erst 1993 wissenschaftlich als Nannacara adoketa beschrieben wurde, gehörte lange zu den absoluten Traumfischen der Cichlidenfreunde. Die anfangs nur sehr wenigen Importfische gingen zumeist nach Japan und es wurden geradezu wahnsinnige Preise für die Fische verlangt – und bezahlt!

Die Art weicht in mancherlei Hinsicht von den übrigen Nannacara-Arten ab und hat ein Verbreitungsgebiet, das weit abseits dem der anderen Arten liegt. Dies führte dazu, dass für die Art (und die ebenfalls stark abweichende N. bimaculata, die N. adoketa sehr ähnlich ist, jedoch endemisch – d.h. ausschließlich dort vorkommend – in den Flüssen Potaro und Essequibo in Guyana lebt) die Gattung Ivanacara aufgestellt wurde. 

Heutzutage hat sich die anfängliche Situation deutlich entspannt. Wir können Ivanacara adoketa regelmäßig sowohl als Nachzucht wie auch ab und zu als Wildfang anbieten. Es wird sich bei dieser in Bezug auf die Wasserqualität bei Zucht und Aufzucht anspruchsvollen Art wohl nie um einen „Billigfisch“ handeln, aber die Preise sind so weit gesunken, dass sich wohl jeder ernsthaft Interessierte die Tiere leisten kann.

Die Männchen dieser wunderschönen Buntbarsche werden etwa 8-9 cm lang, die Weibchen bleiben ca. 3 cm kleiner. Die Fische benötigen zum Wohlbefinden weiches und saures Wasser, zur Zucht sind solche Werte unabdingbar. Die Temperatur sollte zwischen 23 und 26°C liegen, die Tiere mögen es lieber etwas kühler als zu warm! Auch die Zucht gelingt bereits bei Temperaturen um 24°C. Es handelt sich um Offenbrüter mit Elternfamilie.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 683474 (wild) und 683481 (Nachzucht) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Apistogramma cacatuoides Double Red

15. November 2024

Selbstverständlich ist diese wunderschöne Zuchtform des Kakadu-Zwergbuntbarsches keine Neuheit, aber so schöne Exemplare, wie die, die wir gerade von einem deutschen Züchter erhalten haben, sind eine Seltenheit!

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 617803 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Acestrorhynchus microlepis

15. November 2024

Die Barrakuda-Salmler (Acestrorhynchus) gehören zu den obligatorischen Raubfischen unter den Salmlern. Sie fressen ausschließlich fleischliche Kost, am liebsten Fische. Aktuell werden 14 Arten anerkannt. Die kleinsten Arten werden kaum 10 cm lang, die größten 35-40 cm. 

Mir 20-30 cm zu erwartender Endgröße gehört A. microlepis zu den mittelgroßen Arten. Neben den besonders kleinen Schuppen (auf die sich der Artname bezieht) gibt es ein unscheinbares, aber zuverlässiges Bestimmungsmerkmal für diese Spezies: ein kleiner dunkler Fleck hinter dem Kiemendeckel. Dieser Fleck fehlt bei anderen, ähnlich aussehenden Arten.

Wir haben aus Peru einige Exemplare dieser Art in der Größe 6-9 cm erhalten. Nach ein paar Tagen der Eingewöhnung entwickelten sie sehr hübsche, orangefarbene  Flossen, wie uns das bei dieser Art vorher noch nie so richtig aufgefallen war. Der anschließende Literaturcheck ergab, dass erst vor wenigen Jahren (2003) die Variabilität von A. microlepis in dem sehr großen Verbreitungsgebiet der Art – es umfasst praktisch die gesamten Einzüge von Amazonas und Orinoko sowie die Guyana-Staaten –  untersucht wurde. Es ließen sich dabei keine neuen Arten abgrenzen. Somit sind unsere Tiere zumindest formell nur eine Standortvariante von A. microlepis.

Man sollte Acestrorhynchus microlepis (und alle anderen A.-Arten) in möglichst großen Aquarien pflegen, denn sie sind etwas schreckhaft und können sich unter beengten Verhältnissen leicht die Schnauzen verletzen. Eingewöhnte Exemplare fressen gewöhnlich tiefgekühlten Fisch, während der Eingewöhnungsphase benötigt man aber meist gesunde (!) lebende Futterfische. Untereinander und gegenüber anderen Arten, die als Futter nicht in Frage kommen, sind A. microlepis friedlich. Die Wasserwerte (pH und Härte) sind unwesentlich, die Temperatur sollte im Bereich von 22-28°C liegen. Eine gute Bepflanzung, nicht zu grelles Licht und eine ruhige, stressarme Umgebung sind der Schlüssel zur langjährigen erfolgreichen Pflege von Acestrorhynchus. Zuchtberichte liegen uns nicht vor, wahrscheinlich ist die Zucht auch noch nie versucht worden. Man kann davon ausgehen, dass diese Tiere Freilaicher ohne weitere Brutfürsorge sind.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 202203 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Ariopsis simonsi (früher Arius jordani oder Hexanematichthys seemanni)

15. November 2024

Der Minihai ist ein Wanderer zwischen den Welten. Die Kindheit verbringt er im Süßwasser, Erwachsene leben im Meer. Die nährstoffreichen Brackwasserzonen der Flussmündungen sind für Exemplare, die dem Kindesalter entwachsen sind, besonders günstige Lebensräume. Mit Haien haben diese Welse, die zu der etwa 150 Arten umfassenden Familie Ariidae  zählen, nur den Namen gemeinsam. 

Die Pflege der hübschen, lebhaften, friedlichen und tagaktiven Jungtiere ist problemlos, wenn man beachtet, dass pH-Werte unter 7 nur schlecht vertragen werden und dieser Fisch immer in Gruppen von mindestens 5 Exemplaren gepflegt werden muss. Die Wassertemperatur sollte im Bereich zwischen 24 und 30°C liegen. Die Tiere benötigen von Anfang an größere Aquarien (ab 120 cm Kantenlänge), für die im Aquarium auf 20-25 cm Länge heranwachsenden Erwachsenen muss das Becken entsprechend größer sein. Das größte bisher dokumentierte Exemplar war 33 cm lang (ohne Schwanzflosse). Wegen des hohen Stoffwechsels und der besonderen Empfindlichkeit des Minihais gegen Nitrit sollte man größere Tiere in Brack- oder Meerwasser pflegen. Ab Eintritt der Geschlechtsreife entwickeln die Weibchen fleischige Lappen an der Basis der Bauchflossen, deren Bedeutung unbekannt ist. Die Art ist Maulbrüter im männlichen Geschlecht. Weitere Geschichten und Bilder rund um den Minihai finden Sie hier: https://www.aqualog.de/blog/franky-karfreitag-der-kreuzwels-oder-minihai/ (leider nur auf Deutsch verfügbar).

Die Minihaie im Zierfischhandel stammen praktisch ausnahmslos aus Kolumbien, aber die Art ist im östlichen Pazifik von Kolumbien bis Peru weit verbreitet. 

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 208104 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Neosilurus ater

8. November 2024

Die Welse sind eine ungeheuer erfolgreiche Fischgruppe und haben praktisch alle Süßwasser-Lebensräume für sich erobert. Nur im Meer tun sie sich schwer; lediglich die Kreuzwelse (Ariidae, der einzige echte Zierfisch dieser Familie ist der Minihai) und die Aalwelse (Plotosidae) sind echte Meeresfische, wobei von etwa 40 Arten der Aalwelse rund 30 regelmäßig im Süßwasser gefunden werden oder ständig dort leben.

Zur letzteren Gruppe reiner Süßwasserfische zählen die 11 Arten der Gattung Neosilurus, die auf Neu-Guinea (7 Arten) und in Australien leben. Die Identifizierung der Arten ist schwierig; im Laufe ihres Lebens ändern sich Proportionen und etliche Merkmale, die zur wissenschaftlichen Unterscheidung dienen, sind am lebenden Tier nicht sichtbar. Daher werden Neosilurus im Handel durchwegs nach der bekanntesten Art N. ater genannt. 

Durch das große Interesse, das den Regenbogenfischen von Neu-Guinea im Hobby entgegengebracht wird, kommen zunehmend auch andere Fische der Insel in den Handel, so auch Neosilurus. Wir beziehen sie aus Indonesien. Rein optisch, nach Bildvergleich, ähneln die von uns importierten „N. ater“ am ehesten der Art N. novaeguineae. Diese Art wird etwa 20 cm lang, N. ater um 40-45 cm; unsere Tiere sind gegenwärtig 12-15 cm lang. Alle Neosilurus-Arten bauen Nester in Kiesgrund und bewachen den Laich und die Jungbrut. Äußerlich erkennbare Geschlechtsunterschiede sind bislang nicht beschrieben worden. Die Fische sind problemlose, aber gierige Fresser, die jedes übliche Zierfischfutter passender Größe annehmen. Die chemische Wasserzusammensetzung (pH und Härte) ist unwesentlich, wenn es trinkbar ist, kann man auch Neosilurus darin pflegen. Die Wassertemperatur kann zwischen 22 und 28°C liegen. 

Es liegen nicht viele publizierte Aquarienbeobachtungen zu diesen Fischen vor. Bei uns zeigen sie sich untereinander friedlich und gesellig. Angeblich fressen sie keine kleinen Fische, aber darauf würden wir uns nicht verlassen. Garnelen und Schnecken sind auf jeden Fall gefährdet.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 438404 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Hydrolycus wallacei

8. November 2024

Der Gattungsname „Hydrolycus“ bedeutet „Wasserwolf“. Tatsächlich sind diese Säbelzahnsalmler beeindruckende Raubfische und wer sich sich für Raubfische interessiert und den entsprechenden Raum zur Verfügung stellen kann – Hydrolycus-Arten werden zwischen 40 und 120 cm lang – hat spannende Pfleglinge zuhause. Meist werden aus einsichtigen Gründen solche Tiere aber in Zoos und Schauaquarien gepflegt.

Es gibt vier Arten Hydrolycus, dazu kommt der ähnliche Rhaphiodon vulpinus (https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/rhaphiodon-vulpinus/). Drei Hydrolycus-Arten können wir mehr oder weniger regelmäßig importieren (wenn auch nur in kleinen Stückzahlen, die Zahl an Interessenten ist überschaubar): H. armatus (https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/hydrolycus-armatus-orinoko/); H. scomberoides (https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/hydrolycus_scomberoides_de/) und H. tatauaia (https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/hydrolycus_tatauaia_de/). Nur die vierte Art, H. wallacei, haben wir bislang nur in einem einzigen Exemplar im Jahr 2012 bekommen. Warum ausgerechnet diese Art so selten exportiert wird? Wir wissen es nicht. Möglicherweise hat Hydrolycus wallacei ein von den anderen Arten abweichendes Fluchtverhalten, das dafür sorgt, dass er nur selten in die Netze geht. 

Offenbar kommen Hydrolycus wallacei, H. armatus und H. tatauaia in Kolumbien, von wo unser aktueller Import stammt, zumindest lokal und zeitweise gemeinsam vor, denn sie wurden gemischt geschickt. Leider war es wieder nur ein einziger Hydrolycus wallacei, der nun allerdings schön die artcharakteristischen Unterschiede erkennen lässt. Ob Hydrolycus wallacei tatsächlich mit maximal 40 cm Länge die kleinste Hydrolycus-Art ist, oder ob lediglich noch keine größeren Exemplare dokumentiert wurden, entzieht sich unserer Kenntnis. Immerhin kann unser Einzeltier zumindest diese Frage klären; aktuell misst das Tier aber nur 12-15 cm, es ist also noch jung.

Für unsere Kunden: Hydrolycus wallacei hat Code 259345 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Hoplisoma (bisher: Corydoras) weitzmani

8. November 2024

Im Laufe der Jahrzehnte waren wir oft live dabei, wenn ein neuer Stern am Zierfischhimmel aufging. Unter den Panzerwelsen war das ohne jeden Zweifel Hoplisoma weitzmani, der vom gesuchten Phantom zur heutzutage fest im Angebot etablierten Spezies wurde.

Unsere ersten Posts zu dem Tier erschienen 2007: https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/corydoras_weitzmani_de/ und https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/corydoras_weitzmani_de-2/

Die Existenz dieses Panzerwelses wurde schon angezweifelt, bzw. man glaubte, das Tier sei ausgestorben, denn die wissenschaftliche Erstbeschreibung aus dem Jahr 1971 gab „Cuzco in Peru“ als Typuslokalität des einzigartig gezeichneten Fisches an. Mehrere Expeditionen in das Gebiet um Cuzco blieben jedoch erfolglos. Heute wissen wir, dass dem Erstbeschreiber eine falsche Information gegeben wurde. Hoplisoma weitzmani stammt nämlich aus dem Gebiet des Madre de Dios, wo er 2004 von Zierfischfängern wiederentdeckt wurde. Die peruanischen Departements Cuzco und Madre de Dios grenzen aneinander; möglicherweise meinte der erste Sammler der Art also das Departement, nicht die Stadt, aber das bleibt spekulativ.

Die Pflege des schönen Tieres ist sehr einfach. Es handelt sich um gesellige Fische, die immer im Trupp gepflegt werden sollten. Frühere Spekulationen, man müsse diesen Panzerwels kalt halten (Cuzco liegt in den Anden auf 3.400 m Höhe) sind natürlich völlig falsch. Tatsächlich stellt die Art weder besondere Ansprüche an die Temperatur noch an die Wasserzusammensetzung. Es handelt sich um ideale Panzerwelse für ein Gesellschaftsaquarium.

Heutzutage gibt es immer noch ab und zu Wildfänge (glücklicherweise, denn wegen der wahnsinnigen Verschmutzung des Biotops durch Goldschürfer befürchtete man schon ein Aussterben in der Natur), aber Nachzuchten decken decken zuverlässig die Hauptnachfrage.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 248905 (wild) und 248912 (NZ) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer & Erwin Schraml

Biotoecus dicentrarchus

8. November 2024

Die Zwergcichliden der Gattung Biotoecus waren jahrzehntelang geheimnisumwittert. Die erste Art, B. opercularis, wurde schon 1875 wissenschaftlich beschrieben. Sie stammt aus dem Einzug des Amazonas in Brasilien, einem gut besammelten Gebiet für aquaristische Zwecke, und doch gelang der Erstimport erst Mitte der 1980er und Anfang der 1990er Jahre. Die Art galt als einer der empfindlichsten Aquarienfische überhaupt. Ihre zarten Pastellfarben und das ungewöhnliche Brutverhalten – die Fische bauen als Sandbewohner gern kleine „Burgen“ zur Eiablage – machte ihn dennoch zu einem begehrten Pflegling bei Spezialisten.

1989 wurde eine zweite Art der Gattung, B. dicentrarchus, aus dem Orinoko-Einzug beschrieben. Konservierte Tiere unterscheiden sich fast nur durch winzige anatomische Details, die man unter em Mikroskop untersuchen muss, von B. opercularis. So schaute man bei jedem der (seltenen!) Importe von Biotoecus ganz genau hin, ob Unterschiede erkennbar seien.

Heutzutage sind Biotoecus zwar alles andere als Alltagsfische, aber bei weitem nicht mehr so empfindlich. Die immer besser werdenden Fang-, Transport- und Hälterungsmethoden vor Ort sind der Grund dafür. Und so kommen sowohl B. opercularis wie auch B. dicentrarchus, wenn sie angeboten werden, in guter bis sehr guter Verfassung hier an und stellen niemanden vor unlösbare Probleme. Die Unterscheidung von B. dicentrarchus und B. opercularis ist sehr einfach: B. dicentrarchus hat im vorderen Teil der Rückenflosse freie, verlängere Strahlen, so dass hier eine „Kakadu“-Form der Rückenflosse entsteht. Bei B. opercularis sind alle Strahlen in der Rückenflosse ungefähr gleich lang.

Zur Pflege ist ein Boden aus feinem Sand das wichtigste, dazu Wärme (26-30°C), Huminstoffe (aus totem Laub, Erlenzäpfchen, Torf, etc.) und möglichst keine oder nur extrem friedliche Gesellschaft, denn Biotoecus sind stressempfindlich. Wenn man jetzt noch gute Wasserpflege betreibt und keimarme Bedingungen schafft, wird man viel Freude an Tieren haben.

Zur Zeit haben wir sehr schöne B. dicentrarchus aus Kolumbien im Stock

Für unsere Kunden: Biotoecus dicentrarchus hat Code 634483 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Physoschistura mango ( = Yunnanilus sp. Rosy)

8. November 2024

Seit dem Jahr 2006 bereichert eine entzückende Zwergschmerle aus Burma die Aquaristik. Sie wurde vor ihrer wissenschaftlichen Beschreibung im November 2023 als Yunnanilus sp. Rosy bezeichnet. Die wissenschaftliche Bearbeitung zeigte, dass die Merkmale der Art (vor allem die Lippenstruktur, aber auch DNS-Untersuchungen) eine Zuordnung zu Yunnanilus nicht erlaubt und sie statt dessen in die Gattung Physoschistura einzuordnen ist, die neben P. mango noch acht weitere Arten enthält. Auch zu Petruichthys bestehen viele Ähnlichkeiten.

In der Natur wurden von P. mango nur maximal 23,4 mm lange Tiere gefunden (Standardlänge ohne Schwanzflosse). Die Männchen dieser Art zeigen den Eintritt der Geschlechtsreife durch eine hübsche orangefarbene Grundfärbung an. Die Fische erfüllen aus wissenschaftlicher Sicht die Anforderung, die man an eine Zwergart stellt, nämlich Eintritt der Geschlechtsreife unter 26 mm Standardlänge (Weitzman & Vari, 1988). Allerdings hat sich gezeigt, dass bei langjähriger Pflege – die Tierchen werden erstaunlich alt – im Aquarium fast die doppelte Länge (allerdings mit Schwanzflosse) erreicht werden kann. In der Natur kommt das aber offensichtlich nicht vor.

In Aquarien mit viel Javamoos kommen auch ohne besonderes Zutun des Pflegers häufig Junge auf. Physoschistura mango lebt in der Natur zusammen mit Celestichthys margaritatus; wie dieser verträgt sie also zeitweise niedrige Temperaturen um 18°C, jedoch züchtet die Schmerle bei 26-27°C zuverlässig. Männchen und Weibchen sind leicht an der Färbung zu unterscheiden, nur die Männchen färben sich orange.

Literatur:

Weitzman, S. H. & R. P. Vari (1988): Miniaturization in South American freshwater fishes; an overview and discussion. Proceedings of the Biological Society of Washington, 101(2): 444–465. 

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 478502 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Pelvicachromis sacrimontis ( = P. pulcher RED wild)

1. November 2024

Der Purpurprachtbarsch (Pelvicachromis pulcher), auch Königscichlide genannt, ist der beliebteste Zwergbuntbarsch aus Zentralafrika. In der Natur besiedelt er große Gebiete im Niger-Einzug. Im Hobby gibt es hauptsächlich Nachzuchten. Wie so viele Zwergcichliden ist auch P. pulcher polychromatisch, d.h. er kommt in verschiedenen Farbformen vor. Manche dieser Farbformen existieren offenbar gemeinsam am gleichen Fundort, andere Farbformen kommen offenbar nur aus bestimmten Regionen. Auch der Zwergbuntbarsch, um den es hier geht, Pelvicachromis sacrimontis, stammt aus Nigeria. Er sieht P. pulcher sehr ähnlich, kann aber nicht mit ihm fruchtbar gekreuzt werden; die Jungtiere einer solchen Kreuzung sind stets bereits in der ersten Generation steril.

Pelvicachromis sacrimontis unterscheidet sich nur im weiblichen Geschlecht zweifelsfrei von P. pulcher. In der Rückenflosse weiblicher P. pulcher befindet sich immer ein heller Streifen am oberen Rand, die Rückenflosse von weiblichen P. sacrimontis ist immer einheitlich dunkel. (siehe https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/pelvicachromis-pulcher-wild-gelb-2/). Bei den Männchen sehen erfahrene Kenner der Materie zwar durchaus, ob es sich um P. pulcher oder P. sacrimontis handelt, aber die Unterschiede sind beschreibend nur schwer allgemeingültig in Worte zu kleiden. Grundsätzlich ist das dunkle mittlere Längsband bei P. sacrimontis breiter als bei P. pulcher. 

Auch bei P. sacrimontis gibt es Farbformen. Meistens unterscheidet man zwei: eine rote und eine grüne, wobei letztere manchmal noch in grün und gelb unterteilt wird. Die rote Farbvariante hat in beiden Geschlechtern rote Kiemendeckel- und Wangenregionen. Unterhalb des Auges befinden sich blaugrün irisierende Glanzbänder. Das ist ein wichtiger Unterschied zu roten Farbschlägen von P. pulcher. Bei den grün/gelben Farbschlägen sind die Wangen- und Kiemendeckelregion grün-gelb glänzend. Auch hier finden sich die blaugrün irisierende Glanzbänder unter den Augen. Es ist bis heute ungeklärt, ob die roten und grün/gelben Farbformen zusammen im gleichen Biotop vorkommen, exportiert werden sie immer gemischt. Die Handelsbezeichnung „P. pulcher RED wild“ für P. sacrimontis reicht zurück in die 1960er Jahre, sie bezeichnet die intensiv rote Bauchfärbung dieser Tiere, die alle Weibchen und viele Männchen zeigen. Im Hobby wurde P. sacrimontis früher als P. pulcher Form B oder P. sp. aff. pulcher, eine ungültige Handelsbezeichnung für P. sacrimontis aus dieser Zeit ist P. camerunensis (eine besonders blöde Bezeichnung, kommen die Tiere doch aus Nigeria und nicht aus Kamerun).

Bezüglich Pflege und Zucht unterscheidet sich P. sacrimontis kaum von P. pulcher. Die Art sollte unter möglichst gedämpfter Beleuchtung gepflegt werden, sonst sind die Tiere oft scheu und blass. Weiches, leicht saures Wasser entspricht den Bedürfnissen am besten. Gefressen wird jegliches übliche Zierfischfutter. Die Wassertemperatur sollte hauptsächlich im Bereich von 22-26°C liegen, zu hohe Temperaturen sind für P. sacrimontis weniger günstig als der untere Temperaturbereich.

Für unsere Kunden: Pelvicachromis sacrimontis hat Code 560004 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer