Unter den in Mitteleuropa einheimischen Süßwasser-Schnecken nehmen drei Arten wegen ihrer ansehnlichen Größe (4 cm und größer) eine Sonderrolle ein: die Posthorn-, die Spitzschlamm- und die Sumpfdeckelschnecke. Dabei ist zumindest bei der letztgenannten – der Sumpfdeckelschnecke – der bestimmte Artikel „die“ Sumpfdeckelschnecke eigentlich unangebracht, denn die aktuellste Checkliste der Süßwassermollusken Deutschlands (Gloer & Zettler, 2005) führt immerhin vier Arten auf (Viviparus acerosus, V. ater, V. contectus und V. viviparus). Sie sind einander aber so ähnlich, dass nur ausgewiesene Spezialisten sich eine Artbestimmung zutrauen können. In der Liebhaber-Literatur werden sie darum seit jeher allesamt nur als „Viviparus viviparus“ geführt und auch wir im Handel unterscheiden nicht zwischen den Arten.
Nur zur Info: die hier abgebildeten und von uns zur Zeit angebotenen Tiere gehören zur Art V. contectus, die man von V. viviparus am leichtesten durch eine Fingerprobe unterscheiden kann. Ist die Gehäusespitze (der Fachausdruck lautet „Apex“) so spitz, dass es deutlich piekt, wenn man mit der bloßen Fingerbeere daraufdrückt, ist es V. contectus, falls nicht (der Apex also stumpf ist), dann ist es V. viviparus. Das Haus von V. ater, der dritten Art, ist einheitlich dunkelbraun-schwärzlich, ohne Binden. V. acerosus, die vierte im Bunde, ist sehr ähnlich zu V. contectus, aber bei V. contectus ist der vorletzte Umgang des Gehäuses ähnlich hoch wie der letzte, bei V. acerosus deutlich niedriger. Aber das sind nur allgemeine Hinweise, im Einzelfall ist die Bestimmung wirklich kniffelig, da die Sumpfdeckelschnecken je nach Lebensbedingungen auch ziemlich unterschiedlich aussehen können.
Sumpfdeckelschnecken sind getrennt geschlechtlich und atmen durch Kiemen. Das unterscheidet sie ziemlich deutlich von den beiden anderen genannten Schnecken, die Lungenatmer und Zwitter sind. Außerdem bringen alle Viviparus-Arten fertig entwickelte, bereits ziemlich große Jungtiere zur Welt, während Posthorn- und Spitzschlammschnecke gallertartige Eipakete absetzen. Die Männchen von Sumpfdeckelschnecken erkennt man daran, dass sie zwei ungleich gestaltete Fühler haben; einer der beiden ist keulenartig verdickt. Bei den Weibchen sind beide Fühler gleich entwickelt.
Viviparus sind keine Algenfresser bzw. Algen stellen nur einen kleinen Bestandteil ihrer Nahrung dar. 80% der Nahrung ist Detritus, also abgestorbene, zerfallende tierische und pflanzliche Reste. Darum sind Viviparus sehr pflanzenfreundliche Tiere, die selbst zarte Gewächse normalerweise nicht antasten.
Wir beziehen unsere Viviparus aus Teichwirtschaften. Sie sind ausschließlich für den Besatz von Gartenteichen und Aquarien gedacht. Bitte setzen Sie niemals irgendwelche Tiere oder Pflanzen aus dem Handel in die freie Natur aus und sorgen Sie dafür, dass Gartenteichtiere nicht abwandern können.
Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 879603 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.
Literatur: Gloer, P. & M. L. Zettler (2005): Kommentierte Artenliste der Süßwassermollusken Deutschlands. Malakologische Abhandlungen 23: 3-26
Text & Photos: Frank Schäfer